Fahrbahnreparatur: Väterchen Frost frisst alte Straßen

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In diesen Wochen rücken allein in Wien zehn Reparaturmannschaften aus, um die Fahrbahnen zu reparieren. Für die Autofahrer gibt es eine „Frostbeulen“-Hotline.

Wenn die Frühjahrssonne vom Himmel lacht, beginnt für viele Autofahrer der Ärger. Frostaufbrüche zieren die Straßen, wer in ein Schlagloch rumpelt, fürchtet um Schäden an Reifen und Fahrwerk. Ursache für die Straßenschäden ist eine bekannte Eigenschaft des Wassers: Es vergrößert beim Frieren sein Volumen. Dadurch sprengt es wie eine Mini-Dynamitladung den Fahrbahnuntergrund. „Aber nur, wenn die Straßenkonstruktion schon vorher durch Alter, Schwerverkehr oder Aufgrabung geschädigt war und Wasser durch winzige Fugen und Risse in den Straßenaufbau eindringen konnte“, weiß Herbert Billmaier, Leiter der Strabag-Tochter TPA, die sich im Konzern um Forschung und Entwicklung sowie Qualitätssicherung kümmert.

Frostschäden als Indikator

Seine schädigende Wirkung entfaltet das gefrierende Wasser nämlich nicht in der Asphalt- oder Betondecke selbst, sondern in den darunterliegenden Schotter- und Kiesschichten. Sie werden aufgelockert und verlieren so ihre Tragfähigkeit. Erst dadurch bricht die Fahrbahndecke ein und es entsteht das klassische Schlagloch. Frostaufbrüche sind deshalb in der Regel nicht willkürlich auftretende Naturereignisse, sondern „Zeichen, dass die Straße eigentlich schon saniert gehört“, sagt Billmaier.

Große Straßenerhalter wie etwa die MA28 der Gemeinde Wien oder die Asfinag rüsten in den ersten Monaten des Jahres generalstabsmäßig auf, um die Fahrbahnschäden zu beseitigen. „Insgesamt stehen zehn Reparaturzüge mit 35 Mitarbeitern im Einsatz, die die Schlaglöcher provisorisch schließen“, erzählt MA28-Pressesprecher Matthias Holzmüller. Die Reparaturzüge sind mit Kaltmischgut und einer Walze ausgestattet. Ziel der MA28 ist es, Schlaglöcher binnen 24 Stunden nach Entdecken provisorisch zu schließen.

Hotline und Kontrollen

Den Wienern steht eine Hotline zur Verfügung (955 59), bei der sie Frostschäden melden können. Zusätzlich begehen die Straßenbaumeister des Bezirks regelmäßig die Verkehrsflächen. Ähnlich organisiert hat man den Schlaglocheinsatz bei der Asfinag. Bei täglichen Streckenkontrollfahrten werden die Schäden aufgenommen. Größere Frostaufbrüche, die zu einer Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit führen, repariert die Straßenmeisterei mit Kaltmischgut sofort provisorisch. „Bei kleineren Schäden, die nur Komfortminderung bringen, warten wir bis ins Frühjahr, um dann den Fahrbahnabschnitt dauerhafte instand zu setzen“, so Asfinag-Pressesprecher Volker Höferl.

Genaue Zahlen über die Frostschäden des heurigen Winters liegen noch nicht vor. Aber sie sollten geringer ausfallen als in den letzten Jahren. Gefährlich für Straßen sind nämlich weniger lang anhaltende Frostperioden wie heuer, sondern vielmehr der häufige Wechsel zwischen Kalt- und Warmperioden mit dazwischenliegendem Tauwetter. Beton ist dabei weniger anfällig als Asphalt, berichtet Höferl: „Bitumen verliert im Lauf der Zeit durch mechanische Beanspruchung und durch Ozon seine Klebewirkung, Körner brechen aus, die Decke wird spröde und rissig und damit steigt das Risiko von Frostschäden.“

Neue Technik Kaltbauweise

Wie Frostschäden nach der Notfallmaßnahme Kaltasphalt repariert werden, hängt vom Schadensfall – und vom Budget des Straßenerhalters ab. Das neueste Reparaturverfahren erfolgt in Kaltbauweise: Die Schadstelle wird mit Druckluft gesäubert, dann bringt man Splittemulsionsgemisch – ein Gemisch aus Kies und Bindemittel – ein, die Fläche wird gewalzt und mit feinem Splitt bestreut. Vorteil: Die Straße kann rasch wieder befahren werden. Gibt es allerdings alle paar Meter Frostaufbrüche, ist die Straße ein Fall für eine gründliche Sanierung „bei der man wie beim Neubau nur auf einer kleiner Fläche vorgehen sollte“, meint Billmaier.

WISSEN

Schlaglöcher haben ihre Ursache meist in Frostschäden. Diese treten auf, wenn Wasser durch die Fahrbahndecke dringt, und danach im Untergrund gefriert. Häufiger Wechsel von Frost und Tauwetter sowie Risse in der Oberfläche begünstigen den Vorgang.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2010)

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