Geld & Finanzen

„Bitcoin ist keine Währung“

Shermin Voshmgir gibt Krypto ein Gesicht, aber manchmal fehlen die Worte.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Blockchain und der Finanzmarkt werden zusammenwachsen und gänzlich neue Assetklassen werden entstehen, sagt Shermin Voshmgir, die Leiterin des Instituts für Kryptoökonomie an der WU.

Österreich ist immer spät dran? Stimmt nicht. An der WU wurde heuer mit dem Forschungsinstitut für Kryptookönomomie einer der ersten Orte geschaffen, an denen die Anreizsysteme hinter Bitcoin und Co. wissenschaftlich ausgeleuchtet werden. Als Leiterin ist die Wienerin Shermin Voshmgir aus Berlin zurückgekehrt. Dort hat sich die Wirtschaftsinformatikerin einen Ruf als Blockchain-Expertin aufgebaut. Das Interesse der Studenten am Thema ist riesig. Eine Blockchain-Veranstaltung von „Presse“ und WU musste kürzlich vom Festsaal in die Aula verlegt werden, weil sich mehr als 500 Personen angemeldet hatten. Mit dabei: Shermin Voshmgir und der WU-Ökonom Guido Schäfer. Was noch fehlt, sagt Voshmgir, ist das notwendige Vokabular, um über die neuesten Entwicklungen sprechen zu können. So sei Bitcoin keine Währung, sondern ein Kryptoasset. „Die Presse“ hat sie für ein Gespräch über die Zukunft getroffen.

Die Presse: Was haben wir im zweiten Halbjahr 2017 erlebt, als der Bitcoinpreis auf fast 20.000 Dollar gestiegen ist? War das eine reine Spekulationsblase oder die Explosion einer neuen Technologie?

Shermin Voshmgir:
Sowohl als auch. Die Entwicklungen und Projekte, die wie Bitcoin auf der Blockchain-Technologie aufbauen, haben sich explosionsartig vermehrt. Da war ein kritischer Punkt erreicht. Darunter sind viele sehr spannende Sachen, aber nicht alle Projekte werden überleben. Wir haben da natürlich auch einen Hype gesehen, der durch die steigenden Kurse angetrieben wurde. Ich vermute, dass zunehmend auch institutionelles Geld in den Markt hineingeflossen ist.

Ist die Phase des Wilden Westens im Bitcoinmarkt vorbei? Ist der Markt jetzt zivilisiert und langweilig?