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Eine Brücke von der Wissenschaft zur Wirtschaft

Forschung. Damit internationale Unternehmen nach Wien kommen, müssen sie auch an der Forschung vor Ort andocken können. Bürgermeister Ludwig skizziert seine Schwerpunkte für eine engere Kooperation.

Wien ist eine Stadt der Studenten. Über 200.000 junge Menschen absolvieren hier eine höhere Ausbildung. An neun Unis, sechs Privatuniversitäten und fünf Fachhochschulen – das ist die größte Dichte an akademischen Bildungsstätten im deutschsprachigen Raum. Die Kapitale ist auch ein wichtiger Standort für Grundlagenforschung. Auf der anderen Seite stehen forschungsintensive Firmen, die vor Ort Produkte entwickeln. Insgesamt zählt die Stadt über 1400 Forschungsstätten.
Die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen ist auch eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Aus der Sicht von Bürgermeister Michael Ludwig ist hier schon das Wesentliche getan: „Ich kenne nicht viele Beispiele, bei denen das so eng funktioniert.“ Aber „es gibt nichts, was man nicht noch besser machen kann“. Ziel einer weiteren Vernetzung sind längere Wertschöpfungsketten, von der Forschung über die Innovation bis hin zum konkreten Produkt.

Investition von Boehringer

Traditionell ist die Stadt ein Zentrum der Krebsforschung. In den vergangenen Jahren hat sich der Schwerpunkt um junge Disziplinen wie die Genomik und Bioinformatik erweitert. Besonders stolz ist der Landeshauptmann auf den Biotechnologie-Cluster, wo weltweit anerkannte Wissenschaftler mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten: „Internationale Unternehmen haben sich nur deshalb hier angesiedelt, weil es diese Zusammenarbeit gibt.“
Auch bei der größten Einzelinvestition in der Bundeshauptstadt seit den General-Motors-Werken in Aspern geht es um Biotech: Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim baut gerade um 700 Millionen Euro eine biopharmazeutische Anlage für Wirkstoffe, die mithilfe von Zellkulturen hergestellt werden. Der Spatenstich erfolgte im April 2017. Beim Unternehmen im zwölften Gemeindebezirk kommen durch die Erweiterung 500 Arbeitsplätze hinzu.
Ein Wermutstropfen für den Wissenschaftsstandort ist freilich der Abgang von Josef Penninger, der im Frühling einem Ruf nach Kanada gefolgt ist, an die University of British Columbia. Der renommierte Genetiker sei aber „zu 20 Prozent in Wien geblieben“, weiß Ludwig zu berichten. Denn er habe „sehr starkes Interesse“, von seiner neuen Wirkungsstätte aus „Kompetenz nach Wien zu transferieren“, wo er „sein wunderbares Institut gegründet hat“.
Eine vorbildlich enge Kooperation zwischen Forschung und Praxis bestehe auch im Bereich der Medizin. Ludwig erwähnt das Boltzmann-Institut des Lorenz-Böhler-Krankenhauses, das vor allem bei Forschungsthemen mit den Spitälern des Krankenanstaltenverbundes Wien zusammenarbeitet. Auch das AKH ist bei Forschung und Entwicklung stark mit universitären Einrichtungen verbunden. Der Erfolg sei, dass „viele medizinische Entwicklungen aus Wien kommen“ und hier „hervorragende Personen arbeiten“.

Viele Forschungsjobs

Tatsächlich liegt Wien mit einem Anteil von rund fünf Prozent der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung an dritter Stelle unter allen Regionen der EU. Die Forschungsquote (also die Investitionen dieses Bereichs in Relation zur Wirtschaftsleistung) liegt mit 3,5 Prozent deutlich über dem EU-Ziel von drei Prozent. Der finanziellen Unterstützung von Spitzenforschung dient der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, eine bereits im Jahr 2001 gegründete privat-gemeinnützige Förderorganisation.
Aber auch in Sachen Digitalisierung soll Wien eine Vorreiterrolle spielen. Ein Startschuss dazu war vor Kurzem die Digitalisierungskonferenz am Erste Campus. Auch hier ging es darum, die Stadt Wien mit Unternehmen zusammenzubringen und gemeinsam Projekte auf die Beine zu stellen.
Ludwig möchte zudem mit Partnern aus der Wirtschaft ein „Digiboard“ schaffen, um das vorhandene Know-how zu bündeln und zu teilen. Damit Wien auch zu einer Hauptstadt der Digitalisierung wird, ist freilich noch einiges an Investitionen nötig – vor allem in den Ausbau des Glasfasernetzes und des künftigen Mobilfunkstandards 5G.