Trump nimmt wegen General Motors gesamte Autoindustrie ins Visier

Der rigorose Sparplan von General Motors erzürnt den US-Präsidenten.
Der rigorose Sparplan von General Motors erzürnt den US-Präsidenten. (c) REUTERS (Carlos Osorio)
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Der US-Präsident droht erneut mit Sonderzöllen auf Auto-Importe. Die Aktien deutscher Hersteller rutschten nach Trumps wiederholter Ankündigung am Mittwoch erneut teilweise ins Minus.

Nach der Ankündigung von General Motors zum Abbau Tausender Arbeitsplätze in Nordamerika fährt US-Präsident Donald Trump schwere Geschütze gegen die Autokonzerne auf. Der Republikaner drohte dem US-Marktführer am Mittwoch nicht nur mit der Streichung von Fördermitteln. Er kündigte wenige Tage vor dem G-20-Gipfel auch erneut an, Sonderzölle auf die Einfuhr von Fahrzeugen aus dem Ausland zu prüfen.

Die Restrukturierung beim führenden amerikanischen Autohersteller zeige das Ungleichgewicht im Handel zulasten seines Landes, schrieb Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Es würden mehr Autos in den USA gebaut, wenn es einen Einfuhrzoll von 25 Prozent gäbe.

Die Sparpläne von GM sind Trump ein Dorn im Auge, weil sie seine Wiederwahl 2020 gefährden könnten. "Die USA haben General Motors gerettet und dies ist der Dank, den wir bekommen", schrieb er bereits am Vortag auf Twitter. Die Regierung denke darüber nach, dem Konzern keine Subventionen mehr zu gewähren, etwa für Elektrofahrzeuge. Aus dem Lager von Trumps Anhängern wurden zudem Stimmen laut, GM solle Staatshilfen zurückzahlen, mit denen der Konzern vor zehn Jahren vor dem Aus gerettet worden war. GM erklärte, man wolle bei der Produktion weiter stark im Heimatland präsent sein. In den Bereichen Elektromobilität und autonomes Fahren würden neue Jobs entstehen.

GM will bis zu 15.000 Stellen streichen und mehrere Werke schließen

Trump hatte im Wahlkampf versprochen, Industriearbeitsplätze in die USA zurückzuholen und Amerika 'wieder stark' zu machen. Nun ist er damit konfrontiert, dass GM bis zu 15.000 Stellen streichen und mehrere Werke schließen will. Mit den Sparplänen will der Autobauer Mittel freilegen, um die hohen Investitionen in die Elektromobilität und selbstfahrende Autos zu stemmen. Auch Ford plant einen Strategieschwenk, dem ein Stellenabbau folgen könnte. Den US-Herstellern sitzen die Investoren im Nacken, denen der Umbau nicht schnell genug voranschreitet. Volkswagen will in den nächsten fünf Jahren 44 Milliarden Euro investieren, plant allerdings keine Schließung sondern die Umrüstung von Werken.

Von Sonderzöllen auf Autos wären vor allem deutsche Autohersteller betroffen, die ihre Wagen in die USA exportieren. Porsche kündigte bereits Preiserhöhungen für den Fall von US-Strafzöllen auf Autoimporte aus Europa an. "Höhere Zölle müssten wir zumindest zum Teil in Form von Preiserhöhungen an unsere Kunden weitergeben", sagte Porsche-Chef Oliver Blume der "Wirtschaftswoche". Trump hatte der EU zugesagt, auf solche Maßnahmen vorläufig zu verzichten und stattdessen über den Abbau von Handelsbarrieren zu verhandeln. Das Wirtschaftsmagazin berichtete unter Berufung auf EU-Kreise indes, die US-Regierung könnte schon kommende Woche Sonderzölle auf Auto-Importe aus Europa verhängen. Der Untersuchungsbericht des Handelsministeriums liege Trump vor und empfehle einen Zoll von 25 Prozent auf Auto-Importe aus allen Ländern außer Kanada und Mexiko. Ausnahmen seien nicht vorgesehen. Die Aktien deutscher Hersteller rutschten nach Trumps wiederholter Ankündigung von Zöllen am Mittwoch erneut teilweise ins Minus.

Handelsstreit mit China macht Autobauern zu schaffen

Die Zölle dürften eine wichtige Rolle beim G-20-Treffen ab Freitag spielen, wenn die Staats- und Regierungschefs im argentinischen Buenos Aires zusammenkommen. Trump hält nach offiziellen Angaben an Plänen für Strafzölle gegen China fest, sollte ein Treffen mit seinem chinesischen Kollege Xi Jingping am Samstagabend keinen Durchbruch bringen. Das Abendessen während des G20-Gipfels werde als Möglichkeit gesehen, im Handelsstreit mit der Volksrepublik "das Blatt zu wenden", hatte Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow gesagt.

China hat im Handelsstreit mit den USA die Zölle auf importierte Autos heraufgesetzt, das macht auch anderen Autobauern zu schaffen. Am Dienstag hatte Trump erneut damit gedroht, die bereits verhängten Strafzölle auf chinesische Waren zu erhöhen.

In diesem angespannten Klima stimmte BMW-Chef Harald Krüger auf der Autoshow in Los Angeles versöhnliche Töne an. Der Konzern prüfe eine zweite Produktionsanlage in den USA, in der Motoren und Getriebe hergestellt werden könnten, sagte er zu Reuters. "Wir sind in einer Lage, in der man über einen zweiten Standort nachdenken kann." Das sei auch eine Absicherung gegen Währungsturbulenzen. BMW hat in South Carolina bereits ein Montagewerk und will im nächsten Jahr ein Werk in Mexiko eröffnen.

Fraglich ist, ob inmitten der Diskussion um GM-Werksschließungen ein offenbar vom US-Botschafter in Deutschland initiiertes Treffen von Vertretern der US-Regierung mit deutschen Autobossen vor dem G-20-Gipfel überhaupt noch stattfindet. Bei den Autokonzernen und in deutschen Regierungskreisen hieß es, es gebe nach wie vor keine offizielle Einladung. Einem Insider zufolge sollten an dem Treffen der Chefs von BMW, VW und Daimler US-Handelsminister Wilbur Ross und Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow teilnehmen. Es war für Mitte dieser Woche geplant. Formal liegt die Verhandlungshoheit über Handelsbedingungen allerdings bei der EU-Kommission.

(APA/Reuters)

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