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Wie Trump sein eigenes Spiel verlor

Ein bizarres Schauspiel im Oval Office.REUTERS/Kevin Lamarque

20 Minuten stritt der US-Präsident mit den hochrangigen Demokraten Chuck Schumer und Nancy Pelosi vor laufender Kamera um den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Es seien Anklänge an seine Zeit als Showmaster gewesen, kommentieren Medien.

"Bizarr, erbittert", beschreibt der britische "Guardian" die Szenen, die sich am Dienstag im Oval Office des Weißen Hauses abgespielt haben. Wie ein Streit zweier New Yorker um ein Taxi sei es gewesen. 20 Minuten lieferten sich US-Präsident Donald Trump und die Fraktionschefs der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus, Chuck Schumer und Nancy Pelosi, einen Schlagabtausch vor laufenden Kameras. Das Thema: der von Trump geforderte Mauerbau an der Grenze zu Mexiko.

Der US-Sender CNN zog gar einen Vergleich zur Vergangenheit des US-Präsidenten: "Der beste Weg, um den Zugang Donald Trumps zu seiner Präsidentschaft zu verstehen, ist, ihn als das zu sehen, was er vor seinem Eintritt in die Politik war: der Star und Produzent einer Reality-TV-Show."

Denn eigentlich hatte Trump Schumer und Pelosi empfangen, um hinter verschlossenen Türen über seine Forderung nach fünf Milliarden Dollar für den Bau eines Teils der Mauer zu diskutieren. Am vergangenen Donnerstag hatte der US-Kongress einen Übergangshaushalt verabschiedet. Nicht enthalten ist darin das vom Präsidenten geforderte Geld für den Mauerbau - ein Versprechen aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2016. Trump hat bis Freitagabend Zeit, das Paket zu unterzeichnen. Tut er das nicht, droht ab 21. Dezember ein sogenannter "Shutdown" - Mitarbeiter werden in den Zwangsurlaub geschickt sowie Ämter und Behörden geschlossen.

"Sollten keinen Trump-Shutdown haben"

Schon nach wenigen Minuten artete der offizielle Fototermin im Büro des Präsidenten, bei dem Journalisten anwesend waren, aus. "Ich denke, dass die amerikanische Bevölkerung erkannt hat, dass ein Shutdown es nicht wert ist", eröffnete Nancy Pelosi den Kampf. "Und wir sollten keinen Trump-Shutdown haben."

Für Trump war dieses Stichwort genug. Während Vizepräsident Mike Pence neben ihm verstummte, warf sich der Präsident in den Ring. Auch eine Aufforderung Pelosis, die Auseinandersetzung nicht vor der Presse auszutragen, blieb unverhallt. "Wir machen das auf eine sehr freundliche Art und Weise", konterte Trump. Immer mehr außer sich, bestand Trump auf seinem Standpunkt: "Wir brauchen Grenzsicherheit. Es ist sehr einfach. Die Menschen strömen in unser Land, auch Terroristen." Und um das zu verhindern, sei die Mauer notwendig.

Trump verstrudelt sich

Doch in der Hitze des Gefechts verlor der Showmaster Trump sein eigenes Spiel: Er ließ sich in einer Auseinandersetzung mit Schumer - beide stammen übrigens aus dem New Yorker Stadtteil Queens - zu einer verheerenden Aussage verleiten. Dabei ging es um die Frage, ob nun die Demokraten oder die Republikaner für den bei der Bevölkerung so verhassten Regierungsstillstand verantwortlich gemacht werden müssten.

"Ich bin stolz darauf, die Regierung für Grenzsicherung zu schließen", meinte Trump. Denn die Bevölkerung wolle keine Kriminellen ins Land strömen sehen. "Also werde ich die Verantwortung übernehmen. Ich werde derjenige sein, der die Regierung schließt. Ich werde dich nicht dafür beschuldigen."

Noch immer verharrte Vizepräsident Pence stumm auf dem Sessel neben Trump. Nancy Pelosi hingegen machte später deutlich, was sie von dem US-Präsidenten hält: Der Mauerbau sei für Trump "eine Sache der Männlichkeit".

>>> Bericht im "Guardian".

>>> Bericht auf "CNN".

(red.)

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