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Bekenntnisse eines Rock-Opas

Das war's dann mit der vermeintlichen Heldensaga von Sex, Drugs & Rock'n'Roll und der Unverwüstlichkeit jener Urgesteine, die die Exzesse der 1960er- und 1970er-Jahre dank hervorragender medizinischer Betreuung, Blutauffrischung und wohl auch viel Glück überlebt haben – und dank purem Heroin, wie Ur-Stone Keith Richards einst freimütig bekannt hat. Der Mythos bröckelt.

Der Jüngere der „Glimmer Twins“ folgt nun seinem in Hassliebe verbundenem Band-Zwilling Mick Jagger in der Vollendung eines Dreivierteljahrhunderts, was für sich genommen schon an ein medizinisches Mirakel grenzt. Jahrzehntelang gab Richards den zugedröhnten Side-Kick Jaggers auf allen Stadienbühnen der Welt von London bis Havanna, und die Fans liebten ihn für seine Performance und die Zurschaustellung eines zerfurchten Rockerlebens.

Damit sei es vorbei, erzählte Richards in einem Geburtstagsinterview – wo sonst? – mit der Zeitschrift „Rolling Stone“. Nur noch selten trinke er Bier oder ein Glas Wein. „Ich hatte genug davon. Es war Zeit aufzuhören.“ Für ihn war das Glas des Lebens stets randvoll, und viel hat er ver- und hinuntergeschüttet. Es sei eine neue Erfahrung, Konzerte nüchtern zu spielen. Wie er es mit dem Sex hält, sagte er nicht. Aber wir stellen ihn uns im reiferen Alter als Asketen vor, mit Kamillentee und Tofu, mit Yoga und Pilates. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2018)