Central European University kommt nach Wien

Archivbild: Studenten der Central European University in Budapest
Archivbild: Studenten der Central European University in BudapestREUTERS

Ade, Budapest! Die vom ungarischstämmigen US-Milliardär George Soros gegründete Privat-Uni übersiedelt vier Fünftel ihrer Kurse nach Wien. Der Start erfolgt im Wintersemester 2019.

Wien. Am Montag verkündete die von US-Milliardär George Soros gegründete Central European University (CEU), dass sie nun Ernst macht. Sie kehrt Budapest den Rücken und übersiedelt – teilweise – nach Wien.

Es ist der Vollzug des Erwarteten: Wien bereitet sich schon lang intensiv auf den Umzug vor. Montagabend wurde Vizerektor Liviu Matei bei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erwartet, der die CEU bereits „herzlich willkommen“ hieß.

Mit dem endgültigen Ja konkretisierte die CEU auch einige Modalitäten des Umzugs. So werden alle US-Diplomstudiengänge (die Uni ist auch in den USA akkreditiert) nach Wien verlegt. Ab dem Wintersemester 2019 starten alle – gerechnet wird mit 500 – Studienanfänger in Wien. Begonnene Studien werden in Budapest fortgesetzt. Tatsächlich übersiedelt nach und nach der Großteil des Universitätsbetriebs nach Wien. Denn, so CEU-Pressesprecherin Ildikó Rüll, vier Fünftel der Kurse seien US-zertifiziert. Nur ein Fünftel der Studiengänge verbleibt damit in Budapest, wo sich die CEU zur rein ungarischen Hochschule wandelt. Wobei man in der Aussendung mäßig optimistisch formuliert: Man wolle „so lang wie möglich“ in Budapest lehren und forschen.

Denn für die Uni ist glasklar, wer schuld an dem Auszug aus Budapest ist: „Die CEU wurde hinausgezwungen“, so Uni-Rektor Michael Ignatieff. Und weiter: Die ungarische Regierung habe mit der CEU „gespielt“. Die CEU hatte der Regierung bekanntlich ein Ultimatum gestellt, das mit 1. Dezember ablief. Bis dahin sollte das Abkommen, das einen Weiterbestand der Uni garantiert hätte, unterfertigt werden. Nach einer Novellierung verlangten nämlich die ungarischen Gesetze, dass Privatuniversitäten auch in ihrem Ursprungsland (hier: USA) einen Campus betreiben – und einen Rahmenvertrag mit der ausländischen Regierung. Die CEU vereinbarte daraufhin eine Zusammenarbeit mit dem New Yorker Bard College, und der Bundesstaat New York erklärte sich bereit, den geforderten Vertrag abzuschließen. Allein: Die ungarische Regierung unterschrieb nicht.

Und das wohl nicht wegen akademischer Detailfragen. Die politische Vorgeschichte reicht in das Jahr 2017 hinein. Im Vorfeld der Parlamentswahlen fuhr der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán eine antisemitisch gefärbte Kampagne gegen Soros. Dieser hole gezielt Migranten nach Europa. Dieser Vorwurf wurde auch in Österreich von der FPÖ immer wieder aufgegriffen. Die Wiener FPÖ hat übrigens dem „Memorandum of Understanding“, das im April vom Wiener Gemeinderat zur Ansiedelung der CEU verabschiedet wurde, nicht zugestimmt.

 

„Wir sind keine Flüchtlinge“

Trotzdem bekräftigte am Montag Vizerektor Liviu Matei, dass man sich von „beiden Polen“ der Politik – Türkis-Blau im Bund und Rot-Grün in Wien – mit „offenen Armen“ empfangen fühle. Die Universität ziehe jetzt in ein Land, in dem „man nicht mit uns spielt“, in Wien „sind wir keine Flüchtlinge, wir haben größere Ambitionen“, so Rektor Ignatieff.
Die Umsiedlung nach Wien erfolgt in zwei Schritten („Die Presse“ berichtete im Detail). Der Start 2019 wird in einem noch nicht bekannt gegebenen Zwischenquartier stattfinden. Für den Vollbetrieb mit Wintersemester 2023/2024 übersiedelt man auf das Gelände des Otto-Wagner-Spitals im 14. Bezirk, das im Zuge der Spitalsreform abgesiedelt wird. Das Areal ist nur für bestimmte Nutzungen (etwa Bildung) freigegeben, die Pavillons stehen unter Denkmalschutz. 17 der 43 Pavillons sind für die Uni vorgesehen.

In Wien rechnet man im Vollbetrieb circa mit 1500 Studenten – derzeit studieren in Budapest 1200. Der Mietvertrag, der auf 99 Jahre angelegt ist, soll Anfang 2019 vorliegen und die Kosten für die Investitionen – das Areal muss saniert werden – hereinbringen. „Das ist kein Förderprojekt“, hat im Vorfeld Gerhard Hirczi, der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien, die als Vermieter auf dem Areal auftritt, klargestellt. Auch Bildungsminister Heinz Faßmann betont, dass man sich auf Kooperationen freue. Aber für Privat-Unis gebe es keine Förderungen. (uw/APA)

(Red.)