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Poké in Wien: Wiki, Reis und Pappkarton

Lunch. Nathalie und Dennis Schütt sind für ihr Wiki Wiki Poke von Berlin nach Wien gezogen.
Lunch. Nathalie und Dennis Schütt sind für ihr Wiki Wiki Poke von Berlin nach Wien gezogen.(c) J.V.Sanchez
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Wien lernt jetzt Wörter wie Wiki und Poke und stellt sich für „Bowls“ an. Ein bisschen Hawaii, etwas Japan, fertig ist der Trend. Kein Ende in Sicht.

Hat das etwas mit Pokémon zu tun?, fragt ein Kollege. Zu ihm sind die seltsamen Wörter, die junge Wiener vor ein paar Monaten in ihren Sprachgebrauch aufgenommen haben, offenbar noch nicht durchgedrungen. Wiki, Tiki, Poke – mit solchen Zweisilbern hantiert man in einer Handvoll auf sogenannte Bowls spezialisierten Lokalen mit einer Prise Hawaii, die innerhalb kurzer Zeit eröffnet haben. Mit beachtlichem Erfolg: Die Schlange, die sich um die Mittagszeit vor der Budel des Honu in der Teinfaltstraße oder jener des ganz neuen Wiki Wiki Poke (gute Saucen!) in der Wipplingerstraße bildet, reicht bis auf die Straße. Was man dort (oder auch im Aitiki, das seit Kurzem als Winter-Pop-up den Eissalon Leones Gelato in der Lange Gasse okkupiert) bekommt:

Bowl. Poke statt Eis heißt es beim Aitiki-Pop-up im Eissalon Leones Gelato in der Lange Gasse.
Bowl. Poke statt Eis heißt es beim Aitiki-Pop-up im Eissalon Leones Gelato in der Lange Gasse.(c) Beigestellt

Einwegschüsseln, die mit Sushireis, Quinoa oder „Zoodles", Nudeln aus rohen Zucchini, gefüllt und mit allerlei Zeug „getoppt" werden. Mit am öftesten dabei sind zwei Lebensmittel, die derzeit alles andere als einen guten Leumund haben: Lachs und Avocado (mitunter völlig unreif und praktisch ungenießbar – macht nichts, auf Instagram sieht man das ja kaum). Außerdem Teil einer Poke- oder Wiki- oder Tiki-Bowl: so ungefähr alles, was man auf ein Bett aus Reis legen kann – Huhn, Radieschen, Mango . . . Kochen können muss man als Neo-Wikiwirt nicht unbedingt. Zur Not reicht es, einen Reiskocher zu bedienen (klappt meistens), hübsche junge Mitarbeiterinnen Tofu und Gurken würfeln und gehackte Erdnüsse auf die fertige „Bowl" streuen zu lassen (da kann auch nicht mehr viel schiefgehen).

(c) Atelier Karasinski

Gewürfelter Fisch. Wo wurzeln nun diese so simpel gestrickten, aber dennoch so erfolgreichen Bowls? Poké ist hawaiianischen Ursprungs und bezeichnet ein Nationalgericht aus gewürfeltem rohen Fisch, der mitunter erst Minuten vorher aus dem Meer gezogen wurde – Poké war ein Fischeressen. Gewürzt wurde etwa mit zerdrückten Kukuinüssen oder mit der Alge Limu Manauea. Japanische Einwanderer fügten die Sojawürze Shoyu hinzu, Sesamöl, feine Jungzwiebelringe. Und betteten die Fischwürfel auf Sushireis, der Poké auch hierzulande zu einer sättigenden Zehn-Euro-Takeaway-Mahlzeit macht. In Supermärkten auf Hawaii findet man mittlerweile in den Kühlregalen eine breite Auswahl an saucengewürzten rohen Fisch-und-mehr-Würfeln: Tofu ist dort ebenso dabei wie mit Kimchi vermischte Oktopusstücke. Poké hat sich also auch in Hawaii selbst längst von seinen puristischen Anfängen emanzipiert. Zwischen einer guten und einer schlechten Poké-Bowl, etwa eben mit unreifen Avocadowürfeln und nacktem Fadgas-Tofu, die – Hauptsache, Instagram-hübsch – einfach nebeneinander gelegt werden, liegen jedenfalls Welten.