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Zeiler über Kern: "Werfe Gescheitertem keine bösen Worte hinterher"

Medienmanager Gerhard Zeiler
Medienmanager Gerhard ZeilerAPA/GEORG HOCHMUTH
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Der Medienmanager fordert von der SPÖ eine klarere Position in der Migrationsfrage. Für das Kopftuchverbot im Kindergarten hat er Verständnis, für die Abschiebung von Lehrlingen und das Verhalten von Kanzler Kurz beim UN-Migrationspakt nicht.

Als Werner Faymann noch SPÖ-Chef und Bundeskanzler war, galt Gerhard Zeiler vielen als logischer Nachfolger. Doch es wurde der einstige ÖBB-Manager Christian Kern. Als Letzterer seinen politischen Abgang kundtat, brodelte die Gerüchteküche abermals, hie und da fiel wieder der Name des Medienmanagers. Doch es wurde Pamela Rendi-Wagner. Zeiler selbst nimmt die Situation gelassen. „Meine Frau ist froh, dass ich es nicht geworden bin“, sagt er – und er selbst denke sicherlich nicht öffentlich über die Vergangenheit nach.

Ob er Ambitionen auf das Amt des Ersten unter den Sozialdemokraten gehabt habe oder immer noch hege? „Hätte die große Mehrheit der Landesorganisationen mich gewollt, hätte ich darüber sehr ernsthaft nachgedacht. Das war aber nicht der Fall, also war es kein Thema“, kommentiert er die jüngsten roten Personalentscheidungen. An Rendi-Wagner gerichtet meint der 63-Jährige im Interview in der aktuellen Ausgabe des „profil“: Sie sei intelligent, ambitioniert und verfüge über eine hohe emotionale Intelligenz. Sein Fazit: „Das ist ein besseres Gesamtpaket als das ihrer drei Vorgänger.“

Zu Kern wolle er sich hingegen nicht äußern, betont der Präsident von Turner Broadcasting System International. Tut es dann aber doch, indem er meint: „Es liegt mir fern, einem Gescheiterten auch noch böse Worte hinterherzuwerfen. Nur so viel: Um heute zu führen, ein Unternehmen oder eine Partei, braucht man drei Fähigkeiten – gute Kommunikation, Strategie und das Talent, die richtigen Leute ins Team zu holen. Zwei von drei Punkten waren nicht seine Stärke.“ Welche genau er meint, lässt Zeiler offen. Deutlicher sind seine Worte bezüglich des Pfeifkonzerts gegen Faymann am 1. Mai 2016 am Wiener Rathausplatz: „Das war Rotzbubentum, nichts anderes.“

"Am allerbesten wären Schuluniformen"

Über die aktuelle türkis-blaue Agenda sagt Zeiler: Er habe Verständnis für das Kopftuchverbot im Kindergarten und in der Schule („Am allerbesten wären Schuluniformen.“), der Familienbonus sei „grundsätzlich eine positive Maßnahme – aber es kann doch nicht sein, dass eine alleinerziehende Mutter weniger bekommt, weil sie nur halbtags arbeiten kann“. Um eine Arbeitszeitflexibilisierung – Stichwort Zwölfstundentag – werde man „nicht herumkommen“, so Zeiler, jedoch brauche es die Zustimmung der Betriebsräte.

Den Rückzieher von ÖVP und FPÖ in Sachen UN-Migrationspakt – die Regierung hat bekanntlich angekündigt, diesen nicht mittragen zu wollen, obgleich sie in die Verhandlungen darüber einbezogen war – kritisiert der Medienmanager. Zwar sei das Abkommen „kein Stein der Weisen“, doch zumindest eine „positive Absichtserklärung“. Dass Österreich diese nicht mittrage „wird weder der Reputation des Landes guttun, noch der des Bundeskanzlers [Sebastian Kurz, ÖVP, Anm.]“, prophezeit er.

"Verstehe nicht, warum wir Lehrlinge abschieben"

Im Ausland, so schildert Zeiler weiter, werde er oft gefragt, ob die Regierung „wirklich so rechts oder sogar rechtsradikal“ sei. Er halte dagegen, versichert er, räumt aber ein: „Ich verstehe nicht, warum sich der Bundeskanzler vom Koalitionspartner in dieser Frage so drängen lässt. Ich verstehe auch nicht, warum wir Lehrlinge abschieben.“ Das mache nicht einmal die bayerische CSU, setzt er einen Seitenhieb in Richtung Nachbarland.

Der SPÖ rät er daher, beim Thema Migration anders aufzutreten: „Ich habe Verständnis, wenn Leute sagen, dass wir in den letzten drei Jahren eigentlich genug Leute aus anderen Kulturen hereingelassen haben.“ Nun müsse man diese Menschen integrieren – und von ihnen auch verlangen, dass sie die Werte Europas zur Kenntnis nehmen. „Jeder hat eine zweite Chance verdient, aber keine dritte und vierte“, betont Zeiler.

(hell)