Schnellauswahl

Neuer IGGÖ-Präsident: Kopftuchverbot ist "destruktiv"

Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Ümit Vural, hält sich in puncto Kopftuch an die Empfehlung des theologischen Beratungsrates: Demnach ist das Kopftuch ein religiöses Gebot. Eine Frau, die kein Kopftuch trägt, sei nicht schlechter zu bewerten als eine Muslima, die eines trägt.

Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, ist bekanntlich gegen ein Kopftuchverbot - auch bei Kindern, wie es die türkis-blaue Koalition vorhat. Für Kindergartenkinder ist das Tragen des Kopftuchs bereits verboten. Den Antrag auf ein Kopftuchverbot für Volksschulkinder hat die Regierung Ende November im Nationalrat eingebracht. Der Weg von Verboten sei "ein destruktiver", sagte Vural, der am Samstagabend zum Nachfolger von Ibrahim Olgun gewählt worden war, am Mittwochabend in der "ZIB 2". "Ich bevorzuge den Weg des Dialoges." Das Kopftuch zu tragen sei eine bewusste, intime Entscheidung, die Kinder nicht treffen könnten. Statt eines Verbots bevorzuge er, dass mit den Eltern gesprochen werde.

Moderator Armin Wolf wies Vural auf eine Fatwa (islamisches Rechtsgutachten, Anm.) des theologischen Beratungsrates der Glaubensgemeinschaft aus dem Frühjahr 2017 hin. Laut dem Mufti Mustafa Mullaoglu sei "für weibliche Muslime ab der Pubertät" in der Öffentlichkeit "die Bedeckung des Körpers, mit Ausnahme von Gesicht, Händen und nach manchen Rechtsgelehrten Füßen, ein religiöses Gebot (farḍ) und damit Teil der Glaubenspraxis.“ Dazu sagte der neue IGGÖ-Präsident, er wolle theologische Themen nicht näher beurteilen. Es sei seine Aufgabe, das, was der Beratungsrat entschieden habe, nach außen zu präsentieren. Ist das Kopftuch also ein Gebot für Musliminnen? Wenn der Beratungsrat das so entschieden habe, sei das so zu vertreten. Es sei für ihn aber "maßgebend, dass die Frau aus Überzeugung bewusst die Entscheidung trifft". Das Religiöse sei das Eine. Aber auch Gebote müssten "aus Überzeugung bewusst entschieden werden."

Eine Frau, die kein Kopftuch trage sei nicht schlechter zu bewerten als eine Muslima die ein Kopftuch trägt. "Man muss eine Entscheidung der Frau respektieren, wenn sie eines trägt oder wenn sie keines trägt."

"Für mich gilt der Rechtsstaat"

Vural, der selbst Rechtsanwalt ist, hatte zuvor angekündigt, rechtliche Schritte gegen ein Kopftuchverbot zu erwägen. In der ZIB 2 sagte er dazu: "Für mich gilt der Rechtsstaat." Wenn er (Vural, Anm.) der Meinung sei, dass hier gegen grundsätzliche Fundamente wie der Bundesverfassung verstoßen werde, sei es nicht nur die Aufgabe eines Juristen und Präsidenten der Glaubensgemeinschaft, aufzustehen und rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen. "Sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe". "Die Verfassung regelt unser Zusammenleben und daran müssen wir uns halten."

Der Soziologe und Islamexperte Kenan Güngör hatte zuvor gesagt, die Islamische Glaubensgemeinschaft müsse sich Frage stellen, was sie dazu beigetragen habe, dass es in der österreichischen Gesellschaft eine hohe Skepsis gegenüber dem Islam gebe. Dazu sagte Vural: Er werde versuchen, die Anliegen der Muslime auf der einen Seite ernst zu nehmen. "Und versuchen die Anliegen der Mehrheitsbevölkerung zu verstehen." Vural ist Kind eines Gastarbeiters, türkischstämmiger Kurde und neben seinem Anwaltsberuf Arbeiterkammerrat. Die IGGÖ vertritt nach eigenen Angaben rund 500.000 Muslime in Österreich.

>>> zum Interview in der ZIB 2

>>> zur Langfassung des Interviews

(Red.)