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Legende

Filmkomponist Ennio Morricone ist tot

Ennio Morricone, zweifacher Oscar-Preisträger.
Ennio Morricone, zweifacher Oscar-Preisträger.(c) REUTERS (MARIO ANZUONI)
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Der „Maestro“ hat über 500 Filmmusiken geschrieben - zu "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "The Hateful Eight“. Dafür bekam er noch 2016 einen (weiteren) Oscar.

Der in Rom geborene Ennio Morricone war schon Jahrzehnte, bevor ihn US-Regisseur Quentin Tarantino in seinen Erfolgsfilmen "Kill Bill", "Django Unchained" und "The Hateful Eight" einsetzte, wegen seiner Filmmusik für Klassiker wie "Spiel mir das Lied vom Tod", "Für eine Handvoll Dollar" und "Es war einmal in Amerika" Kult.

Nun starb der Filmmusikkomponist im Alter von 91 Jahren in Rom. Mehr als 500 Filmmusiken für Kino und Fernsehen hat er im Laufe seiner Karriere komponiert. Bereits fünf Mal war er, den man mit „Maestro“ ansprach, für einen Oscar nominiert, bevor er 2007 einen Ehrenoscar erhielt. Den wichtigsten Filmpreis der Welt konnte er schließlich noch 2016 für die Musik zu Quentin Tarantinos "The Hateful Eight" für sich reklamieren. 

Der beste Preis im Leben

"Erfolg kann schon befriedigend sein, aber die Musik muss stets pur und korrekt sein, niemals bloß ein Vehikel, um anerkannt zu sein", schreibt er im vor wenigen Jahren erschienenen Erinnerungsbuch "Life Notes" ("La musica e oltre"). Und weiter: "Der beste Preis meines Lebens war die Feier der Goldenen Hochzeit mit meiner Frau Maria."

Geboren wurde Morricone am 10. November 1928 im Römer Stadtteil Trastevere in einer musikbegeisterten Familie mit vier Geschwistern. Sein Vater war Trompeter, und auch Morricone interessierte sich schon als Kind für die Musik, begann im Alter von sechs Jahren zu komponieren. 1938 schrieben ihn seine Eltern am Konservatorium in Rom ein, wo er Diplome in Komposition und Trompete erwarb und danach zunächst in Orchestern spielte.

Arbeit am Film "Die Unbestechlichen": Morricone mit Brian De Palma.
Arbeit am Film "Die Unbestechlichen": Morricone mit Brian De Palma.(c) imago images/Everett Collection

Klassenkamerad Sergio Leone

In seinen jungen Jahren versuchte er sich an Theatermusik. Er vertonte auch Dichter wie Giacomo Leopardi und komponierte für das Radio. Durch seine Arbeit in den Pionierjahren der Rundfunkanstalt RAI erlebte er die Entstehung des Mediums Fernsehen hautnah mit. Bald begann er für das aufstrebende Massenmedium zu komponieren.

Von 1964 an arbeitete Morricone gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden, dem Regisseur Sergio Leone, für dessen Filme "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Zwei glorreiche Halunken" (1966) und "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) er die Musik schrieb, sowie mit Bernardo Bertolucci. Leone beteuerte immer wieder die Wichtigkeit von Morricones Musik für seine Filme, da dieser Dinge auszudrücken vermag, die sonst in Bildern hätten dargestellt werden müssen.

Im Laufe seiner Karriere arbeitete der Römer mit weltbekannten Regisseuren wie Roman Polanski, Oliver Stone und Margarethe von Trotta zusammen. Aber auch klassische Musik und Fernsehmelodien hat er komponiert.

Die aus all diesen Beschäftigungen resultierende Experimentierfreude und die Lust am Einsatz seltener Instrumente, etwa der Maultrommel, zeichnen seinen späteren Stil aus. Zwischen Kassenschlagern wie "The Good, the Bad and the Ugly" ("Zwei glorreiche Halunken") von Sergio Leone und "Mission" von Roland Joff , Filmen, die auf großes Publikum zielten, tobte er sich auf anspruchsvolleren Streifen mit exzentrischen Einfällen und avantgardistischer Attitüde aus. Etwa in "Le trio infernal" (mit Romy Schneider, Michel Piccoli), "Veruschka" und "Un uomo a met ". Als beste seiner Filmmusiken gilt im Übrigen sein Score zu Henri Verneuils "Der Clan der Sizilianer".

 

(sam/ Red.)