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Gute Zeiten für das „Detroit Österreichs“

Nach einer harten Krise läuft es beim steirischen Autocluster und bei dessen Aushängeschild, Magna Steyr, wieder rund. Heuer sollen rund 200.000 Fahrzeuge das Werk im Süden von Graz verlassen. Erstmals gibt es auch einen Japaner „made in Austria“.

Dass in Graz Autos gebaut werden, hat eine lange Tradition. Bereits 1899 gründete Johann Puch sein Unternehmen, das anfangs nur Fahrräder, schon nach einem Jahr aber auch Motoren und Autos baute. Die Puch-Voiturette von 1900 war nur 14 Jahre nach der Erfindung des Automobils eines der ersten in Serie gebauten Fahrzeuge weltweit. Und auch der auf Basis einer Lizenz von Fiat hergestellte Puch 500 der 1950er- und 1960er-Jahre ist ein Stück österreichischer Wirtschaftswundergeschichte.
Noch heute wird in Graz mitunter von den „Puch-Werken“ gesprochen, wenngleich dieser Name seit der Übernahme durch Magna im Jahr 1998 weitgehend verschwunden ist. Das tat der Produktion von Automobilen aber keinen Abbruch – im Gegenteil: Unter der Ägide des von Frank Stronach gegründeten Konzerns wurde Magna Steyr, wie die Puch-Werke schon längst heißen, zu einem wichtigen Spieler in der europäischen Automobilindustrie.

Verdoppelung seit 2017

So stellt das Grazer Unternehmen zwar keine Fahrzeuge unter eigenem Namen her, es ist jedoch sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion für namhafte Konzerne tätig. Das Jahr 2018 markiert dabei auch einen positiven Wendepunkt. Mit einer Produktion von 200.000 Stück – im Vergleich zu 2017 mit 77.900 Stück mehr als eine Verdoppelung – soll die Krise der vergangenen Jahre endgültig abgeschüttelt werden.
Erst seit Anfang November läuft bei Magna Steyr der neue Z4 Roadster von BMW vom Band. Mit dem Sportwagen werden nun schon zwei Modelle der Bayern in Graz gefertigt. Denn seit März 2017 wird auch der 5er-BMW in der steirischen Landeshauptstadt gebaut. Damit bleibt der Münchner Konzern seiner Verbundenheit zu Graz treu. So lässt BMW bereits seit 2003 in Graz produzieren. Zuerst den ersten X3, danach verschiedene Mini-Modelle. In Summe wurden in den vergangenen 15 Jahren mehr als 1,2 Millionen BMW bei Magna Steyr hergestellt.
Während beim 5er-BMW die Produktion in Graz zusätzlich zu jener des BMW-Werks im bayrischen Dingolfing erfolgt, wird der Z4 ausschließlich in Graz für den gesamten Weltmarkt hergestellt. Und noch eine zweite Besonderheit brachte dieser Auftrag. So wurde das Fahrzeug von BMW zusammen mit Toyota entwickelt. Und das führt dazu, dass in Graz künftig auch das Z4-Schwestermodell Toyota Supra von den Bändern laufen wird. Dadurch wird auch erstmals ein Automobil eines japanischen Herstellers in Österreich produziert.

Elektrisch in Graz

Und auch eine andere Premiere gab es heuer bereits. So wird seit dem Frühjahr 2018 der Jaguar I-Pace in Graz hergestellt. Das ist zwar bereits das zweite Fahrzeug des zum indischen Tata-Konzern gehörenden britischen Premiumherstellers, das von Magna Steyr erzeugt wird. Es ist aber das erste Elektroauto, das serienmäßig in der Steiermark gefertigt wird.
Damit schließt Magna Steyr an seine erste Hochzeit vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise an. Im bisher besten Jahr, 2006, wurden in Graz fast 260.000 Autos produziert. Nachdem die Zahl der Autoverkäufe jedoch Anfang des Jahrzehnts europaweit drastisch zurückgegangen war, holten viele Autokonzerne die Produktion in eigene Werke zurück, um dort für volle Auslastung zu sorgen.
Das ist nun vorbei – wovon auch der Wirtschaftsstandort Steiermark in Summe profitiert. So nahm allein Magna Steyr aufgrund der Aufträge von Jaguar und BMW in den vergangenen zwei Jahren mehr als 3000 neue Mitarbeiter auf. Um das zu schaffen, wurden sogar regelrechte Job-Castings veranstaltet, bei denen Hunderte potenzielle Arbeitskräfte auf einmal ihre Bewerbungsgespräche hatten.
Aber nicht nur Magna ist von dieser positiven Entwicklung betroffen, sondern auch der ganze Mobilitätscluster der Steiermark. Das 1995 als Autocluster gegründete Netzwerk besteht inzwischen aus rund 300 Unternehmen mit etwa 55.000 Mitarbeitern aus der Fahrzeug-, Bahn- und Luftfahrtsparte. Darunter sind neben Magna Firmen wie AVL List, KTM oder die Voestalpine.