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Schrebergarten

Die Frage, wie armselig Spitzenpolitiker leben müssen, um die Volksseele zu befriedigen, ist so alt, wie es Politiker gibt.

In Deutschland hat das gerade der Investmentbanker Friedrich Merz schmerzlich zu spüren bekommen: Er ist Milliardär, besitzt einen Privatjet. Vielleicht war es das, was ihn um den Sieg über Annegret Kramp-Karrenbauer brachte. Selbst die Ausnahmeerscheinung heimischer Innenpolitik blieb vor derlei Anfeindungen nicht gefeit.

Als Bruno Kreisky sich in den 1970er-Jahren ein bescheidenes Ferienhäuschen am Meer zulegte, war die Aufregung groß. Vor allen, weil er unwillig brummelte: „Kärnten is' mir zu teuer.“ Seitdem gab's für die politischen Journalisten nur mehr eine sommerliche Sehnsuchtsadresse: Palma di Mallorca, Costa d'en Blanes 51.

Ein dreistöckiges Haus im Grundriss eines Schrebergartens, allerdings mit atemberaubendem Blick übers Meer und geräumigem Swimmingpool. Österreichische Touristen konnten ihn beim Gang zum Bäcker abpassen. Dorthin kurvte er mit seinem alten zitronengelben VW-Käfer-Cabriolet. Und zwar in halsbrecherischem Tempo. Die Liegenschaft oberhalb des Sporthafens Porto Portals hat etwa 800 Quadratmeter, davon hundert Nutzfläche, später durch Zubauten etwas erweitert. „Jessas, da hab ich ja ein größeres Häusl in Krems“, sagte einmal ein Besucher. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2018)