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Was über den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt bekannt ist

Soldaten vor dem Weihnachtsmarkt in Straßburg.REUTERS/Christian Hartmann

Am Dienstag tötete ein Mann auf dem Platz vor dem berühmten Straßburger Münster mindestens drei Menschen. Die Fahndung nach dem 29-Jährigen läuft auf Hochtouren. Ein islamistisches Terror-Motiv scheint am wahrscheinlichsten.

Am Tag nach den todbringenden Schüssen ist der Platz vor dem berühmten Straßburger Münster fast menschenleer. Die Holzhäuschen des Weihnachtsmarktes im historischen Zentrum der Elsass-Metropole sind geschlossen und sollen es auch den ganzen Tag über bleiben. "Heute ist ein Tag der Trauer", sagt der Straßburger Oberbürgermeister Roland Ries am Mittwochmorgen dem Radiosender France Inter.

Wer ist der Täter? Und was steckt hinter der Tat? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Die Tat

Am Dienstagabend eröffnete ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer. Dabei werden zwei Menschen getötet und dreizehn weitere verletzt; eine dritte Person ist nach Angaben vom Mittwochmittag hirntot. Medienberichten zufolge soll es sich bei der Tatwaffe um ein automatisches Gewehr handeln.

Der Täter

Der mutmaßliche Angreifer ist ein französischer Staatsbürger aus Straßburg (*1989), indes mit nordafrikanischen Wurzeln. Der Mann namens Cherif C. sei zusammen mit sechs Geschwistern in Straßburg aufgewachsen, habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Der heute 29-Jährige wurde nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits wegen etlicher Diebstähle und Einbrüche in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland verurteilt, die Rede ist von 27 Verurteilungen, spätestens ab 2008 in Frankreich.

Nach der Schule habe er bei der Gemeinde Straßburg gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist.

2016 war er ihn Deutschland zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, wegen Einbrüchen in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke im Süden Baden-Würtembergs. Zudem soll er Straftaten im Raum Konstanz und Frankfurt begangen haben, in Deutschland aber nicht als Islamist bekannt gewesen sein. Schon 2017 kam er in Deutschland indes wieder frei und wurde nach Frankreich abgeschoben.

Nur Stunden vor den Schüssen waren Medienberichten zufolge bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Dienstag früh Handgranaten gefunden worden. Eigentlich hätte C. am Dienstag verhaftet werden sollen - wegen Verdachts auf Mordversuch.

Die Fahndung

Der Täter befindet sich derzeit auf der Flucht. Die französische Regierung schließt nicht aus, dass er nach Deutschland geflüchtet sein könnte. Die deutsche Bundespolizei kontrollierte mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich.

Mit einem Großaufgebot von 600 Einsatzkräften sind die französischen Ermittler im Einsatz. Die Fahndung, bei der auch Hubschrauber fliegen, wurde am Mittwoch auf den gesamten Nordosten Frankreichs ausgedehnt.

Das Umfeld

Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter von Straßburg zusammen mit seinem 34 Jahre alten Bruder Sami C. auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert. Laut Berliner "Tagesspiegel" wohnten sie in Straßburg. Die Brüder würden dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte der Zeitung.

Die Opfer

Eines der Todesopfer ist ein Tourist aus Thailand. Laut dem Außenministerium in Bangkok handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Frau auf Urlaub in Frankreich war. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Mehrere Personen, darunter der ORF-Korrespondent Peter Fritz, hatten zuvor versucht, ihm zu helfen.

Acht Menschen wurden schwer, fünf weitere leicht verletzt. Unter den Verletzten ist auch ein italienischer Radiojournalist. Nach jetziger Kenntnis des Außenministeriums sind keine Österreicher unter den Opfern. Die Identität der anderen beiden Todesopfer war zunächst nicht bekannt.

Das Motiv

Obwohl Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen im Fall des Anschlags in Straßburg übernommen haben, wollte sich das französische Innenministerium vorerst nicht auf ein terroristisches Motiv des Täters festlegen. Eine terroristischer Hintergrund sei im Moment nicht so sicher, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nunez, am Mittwochmorgen. Allerdings hieß es seitens der Antiterror-Staatsanwaltschaft in Paris, Zeugen des Angriffs zufolge habe der Täter "Allahu Akbar" (Gott ist am größten) geschrien.

Der Täter sei zwar polizeibekannt gewesen, allerdings bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter auf der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden sei - einer Liste von Personen, die als Gefährder der nationalen Sicherheit gelten.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte allerdings auch Rache gewesen sein, heißt es in Sicherheitskreisen. Möglicherweise habe der 29-Jährige auch auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg "spontan" reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei jedenfalls keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

Auswirkungen auf Österreich

Das Innenministerium sieht keine konkreten Hinweise auf erhöhte Terrorgefahr in Österreicher. Laut Wiener Polizei wird es keine Verschärfungen der Sicherheitsmaßnahmen auf den Christkindlmärkten in der Hauptstadt geben. 

(APA/dpa)