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Der nächste Sager kommt bestimmt

Sexismus. Rassismus. Zynismus. Drei Worte, die keiner mag. Trotzdem sind sie allgegenwärtig. Leider.

Zuerst lachten sie alle. Zumindest jene, die im Livestream aus dem Tiroler Landtag zu sehen sind. „Sie schaut mir zu“, sagt Georg Dornauer (freilich im Dialekt) und meint damit Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer, die krankheitsbedingt nicht an der Sitzung teilgenommen hat. „Grüß Gott“, richtet der 35-Jährige der vermuteten Zuseherin also aus.

Jetzt will ich mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen“, fügt er (vom freudigen Zuspruch beflügelt?) hinzu. Die Pointe – sollte es eine gewesen sein– geht nicht auf. Das Lachen verstummt, ein paar „Hohos“ fängt das Mikrofon auf. Vereinzeltes Kopfschütteln. Dornauers Amtsvorgängerin, Elisabeth Blanik, schlägt die Hände zusammen. Der Tiroler SPÖ-Chef lächelt noch: „Nein, nein, wenn sie liegt, wenn sie liegt, das will ich jetzt…“, müht er sich ab – und windet sich aus der Peinlichkeit: „Wollen wir nicht vom Thema abkommen.“

Das tun wir nicht. Denn es ist zu wichtig, um gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen. Das Thema lautet: Umgangsformen. Wo sind sie geblieben?

Sieht man die (politische) Meldungen der jüngeren Vergangenheit durch, so zeigt sich: Für Likes und Lacher wird gerne die unterste Kommunikationsschublade aufgemacht. Sei es bei Ansprachen, Interviews, auf Twitter oder am Stammtisch. Sexismus! Rassismus! Zynismus!, rufen dann die einen. War ja nicht so gemeint! Regt euch nicht auf!, kontern die anderen. Ein Schlagabtausch, den manchmal eine Entschuldigung durchbricht. Selten ein Rücktritt. Und weiter geht‘s im Tagesgeschäft.

Der nächste Sager kommt bestimmt. Denn er bringt ja Lacher und Likes – und die Medien berichten dann. Zwar nicht immer positiv – aber hey, Provokation macht bekannt. Auch wenn sie einen mittlerweile schneller den Job kosten kann.