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Serientipps

Neue Serien: Hexen, Bomben und alte Grantler

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Die neue „Sabrina“ hat mit ihrem Vorbild aus den 90ern wenig zu tun.(c) Diyah Pera/Netflix (Diyah Pera/Netflix)

Der Macher der „Big Bang Theory“ schickt Michael Douglas zum Urologen, Lena Dunham lässt ein paar Mittvierziger zelten, ein Teenager bekommt es mit Satan zu tun und ein Polizist mit viel Sprengstoff: Empfehlungen der Redaktion.

Chilling Adventures of Sabrina

Schön makaberer Hexenkessel, zu sehen auf Netflix

Ein kurzer Ausflug ins Fernsehen der späten 90er: Da war doch die Teenager-Hexe Sabrina, die mit ihrem Kater sprach und mit ihrem fliegenden Staubsauger (!) durch die Atmosphäre düste. Da war die Vampirjägerin Buffy, die typischen (Schulhölle) und eher untypischen (Cyborg-Dämonen) Jugendproblemen ausgesetzt war. Und da waren die „Charmed“-Schwestern, die auf ihrem Dachboden händehaltend Zaubersprüche murmelten. Der jüngste Netflixhit ist zwar eine Art Reboot der „Sabrina“-Sitcom (genau genommen sind beides Comic-Adaptionen), erinnert aber ästhetisch wie inhaltlich eher an die anderen beiden Beispiele. Auf Albernheiten wurde verzichtet, dafür geht es hier düster zu: Die rechtschaffene Halbhexe Sabrina (Kiernan Shipka) soll an ihrem 16. Geburtstag alle Beziehungen zur Sterblichenwelt kappen und sich der Familiensekte anschließen, Satan persönlich ist an ihren Diensten interessiert. Die Dämonen hier sind vergnüglich trashig, die Hexenrituale ziemlich makaber, die Lehren der „Church of Night“ furchtbar dogmatisch; dazwischen geht's um familiäre Pflichten, Gewissensfragen, auch weibliche Ermächtigung: Man könnte das als moderne Moraldebatte im schauerromantischen Gewand sehen. Auf jeden Fall ist es ein großer Spaß. (kanu)


Bodyguard

Hochexplosive BBC-Serie, zu sehen auf Netflix

Schon in der ersten Folge wird nicht lange gefackelt: Gerade noch betrachtet Polizist David Budd im Zug nach London seine schlafenden Kinder, da steht er schon einer Islamistin mit Sprengstoffweste gegenüber. Er sei genauso nervös wie sie, sagt er, aber man kauft es ihm nicht ab. Hochprofessionell rettet er den ganzen Zug – und die Attentäterin gleich mit. Gefeiert wird der Ex-Soldat dafür nicht, aber befördert: Als Personenschützer des Londoner Metropolitan Police Service teilt man ihn der ehrgeizigen Innenministerin Julia Montague zu. Von seiner posttraumatischen Belastungsstörung weiß da freilich niemand etwas. „Bodyguard“ ist spannend, in quasi jeder Folge droht eine Bombe zu explodieren. Beim Schauen wechselt man unweigerlich mehrmals die Seiten. Lücken in der Logik muss man allerdings akzeptieren. (rovi)

 

Camping

Lena Dunhams neuer Streich, zu sehen auf Sky

Nach dem Ende von „Girls“ wurde Lena Dunhams Nachfolgeprojekt sehnsüchtig erwartet – doch die Geschichte von der kontrollwütigen Kathryn, die ihrem Mann zum 45. Geburtstag einen Campingausflug schenkt, enttäuschte die Kritik. Wer will schon 8 mal 30 Minuten einer Hysterikerin (angemessen unerträglich: Jennifer Garner) dabei zusehen, wie sie alle in den Wahnsinn treibt? Doch das Urteil war voreilig: Nach der ersten Folge entwickelt „Camping“ Charme und auch politischen Witz, vor allem, weil klar wird, dass hier so ziemlich jeder einen egozentrischen Knall hat: Die selbst ernannte Reiki-Heilerin, die so tut, als sei sie wach geblieben, um dem Mond zu huldigen, dabei kann sie vor lauter Ärger nur nicht schlafen. Der Freund, der so stolz auf sich selbst ist, weil er eine schwarze Frau hat. Am sympathischsten ist da noch der politisch unkorrekte Polterer in der Runde. Wer sich in keiner der Figuren wiederfindet, ist selber schuld. (best)

 

Elite

Spanischer Highschool-Krimi, zu sehen auf Netflix

An der Eliteschule sind reiche Töchter und Söhne unter sich – bis drei arme Stipendiaten kommen: Samuel (er hat einen kriminellen Bruder), Christian (er will einflussreiche Freunde) und die Muslimin Nadia bringen das Gefüge zwischen den Nobel-Kids aus dem Lot. Ein unterkühlter Highschool-Krimi über Sex, Religion, Freundschaft, Homosexualität, Intrigen, HIV – und einen Mord. (i. w.)

 

The Kominsky Method

Alternde Hollywoodstars in aller Tragikomik, zu sehen auf Netflix

Die neue Serie des „King of Sitcoms“, Chuck Lorre, kommt ohne Lachspur aus – und teilt gleich zu Beginn gegen Lorres frühere Kreationen aus: So ein Blödsinn wie „The Big Bang Theory“ sei doch nichts für einen großen Schauspieler wie Sandy Kominsky (Michael Douglas), erklärt ihm sein Langzeitagent Norman Newlander (Alan Arkin). Nicht dass der bedeutungslos gewordene Star solche Rollen überhaupt bekommen würde: Er hält an altem Ruhm fest, indem er den Studenten seiner Schauspielschule von besseren Zeiten erzählt und sein eigenes Altern demonstrativ leugnet. Der dauergrantelnde Norman führt inzwischen imaginäre Gespräche mit seiner dem Krebs erlegenen Frau. Beide schließt man trotz Eitelkeit und Griesgram schnell ins Herz: „The Kominksy Method“ blickt liebevoll auf das mehr oder weniger würdevoll alternde Hollywood, ohne sich selbst ernst zu nehmen oder tiefgründig werden zu wollen. Komik bezieht die Show eher aus ihrer Tragik als aus Witzen; diese drehen sich vor allem um Sandys Prostata, was schnell ermüdend wird – aber immerhin geben sie Anlass für einen irrwitzigen Auftritt von Danny DeVito als Urologe. Auch viele andere Altstars geben sich die Ehre: Herzig! (kanu)

 

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