Zeichen der Zeit

Kritik an Österreich: Weil wir uns nicht gewöhnen dürfen

„Wir dürfen nicht achselzuckend zur Kenntnis nehmen, dass die Demokratie in unserer Nachbarschaft demontiert wird.“ Martin Pollack, Jahrgang 1944, geboren in Bad Hall, Oberösterreich.
„Wir dürfen nicht achselzuckend zur Kenntnis nehmen, dass die Demokratie in unserer Nachbarschaft demontiert wird.“ Martin Pollack, Jahrgang 1944, geboren in Bad Hall, Oberösterreich.MARC TIRL / EPA / picturedesk.com

Bewähren kann man sich nur in seiner Zeit, nicht indem man heroisch durch die Krisen und in die Kämpfe von gestern zieht. Was den Schriftsteller Martin Pollack mit dem Journalisten Max Zirngast verbindet, der in der Türkei festgehalten wird.

Vor einem Jahr hat Martin Pollack im „Standard“ einen Text publiziert, der mir lange nachging, weil er auf merkwürdige Weise zugleich traurig und kämpferisch, abgeklärt und leidenschaftlich anmutete. Eine tiefe Niedergeschlagenheit, schrieb Pollack da, empfinde er nicht, weil ihn das Alter mit seinen weniger angenehmen Seiten behellige oder seine schwere Krankheit ihm zu schaffen mache. Nein, das deprimierende Gefühl der Ohnmacht fasse ihn an, wenn er sehe, was aus den Hoffnungen geworden ist, die nicht nur er mit den Umbrüchen des Jahres 1989 verband.