30 Fußballfelder pro Tag für Österreichs Wohlstand

In Österreich werden täglich 30 Fußballfelder verbaut.(c) Hagelversicherung

Seit 2001 hat die in Österreich verbaute Fläche um ein Viertel zugenommen. Im gleichen Zeitraum stieg die heimische Bevölkerung um 9,1 Prozent.

Die Österreicher sind konstant zufrieden. Das ergibt die Untersuchung „Wie geht’s Österreich?“ der Statistik Austria ("Die Presse" berichtete). Aber unser Wohlstand geht zu Lasten der Umwelt und ist ökologisch teuer erkauft. Vor allem die zunehmende Verbauung wird als negativ bzw. problematisch beurteilt. Die Österreichische Hagelversicherung, ein ständiger Mahner, warnt in einer Aussendung vor den fatalen Auswirkungen des unkontrollierten Bodenverbrauchs in Österreich.

In Österreich nahm die verbaute Fläche von 2001 bis 2017 um rund 25 Prozent zu, sagt Konrad Pesendorfer von der Statistik Austria. In absoluten Zahlen sind das rund 1.132 Quadratkilometer oder anschaulicher ausgedrückt 2,5 Mal die Landesfläche Wiens. Im gleichen Zeitraum ist die Bevölkerung des Landes nur um 9,1 Prozent gestiegen.

(c) Hagelversicherung

Ein folgenschweres Umweltproblem ist dabei die fortschreitende Bodenversiegelung, also die Abdeckung des Bodens durch wasserundurchlässige Schichten, etwa Asphalt. Der Anteil der versiegelten Flächen an den Siedlungs- und Verkehrsflächen in Österreich betrug 2017 rund 41 Prozent.

Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie klar verfehlt

„Weniger Äcker und grüne Wiesen bringen schwerwiegende Konsequenzen mit sich“, erklärt Kurt Weinberger, Chef der Österreichischen Hagelversicherung. Wir gefährden die Lebensmittelversorgung sowie tausende Arbeitsplätze, so Weinberger.

Der heimische Bodenverbrauch liegt trotz eines leichten Rückgangs noch immer um den Faktor 5 über dem Ziel der österreichischen Bundesregierung aus dem Jahr 2002. Damals wurde der Maximalverbrauch mit 2,5 Hektar pro Tag festgelegt, im Schnitt der letzten 10 Jahre waren es jedoch 20 Hektar, gibt Weinberger zu bedenken. Das entspricht der Fläche von 30 Fußballfelder pro Tag

Dass dieses Thema für die heimische Bevölkerung ein echtes Anliegen ist, zeigt eine market-Umfrage, wonach sich 84 Prozent aller Befragten gegen eine rasant fortschreitende Verbauung des Landes aussprechen.

Um den rasanten Bodenverbrauch einzudämmen, wird die Umsetzung eines Maßnahmenbündels gefordert. Mit einem Masterplan für den ländlichen Raum soll die Beschränkung des Bodenverbrauchs tatsächlich auf 2,5 Hektar pro Tag begrenzt werden. Leerstehende Industrie-, Gewerbe- und Wohnimmobilien sollen revitalisiert werden. Derzeit stehen laut Umweltbundesamt in Österreich 40.000 Hektar leer. Dazu soll eine österreichweite Leerstandsdatenbank eingerichtet werden. Weinberger fordert auch, dass Baulandausweisungen sollen nur noch dann genehmigt werden, wenn die betreffende Gemeinde nachweisen kann, dass keine angemessenen Innenentwicklungspotentiale verfügbar sind. Alast but not least soll der Ausbau des öffentlichen Verkehrs forciert werden, da dieser weniger Flächen in Anspruch nehme.

(red./herbas)