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Heißer Herbst: Streiks bei Metallern und Eisenbahnern?

METALLER-KV - WARNSTREIK DER METALLTECHNISCHEN INDUSTRIE: KUNDGEBUNG VOR FIRMA COLLINI
APA/ROBERT JAEGER
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Nicht nur in der metalltechnischen Industrie, wo die Warnstreiks weiterlaufen, stehen die Zeichen auf Sturm. Auch bei den Eisenbahnern stocken die Tarifverhandlungen. 85 Prozent der rund 45.000 Bahn-Beschäftigten sind bereit für Kampfmaßnahmen.

Noch sind es offiziell "nur" Warnstreiks, mit denen die Gewerkschaften Pro-GE und DPA-djp in der metalltechnischen Industrie ihre Kampfbereitschaft demonstrieren. Sie wollen für die  gesamte Branche mit 192.000 Beschäftigten ein Lohnplus von fünf Prozent und weitreichende Abgeltungen der neuen Arbeitszeitregeln (die maximal einen Zwölf-Stunden-Tag vorsehen). Der "Streik light" könnte sich aber rasch verschärfen, sollten die Arbeitgeber, deren Angebot bisher auf 2,7 Prozent lautet, nicht bald nachlegen. Einen neuen Gesprächstermin gibt es aber bis dato nicht. Pro-GE-Chef Rainer Wimmer, er ist auch einer der beiden gewerkschaftlichen Chefverhandler, fasst dabei schon den 19. November ins Auge.

Ab nächsten Montag könnten - erstmals seit langem in Österreich - aber nicht nur die Räder bei den Metallern stillstehen: Auch die Eisenbahner sind nämlich in Kampfstimmung. Dort gibt es zwar noch keine (Warn-)Streiks, die Arbeitnehmervertreter fühlen sich vor der achten Verhandlungsrunde am 21. November gestärkt. Grund dafür sind zwei Umfragen - eine unter rund 8000 eigenen Mitarbeitern und eine unter Bahnfahrern.

Kunden verstehen die Eisenbahner

Demnach sind einerseits 85 Prozent der rund 45.000 Eisenbahner der insgesamt rund 60 Eisenbahnbetriebe streikbereit, bekommen sie nicht akzeptable Zugeständnisse von den Arbeitgebervertretern. Andererseits sei die Kundenzufriedenheit mit 94 Prozent sehr gut und auch 69 Prozent der Bahnfahrer würden das von den Arbeitgebern gemachte Angebot einer "freiwilligen" Entgeltanhebung von drei Prozent nicht goutieren, so die Umfragen. 73 Prozent der Mitarbeiter gehe es auch um einen rechtlichen Anspruch zur besseren Freizeitgestaltung wie etwa der Vier-Tage-Woche.

Bisher seien die Verhandlungen zwar themenorientiert gelaufen, so der oberste Vida-Gewerkschafter Roman Hebenstreit am Dienstag. "Aber es kann sehr schnell sehr laut werden im Eisenbahnbereich." Das habe unterschiedliche Gründe. Jedenfalls stehe den Beschäftigten ein "fairer Anteil" daran zu, dass sie Österreich zum Eisenbahnland Nummer 1 in der EU gemacht hätten. Das Drei-Prozent-Anbot der Arbeitgeber sei inakzeptabel.

Einen konkrete Forderung wollte Hebenstreit nicht nennen. "Was wir wollen ist, dass eine Inflationsabgeltung, das Wirtschaftswachstum und die Produktivitätssteigerung bei den Beschäftigten ankommt", sagte Günter Blumthaler, Vorsitzender des Vida-Fachbereichs Eisenbahn. Man wolle wissen, was man den Arbeitgebern wert sei und verlange ein ernst zu nehmendes Angebot in der kommenden Runde, so Hebenstreit und Blumthaler. Denn das Drei-Prozent-Angebot bringe lediglich einen realen Lohnzuwachs von 0,2 Prozent, so die Kritik.

Die Sozialpartner verhandeln die Kollektivverträge für rund 45.000 Beschäftigte in rund 60 heimischen Eisenbahnunternehmen. Mit Abstand größte Firma sind die staatlichen Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB).

Geballte Fäuste

Die verfahrene Situation bei den Metaller-Verhandlungen beginnt sich verstärkt in den Verhandlungen zum Bahn-KV zu spiegeln. Wie die Metaller-Arbeitgeber sehen auch die Bahn-Arbeitgeber in den Forderungen der Gewerkschaft ein "unerfüllbares Belastungspaket", sagte Thomas Scheiber, Obmann des Fachverbandes Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer.  "Die Gewerkschafter sagen zwar, sie reichen uns die Hände - aber das nützt mir nichts, wenn die Fäuste geballt sind", sagte er in Reaktion auf die Aussagen der Vida-Gewerkschafter.

Scheibers Kritik am Vorgehen der Gewerkschaft deckt sich mit jener von Arbeitgeber-Sprecher Christian Knill bei den Metallern: Es gehe nicht um Vernunft, sondern eine "Inszenierung zum heißen Herbst, den die Gewerkschaft angekündigt hat. Wir sind ein bisserl in Geiselhaft mit unserer Branche wegen der politischen Ziele". Auch Scheiber taxiert die Gewerkschaftsforderung nach fünf Prozent mehr Gehalt als unerfüllbar, zumal das gesamte Paket rund zehn Prozent ausmache. "Das ist für manche Betriebe existenzbedrohend", sagte Scheiber. Diese Ausführungen könnten exakt auch von einem Metaller-Arbeitgebervertreter stammen, wie auch die Ausführungen der Gewerkschaft Vida zum Bahn-KV heute absolut an jene von PRO-GE und GPA-djp bei den Metallern klangen und klingen. Und noch in einem anderen Punkt ähnelt sich die Situation: Während die Arbeitgeber in der Metallindustrie "freiwillige Lohnerhöhungen von 2,7 Prozent erwägen, soll es keinen Abschluss geben, so bieten die Bahnunternehmen "freiwillig" drei Prozent.

"Die Mitarbeiter sind uns enorm viel wert", betonte Scheiber. "Es ist aber die Frage, was ist finanzierbar?".