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Skoda Kodiaq ist geschäftsschädigend - für VW und Audi

Mit dem Kodiaq Scout schafft man es auch ins Gelände, wenn es nicht allzu geländig ist.
Mit dem Kodiaq Scout schafft man es auch ins Gelände, wenn es nicht allzu geländig ist.(c) Norbert Rief (Norbert Rief)

Fahrbericht. Mit dem Kodiaq hat Skoda ein rundum gelungenes SUV im Programm, das in Bezug auf Qualität, Ausstattung und Preis konkurrenzlos ist. Vermutlich nicht zur Freude der anderen Konzernmarken.

Früher einmal war ein Auto ein Statussymbol. Mit einem Mercedes hatte man es geschafft, der Yuppie fuhr BMW, der strebsame Mitarbeiter reiste im Dienst-Audi an, und wer aus dem Porsche stieg, war ein besonders cooler Knochen. Einen Skoda aber hätte nie jemand mit etwas Selbstachtung gekauft. Selbst als VW die einstmals planwirtschaftlich gebauten Blechkübel zu fahrbaren Autos machte (ab 2000), haftete der Marke weiterhin der Stallgeruch des Kommunismus an. Viel tiefer, als auf einen Skoda, konnte man motorisch nicht sinken.

Doch die Deutschen arbeiteten kontinuierlich und diszipliniert an ihrer osteuropäischen Tochter, verbesserten die Technik, die Verlässlichkeit, das Design – so lang, bis Reinhard Jung 2010 deshalb seinen Chefposten verlor. Denn Autotester befanden, dass der Skoda Superb Kombi besser sei als der Passat: Er biete deutlich mehr fürs Geld und unterscheide sich kaum noch vom VW.

Verschiebbare Rückbank

Der damalige Konzernchef, Martin Winterkorn, tobte und schickte Jung mit seinen 59 Jahren in Pension: Skoda sollte die Billigmarke sein, nicht ein Konkurrent von VW.

Heute ist Herbert Diess Herr über die Marken des Volkswagen-Konzerns – und eigentlich müsste er nach dieser Logik den aktuellen Skoda-Vorstandsvorsitzenden, Bernhard Maier, pensionieren (er wird bald 59 Jahre). Denn was sich Maier mit dem Skoda Kodiaq erlaubt hat, ist schwer geschäftsschädigend – für VW und sogar für Audi.

Das SUV ist – um gleich mit dem Fazit zu beginnen – ein rundum gelungenes Auto und in seiner Klasse in Bezug auf Qualität, Ausstattung und Preis unschlagbar. Wir vergleichen ihn in unserem Test mit dem VW Tiguan. Der Kollege aber, sonst kein großer Freund von „Gemeindebauförsterautos“, wie er sie verächtlich bezeichnet, hat den Kodiaq sogar in einem Atemzug mit dem Audi Q5 genannt. Und würde dem Skoda den Vorzug geben.

(c) DIRK DANIEL MANN

Schon nach dem Einsteigen fühlt man sich im Kodiaq wohl: Er ist beeindruckend geräumig, sehr luftig, bietet genügend Ablageflächen – keine Selbstverständlichkeit mehr in den vollgepferchten SUVs – und sogar zwei Handschuhfächer.

Auch die Passagiere auf den Rücksitzen können sich bequem ausstrecken, die Rückbank lässt sich um bis zu 18 Zentimeter verschieben. Der Radstand von 2,79 Metern ist nur geringfügig kleiner als beim Q5 (2,82 Meter) und doch spürbar größer als beim Tiguan (2,61 Meter; der Tiguan ist allerdings auch um 23 Zentimeter kürzer als der 4,69 Meter lange Kodiaq).

Apropos einsteigen. Das hat man schon lang nicht mehr gesehen: Einen Plastikschutz, der beim Öffnen automatisch ausfährt und sich schützend über die Kante der Tür legt. So bleibt der Kontakt in engen Garagen für den Lack des eigenen und des Nachbarautos folgenlos. Ein nettes Detail, genauso wie der für Skoda obligate Regenschirm in der Vordertür, der Parkscheinhalter, der Mistkübel in der Türablage, der Eiskratzer im Tankdeckel oder die kleine Taschenlampe im Kofferraum.

Geräumiger Kofferraum

Bleiben wir noch beim Platz: Der Kofferraum hat (beim Fünfsitzer) ein Volumen von 720 Litern, bei umgelegten Sitzen sogar 2065. Beim Tiguan bzw. Q5 sind es 500 (550) bzw. 1550 Liter. Unter dem Kofferraumboden des Kodiaq findet man zudem noch ein weiteres, verstecktes Ablagefach.

Bei der Innenausstattung hat man – nachvollziehbarerweise – etwas gespart, die vielen Bildschirme, auf die man mittlerweile bei VW und Audi setzt, gibt es nicht. Kein Nachteil: Man merkt erst, wie leicht sich eine Klimaanlage bedienen lässt, wenn man Knöpfe und Dreher hat und nicht auf einem Touchscreen herumtappen muss. Für Infotainment und Navi steht ein 9,2-Zoll-Display zur Verfügung, das auch Apple CarPlay und Android Auto bietet. Das Handy lädt derweil im Ablagefach per Induktion auf.

Nicht gespart hat man beim Angebot für die Assistenzsysteme: Von der Verkehrszeichenerkennung über den Spurhalte- und Parkassistenten bis hin zum automatischen Abstandhalter. Viele erhält man freilich erst gegen Aufpreis.

Unser Testmodell war der Kodiaq Scout, den man geländegängiger und optisch etwas wuchtiger gemacht hat. Er kommt standardmäßig mit Unterbodenschutz, Allradantrieb und einem Offroad-Knopf in der Mittelkonsole. Der Knopf aktiviert keine Untersetzung und sperrt auch kein Differenzial, regelt aber elektronisch Dämpfer, ABS, Schlupf, Kraftverteilung und Differenzial so, dass man damit recht gut durch Matsch, Schnee und über Forstwege kommt.

Motorisiert war der Scout mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor mit 190 PS, womit sich der 1,8 Tonner in Kombination mit der Siebengang-DSG durchaus dynamisch fahren lässt – und das bei einem Testverbrauch von 7,2 Litern.

All das hat freilich mittlerweile auch bei Skoda seinen Preis. Der Kodiaq beginnt zwar bei 28.520 Euro, das ist aber so theoretisch wie der Startpreis des VW Tiguan (23.990 Euro) und vor allem des Audi Q5 (49.360 Euro). Für einen Kodiaq Scout bezahlt man bereits ab 42.000 Euro, mit ein paar brauchbaren, aber nicht unbedingt luxuriösen Zusatzpaketen überschreitet man schnell die 50.000-Euro-Grenze.
Das ist durchaus selbstbewusst von Skoda, aber man hat auch allen Grund dazu.