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Katar kehrt der Opec den Rücken

Saad al-Kaabi, Chef von Qatar Petroleum.
Saad al-Kaabi, Chef von Qatar Petroleum.(c) REUTERS (Naseem Zeitoon)

Das Golf-Emirat beendet seine Mitgliedschaft demnächst und ohrfeigt damit seinen Konkurrenten Saudiarabien. Bedeutsamer für den Ölpreis sind derzeit aber andere Faktoren.

Wien. So richtig harmonisch ist es in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) noch nie zugegangen. Zu heterogen ist das Bündnis, das seit Jahrzehnten auf dem Ölmarkt den Ton angab und nach einer zwischenzeitlichen Schwäche wieder angibt. Nun aber kam es gar zu einem offenen Bruch: Am gestrigen Montag kündigte Katar seinen Abschied aus dem Kartell an. Nach Worten von Energieminister Saad al-Kaabi beendet Katar zum Jahresende nach 57 Jahren seine Mitgliedschaft.

Die Entscheidung kommt zu einem Zeitpunkt, da das Kartell gemeinsam mit seinen seit einigen Jahren verbundenen Nichtmitgliedern (Opec+) – allen voran Russland – gegen Ende der Woche wieder über eine Produktionsdrosselung berät, um den zuletzt massiv gesunkenen Ölpreis zu stabilisieren bzw. zu treiben. Insofern ist der Austritt auch ein Schlag ins Gesicht der Organisation.

 

Symbolische Schwächung

Es geht gar nicht so sehr um die quantitative Schwächung der Opec, schließlich ist Katar mit seiner täglichen Förderung von 600.000 Barrel nur ein kleiner Player. Es geht vielmehr um eine symbolische. Als solche haben Opec-Kreise den Rückzug auch gewertet. Diesem könnten sich andere Opec-Mitglieder anschließen und damit Konsequenzen ziehen aus den jüngsten Alleingängen Saudiarabiens, meinte Algeriens früherer Energieminister Chakib Chelil.

Es sind diese Alleingänge, die für Unmut sorgen. Mit einer Förderung von täglich elf Millionen Barrel ist Saudiarabien allein schon quantitativ tonangebend. Dazu kommt, dass Saudiarabien sich im Jahr 2016 immer stärker mit Russland abzustimmen begann und so – recht erfolgreich – die Richtung bei der Preisentwicklung vorgab. Ganz aktuell wirkt Saudiarabien auch noch erpressbar seitens der USA, die einen niedrigen Ölpreis wollen und bei entsprechender saudischer Energiepolitik offenbar die Untersuchung des dubiosen Mordes am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nicht forcieren wollen.

Katars Minister Saad al-Kaabi griff Saudiarabien gestern zwar nicht namentlich direkt an, richtete aber eine unverkennbare Spitze gegen das dominierende Opec-Mitglied. „Wir sagen nicht, dass wir aus dem Ölgeschäft aussteigen, aber dieses wird von einer Organisation kontrolliert, die von einem einzelnen Land geführt wird“, sagte er. Katar habe in dem Kartell kaum etwas zu sagen.

Katar steht übrigens selbst am Pranger. Und zwar haben Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten im Juni 2017 einen Boykott gegen das Emirat verhängt. Sie werfen ihm Unterstützung von Terrorismus vor. Katar bestreitet dies.

Das Emirat, führend auf dem globalen Markt für Flüssiggas (LNG), will sich laut Saad al-Kaabi übrigens darauf konzentrieren, diese Rolle auszubauen.

 

Die wahren Preisgestalter

Auf dem Ölmarkt sind derzeit indes andere Faktoren preisbildend. Die Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der erneuerte Pakt zwischen Russland und Saudiarabien, das Kürzungsabkommen zu verlängern, ließen den Preis für die Sorte Brent am Montag um über fünf Prozent auf mehr als 62 Dollar je Fass explodieren. „Dadurch ist der Weg für eine gemeinsame Produktionskürzung beim Treffen der Opec am Donnerstag und der Opec+ am Freitag geebnet“, schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Für weiteren Preisauftrieb sorgte gestern übrigens eine Verknappung der Ölproduktion in Kanadas Provinz Alberta um 8,7 Prozent ab Jänner. So sollen Lagerüberschüsse abgebaut werden. (est/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2018)