Streamingtipps

Die schönsten Kinderbuchverfilmungen auf Netflix, Amazon & Co.

Gefiel sogar dem Autor: Die „Momo“-Verfilmung mit Radost Bokel.(c) Imago

Helden wie Momo, Ronja, Paddington und Oliver Twist begeistern nicht nur in Buchform: „Die Presse“ hat die gängigen Streamingplattformen nach gelungenen Film- und Serienadaptionen durchsucht. Die schönsten Kinderbuchverfilmungen

Momo

Bester Michael-Ende-Film, 1986
Zu sehen auf Amazon

Das dunkellockig umrahmte Gesicht von Radost Bokel bleibt unvergessen wie die gespenstische Atmosphäre rund um die grauen Männer, die den Menschen die Zeit stehlen wollen und sich am Ende – hier äußerst eindrucksvoll – in grauen Dunst auflösen: Was da 1985 in der italienischen Filmstadt Cinecittà in Rom entstand, bestach am meisten durch seine Atmosphäre, tolle Darsteller wie John Huston (als Meister Hora), Mario Adorf (als Maurer Nicola) und Armin Mueller-Stahl (als Chef der grauen Herren), vor allem aber durch eine unverwechselbare Hauptdarstellerin. Mit neun Jahren war Bokel unter Tausenden Bewerberinnen als Jüngste ausgewählt worden. Nicht umsonst wurde die heute 43-Jährige für ihre Darstellung mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Bambi und dem François-Truffaut-Preis.

Dass eine Literaturverfilmung vom Autor selbst gebilligt wird, ist nicht selbstverständlich, bei „Momo“ war das der Fall. Michael Ende fand die Verfilmung ausgezeichnet – ganz im Gegensatz zu jener von „Die unendliche Geschichte“. Er ließ sich auch am Rande darin blicken, so wie Alfred Hitchcock es bei seinen Filmen zu machen pflegte: Ende spielt den Passagier im Zug, dem Meister Hora die Geschichte erzählt. (sim)

Paddington 2

Orangenmarmelade allerorts, 2017
Zu sehen auf Amazon

Allein Hugh Grant und seine gnadenlose Selbstparodie als alternder Star wären Grund genug, diesen Film zu sehen. Dazu kommen ein Gefängnis, in dem Orangenmarmelade gekocht wird, eine Schatzsuche durch London und nicht zuletzt ein höflicher kleiner Bär, der pausenlos Chaos verbreitet. Die erste Verfilmung von Michael Bonds Geschichten über Paddington Bear (2014) entzückte schon, Teil zwei ist mindestens genauso gut: Herrliches Slapstick-Kino mit tollen Schauspielern wie Brendan Gleeson, Hugh Bonneville und Sally Hawkins. (rovi)

Ronja Räubertochter

Japanisch entschleunigt, 2015
Zu sehen auf Netflix

Bei ihren Raubzügen setzen sie grässliche Masken auf und seilen sich johlend von den Bäumen auf vorbeifahrende Kutschen ab – aber wenn die kleine Ronja die Bildfläche betritt, sind die Räuber vom Mattiswald wie verwandelt: Dann lassen sie alles liegen und stehen, um dem Mädchen andächtig beim Essen oder Krabbeln zuzuschauen. Ja, Ronja zieht in ihren Bann, auch in dieser Serienadaption des Lindgren-Klassikers: Gorō Miyazaki, dessen Vater die legendäre Animationsschmiede Studio Ghibli („Mein Nachbar Totoro“) begründet hat, erzählt die Geschichte der Räubertochter, die ihren eigenen Weg geht, in betörend schönen Bildern – und in bewusst gemächlichem Tempo. Eine Folge lang tut Ronja praktisch nichts anderes, als über Wiesen zu laufen und auf Bäume zu klettern (das sieht aber auch toll aus). Ein liebevolles, altmodisches Zauberwerk – und für Eltern, die die Aufmerksamkeitsspanne ihrer Kinder durch knallig-rasante Zeichentrickware bedroht sehen, eine auch pädagogisch wertvolle Wahl. (kanu)


Maikäfer, flieg!

Nöstlingers Erinnerungen, 2016
Zu sehen auf Amazon

Frühling 1945, die Familie von Christine Nöstlinger ist ausgebombt – und das trotzige kleine Mädchen wittert ein Abenteuer: Wunderbar ehrlich und berührend beschrieb Österreichs Kinderbuchkoryphäe ihre Erinnerungen ans Kriegsende, als sich ihre antifaschistische Familie eine Nazi-Villa am Stadtrand mit ein paar russischen Befreiern teilte. Die gelungene Verfilmung von Mirjam Unger zeigt die Unbeschwertheit einer Kindergeneration, die sich an Friedenszeiten nicht mehr erinnern kann und die sich zwischen Mauerstaub und Birnbäumen einen Spielplatz schafft. (kanu)

 

Anne with an E

Kanadas Kinderklassiker, 2017
Zu sehen auf Netflix

„Anne auf Green Gables“ hieß der Klassiker von 1908 – angeblich das Lieblingsbuch von Astrid Lindgren. Wie das Buch feiert die Serie die großen Gefühle der rothaarigen Protagonistin, die im Waisenhaus aufgewachsen ist und bei einem älteren Geschwisterpaar ein Zuhause findet. Mit ihrem nie versiegenden Redefluss und der Fähigkeit, noch in einem Staubkorn Poetisches zu entdecken, erobert Anne spröde Herzen. Achtung: Die zwei Staffeln der Serie sind auch dunkel; Tränen fließen (vielleicht gerade bei Erwachsenen) schnell. (rovi)


Oliver Twist

Ein unfreiwilliger Dieb, 2005
Zu sehen auf Amazon

London ist ein trostloser Platz in dieser Charles-Dickens-Adaption: dreckig, graubraun und voller armer Menschen. Roman Polański arbeitete das Sozialdrama aus der Vorlage heraus. Die Geschichte vom Waisenjungen Oliver Twist, der nach mehr Essen fragt und auf der Straße landet, ehe er eine Familie findet, berührt. Sehenswert: Ben Kingsley mit falschen Zähnen als „Boss der Diebe“. Der Mord an Nancy mag sensiblen Kindern Albträume bescheren. (her)

 

>> Mehr Streamingtipps gibt es hier.