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Über 1200 Menschen wegen Feuerkatastrophe in Kalifornien vermisst

U.S. President Donald Trump visits the Skyway Villa Mobile Home and RV Park, a neighborhood destroyed by the camp fire with Mayor Jody Jones in Paradise
Donald Trump mit Jody Jones in den Ruinen von Paradise: Anderen Orten gehe es noch schlechter, meinte der Präsident zur Bürgermeisterin.(c) REUTERS (LEAH MILLIS)
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76 Menschen starben durch die Waldbrände. Die Zahl der Vermissten stieg auf über 1200. US-Präsident Donald Trump besuchte die am schlimmsten betroffenen Gebiete.

Gut eine Woche nach Ausbruch der verheerenden Waldbrände in Kalifornien hat US-Präsident Donald Trump die besonders stark heimgesuchten Gegenden besucht. Der Präsident reiste am Samstag in das Gebiet des "Camp Fire" im Norden des Bundesstaats, wo nach jüngsten Behördenangaben mindestens 76 Menschen ums Leben kamen. 1276 Menschen werden demnach vermisst.

Gemeinsam mit der Bürgermeisterin der am schlimmsten betroffenen Stadt Paradise, Jody Jones, machte er sich vor Ort ein Bild von der Lage. "Das ist sehr traurig", sagte Trump in Paradise. Allerdings sei ihm gesagt worden, dass andere Gebiete noch schlimmer betroffen seien, "die sind nur noch Asche". Dabei ging er vorbei an geschmolzenen Autos, Baumstümpfen und bis auf die Grundmauern abgebrannten Häusern.

Trump gab kalifornischer Regierung Schuld an Bränden

Im nahegelegenen Chico stattete Trump dem provisorischen Einsatzzentrum einen Besuch ab. Während sich der Präsident über eine große Karte beugte, erklärten ihm Feuerwehr-Verantwortliche die rasche Ausbreitung des Feuers vom 8. November, das bereits eine Fläche von knapp 60.000 Hektar zerstörte.

Der US-Präsident wurde von seinem Stabschef John Kelly und seinem Schwiegersohn Jared Kushner begleitet. Sie wurden am Flughafen von dem scheidenden Gouverneur Jerry Brown von den Demokraten und dessen Nachfolger Gavin Newsom begrüßt.

Derweil meldeten die Behörden fünf weitere Tote des "Camp Fire". Damit stieg die Opferzahl auf insgesamt 76. Knapp 10.000 Wohnhäuser und 2500 weitere Gebäude gingen bisher in Flammen auf. Am Samstag war der Brand zu 55 Prozent unter Kontrolle.

Trump hatte vor einigen Tagen Empörung ausgelöst, als er der kalifornischen Regierung die Schuld für die rasche Ausbreitung der Brände gab und mit der Streichung von Bundesmitteln drohte. Der Republikaner Trump kritisiert den von den Demokraten regierten Bundesstaat an der Westküste immer wieder.

"Woolsey Fire" zu 80 Prozent unter Kontrolle

Weiter im Süden Kaliforniens ist das "Woolsey Fire" nach Behördenangaben zu 80 Prozent unter Kontrolle. Die Feuerwehr rechnet damit, dass der Waldbrand bis Montag gelöscht sein werde. In dem Feuer waren drei Menschen ums Leben gekommen, eine Fläche von knapp 40.000 Hektar wurde zerstört.

Knapp 9000 Feuerwehrleute sind zur Bekämpfung der beiden Waldbrände im Einsatz. Zehntausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele von ihnen durften bisher nicht zurückkehren.

Ermittlungen zu Ursachen dauern an

Seine Vorwürfe eines schlechten Forst-Managements wiederholte Trump am Samstag. "Das hätte alles ganz anders laufen können", sagte er. Auf die Nachfrage, ob der von ihm bestrittene Klimawandel seiner Meinung nach eine Rolle spiele, antwortete der US-Präsident lediglich mit einem erneuten Verweis auf den Forst-"Management-Faktor". Seine "starke Meinung" zum Klimawandel sei unverändert.

Die Pensionistin Roslyn Roberts aus Paradise, die Trump gewählt hatte, widersprach dem Präsidenten. Die Brände hätten nichts mit angeblichem Forst-Missmanagement zu tun, sagte die 73-Jährige, die aus ihrem Haus hatte fliehen können, in einer Notunterkunft. "Tausende von Häusern wurden zerstört, wo es überhaupt keine Bäume gab." Auch der Chef der kalifornischen Berufsfeuerwehr, Brian Rice, hatte Trumps Vorwürfe als "gefährlich falsch" zurückgewiesen. Nach seinem Besuch im Norden Kaliforniens reiste Trump weiter in den Süden, wo er sich in Malibu ein Bild der Schäden machte.

Glück im Unglück hatte laut einem CNN-Bericht eine 93-jährige Frau in Magalia nördlich von Paradise. Sie erfuhr aus den Nachrichten, dass sich das Feuer ihrem Wohnviertel näherte. Als sie um Hilfe rufen wollte, funktionierte das Telefon nicht mehr. Sie versuchte, sich zu Fuß in Sicherheit zu bringen, als plötzlich ein großer Müllwagen vorbeikam und sie mitnahm.

Derweil wurden die Ermittlungen zur Ursache der beiden Waldbrände fortgesetzt. Gegen einen örtlichen Stromlieferanten wurde Anzeige erstattet, nachdem dieser einen Zwischenfall an einer Hochspannungsleitung kurz vor dem Ausbruch des Feuers in Paradise gemeldet hatte.

(APA)