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Bayer plant Konzernumbau: 12.000 Stellen fallen weg

Die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen
Die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen(c) Getty Images (Volker Hartmann)
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Bayer verordnet sich nach der milliardenschweren Monsanto-Übernahme einen Konzernumbau und will weltweit 12.000 Arbeitsplätze streichen. Ein bedeutender Anteil davon wird in Deutschland wegfallen.

Der Aufsichtsrat des deutschen Chemiekonzerns Bayer hat heute Pläne von CEO Werner Baumann abgesegnet, mit denen die Ertragskraft gestärkt werden soll. Ziel ist es, das bereinigte Ergebnis je Aktie 2019 um rund einen Euro auf 6,80 Euro zu steigern und 2022 rund 10 Euro zu erreichen. Die Kehrseite: Insgesamt fallen im Rahmen der Effizienz- und Strukturmaßnahmen rund 12.000 der weltweit 118.200 Arbeitsplätze weg, ein signifikanter Teil davon in Deutschland. Im laufenden Quartal kommen auf den Konzern Abschreibungen aus den Sparten Consumer Health und Pharmaceuticals in einer Größenordnung von insgesamt 3,3 Milliarden Euro zu. 

Konzernchef Baumann: „Mit diesen notwendigen Anpassungen werden wir in Zukunft noch schlagkräftiger und agiler. Wir wollen damit die Wachstumspotenziale für unsere Geschäfte optimal nutzen. Gleichzeitig sind wir uns der Tragweite der Entscheidungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und werden die geplanten Maßnahmen – wie in der Vergangenheit – fair und verantwortungsvoll umsetzen.“

Betriebsratschef Oliver Zühlke spricht von einem  gravierenden Einschnitt: „Für uns haben die Sicherung der Beschäftigung und die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplätze höchste Priorität. Mit der Gemeinsamen Erklärung ist es uns gelungen, dafür gute Voraussetzungen zu schaffen."

Die Milliardenabschreibungen im Zuge des geplanten Bayer-Konzernumbaus trüben die Stimmung der Anleger. Die Aktien des Pharma- und Agrarchemiekonzerns stiegen nach Ankündigung eines Sparprogrammes mit einem Abbau von rund 12.000 Stellen zunächst um bis zu 3,9 Prozent. Kurz darauf gerieten die Papiere jedoch unter Druck und drehten ins Minus. Bei hohen Umsätzen lagen sie am Nachmittag mit 63,61 Euro rund ein Prozent schwächer. Vor der Mitteilung des Konzerns hatten sie rund 1,4 Prozent höher notiert.

Den Anlegern seien vor allem die hohen Abschreibungen ein Dorn im Auge, sagten Börsianer. "Das ist nicht so überzeugend", urteilte ein Aktienhändler. 

 

Die Pläne von Bayer

  • In Laufe des kommenden Jahres soll die Umsetzung mehrerer Portfoliomaßnahmen vorangetrieben werden. So will sich Bayer von seinem Animal-Health-Geschäft trennen und prüft entsprechende Optionen. Zwar bieten sich hier Wachstumsoptionen in einem attraktiven Markt. Die dazu notwendigen Investitionsmittel sollen jedoch für die Kerngeschäfte Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science eingesetzt werden.
  • Für die Division Consumer Health wurden Maßnahmen initiiert, um in den kommenden Jahren wieder an das Marktwachstum anzuschließen und die Profitabilität zu verbessern. Dazu gehört auch ein geplanter Rückzug aus Produktkategorien, die außerhalb von Bayer ein besseres Entwicklungspotenzial haben. Neben der bereits angekündigten Veräußerung der rezeptpflichtigen Dermatologie-Produkte werden in den kommenden Monaten strategische Optionen geprüft, sich von den Bereichen Sonnenschutz (Coppertone™) und Fußpflege (Dr. Scholl‘s™) zu trennen. Damit will sich das Unternehmen bei Consumer Health auf das profitable Wachstum der Kernkategorien konzentrieren.
  • Darüber hinaus führt Bayer Gespräche über eine Veräußerung seines 60-prozentigen Anteils am deutschen Standortdienstleister Currenta. Nach der erfolgreichen Trennung von Covestro steht die Nutzung der Dienstleistungen von Currenta in keinem Verhältnis mehr zum Besitzanteil von Bayer.
  • Zusätzlich zu den geplanten Portfoliomaßnahmen soll auch die Kostenstruktur deutlich verbessert werden. Ziel ist es, die Innovationskraft und Produktivität weiter zu stärken, den Zugang zu Zukunftstechnologien zu beschleunigen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Profitabilität weiter zu erhöhen und in diesem Zusammenhang auch die Querschnittsfunktionen und Services effizienter aufzustellen.
  • Im Rahmen aller geplanten Effizienz- und Strukturmaßnahmen sind – einschließlich der erwarteten Synergien aus der Monsanto-Übernahme – ab 2022 jährliche Beiträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro vorgesehen. Dies geht einher mit einem geplanten Abbau von rund 12.000 der weltweit 118.200 Arbeitsplätze, ein signifikanter Teil davon in Deutschland, der allerdings sozialverträglich erreicht werden soll. Details werden in den kommenden Monaten ausgearbeitet. Die insgesamt erwarteten Einmalkosten für diese Maßnahmen liegen im Bereich des 1,7-Fachen der jährlichen Beiträge. Ein Teil der frei werdenden Mittel soll in den kommenden Jahren genutzt werden, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Divisionen zu stärken. „Allein bis Ende 2022 sind Zukunftsinvestitionen von insgesamt rund 35 Milliarden Euro vorgesehen. Mehr als zwei Drittel davon wollen wir in Forschung und Entwicklung investieren und knapp ein Drittel in Sachanlagen“, sagte Baumann.
  • Für das bereinigte Ergebnis je Aktie erwartet das Unternehmen unter der Annahme eines konstanten Portfolios und konstanter Wechselkurse 6,80 Euro im Jahr 2019 (2018: 5,70 bis 5,90 Euro). In den Folgejahren soll das bereinigte Ergebnis je Aktie bis auf rund 10 Euro im Jahr 2022 ansteigen. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns soll im Zeitraum bis 2022 auf mehr als 30 Prozent steigen.
  • In der Division Pharmaceuticals ist neben der erfolgreichen Weiterentwicklung der Forschungs- und Entwicklungspipeline eine verstärkte Ausrichtung auch auf externe Innovationen essenziell. Dies bedeutet eine beschleunigte Weiterentwicklung des Innovationsmodells und geht mit einer Umstrukturierung der internen Forschung und Entwicklung einher. Die durch die Reduzierung interner Kapazitäten freiwerdenden Ressourcen sollen für verstärkte Investitionen in Forschung gemeinsam mit Partnern und externe Innovationen genutzt werden.
  • Im Bereich der Hämophilie ist der Wettbewerb mit der Einführung mehrerer neuer Produkte deutlich gestiegen. Um in diesem Segment wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Bayer beschlossen, den in Wuppertal (Deutschland) gebauten Faktor-VIII-Betrieb nicht zu nutzen, sondern die Herstellung aller rekombinanten Faktor-VIII-Produkte auf den Standort Berkeley (USA) zu konzentrieren.
  • In der Division Consumer Health gilt es, mit einer Reihe von Maßnahmen in den kommenden Jahren wieder an das Marktwachstum anzuschließen und die Profitabilität zu verbessern. Dazu soll – zusätzlich zu den Portfoliomaßnahmen – unter anderem auch die Organisation neu aufgestellt werden, um in einem sich rapide verändernden Marktumfeld erfolgreich zu sein.
  • In den Divisionen Consumer Health und Pharmaceuticals fallen im 4. Quartal 2018 voraussichtlich außerplanmäßige, nicht zahlungswirksame Abschreibungen in der Größenordnung von insgesamt 3,3 Milliarden Euro an. Diese Abschreibungen betreffen bei Consumer Health vor allem Marken, die mit den Geschäften von Merck & Co. und Dihon erworben wurden, sowie einen Teil des bilanzierten Goodwills (insgesamt rund 2,7 Milliarden Euro). Bei Pharmaceuticals erfolgen außerplanmäßige Abschreibungen von rund 0,6 Milliarden Euro insbesondere aufgrund der Entscheidung zum Faktor-VIII-Betrieb in Wuppertal.
  • In der Division Crop Science gilt der Fokus der erfolgreichen Integration des akquirierten Agrargeschäfts. Wie bereits bekannt gegeben, sind von 2022 an jährliche Beiträge zum EBITDA vor Sondereinflüssen aus Synergien in Höhe von 1,04 Milliarden Euro (1,2 Milliarden US-Dollar) geplant, die im oben genannten Beitragsziel enthalten sind – davon 0,87 Milliarden Euro (1 Milliarde US-Dollar) als Kostensynergien.
  • Die genannten Veränderungen in den Divisionen sowie die Straffung des Portfolios werden durch weitere umfangreiche Anpassungen im Unternehmen unterstützt. Das bezieht sich auf die übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie die Länderplattformen. Ziel ist eine effiziente Organisation und Infrastruktur, um die Geschäfte – und damit die Kunden des Unternehmens – bestmöglich zu unterstützen.
  • Der geplante Abbau von weltweit rund 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021 verteilt sich wie folgt auf die genannten Maßnahmen: Vorgesehen ist jeweils ein Abbau von rund 900 Arbeitsplätzen in der Forschung bei Pharmaceuticals, rund 350 im Zusammenhang mit dem Faktor-VIII-Betrieb in Wuppertal, rund 1.100 durch die Neuaufstellung der Organisation bei Consumer Health, rund 4.100 bei Crop Science durch die Integration des akquirierten Agrargeschäfts und weitere 5.500 bis 6.000 bei den übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie den Länderplattformen.