Die Emission von Softbanks Handysparte brachte zwar 23,5 Mrd. Dollar, die Aktie stürzte jedoch ab. Dies war absehbar, das Papier war nur zweifach überzeichnet.
Tokio. Es war der größte Börsengang dieses an Turbulenzen kaum zu überbietenden Börsenjahres: Mit dem lang feststehenden Emissionspreis von 1500 Yen sollte das Initial Public Offering (IPO) der Mobilfunksparte des japanischen Technologieriesen Softbank umgerechnet 23,5 Mrd. Dollar bringen. Damit rangieren die Japaner nur knapp hinter dem bislang größten Börsengang aller Zeiten, bei dem der chinesische Internetriese Alibaba im Jahr 2014 rund 25 Mrd. Dollar erlöst hatte.
Und dennoch gab es am Mittwoch lange Gesichter: Die Aktie – insgesamt wurden 37 Prozent platziert – stürzte ab, mit 1282 Yen schlossen die Titel um 14,5 Prozent unter dem Ausgabepreis.
Für die Zurückhaltung der Investoren, die sich allein schon durch eine für Japan niedrige, nur zweifache Überzeichnung der Papiere zeigte, gibt es mehrere Gründe. „Es gab zuletzt keine guten Nachrichten in Zusammenhang mit Softbank“, meinte Tetsuro Li, Chef von Commons Asset Management. Ausgerechnet in der Werbephase kurz vor dem IPO kämpfte Japans drittgrößter Mobilfunkbetreiber mit massiven Netzproblemen, die landesweit zu stundenlangen Ausfällen führten.
Noch schwerer wiegen die engen Geschäftsbeziehungen von Softbank zu dem bei US-amerikanischen Sicherheitsbehörden unter Spionageverdacht geratenen chinesischen Netzwerkausrüster Huawei. Aus Sorge vor Schlupflöchern zur Spionage haben mittlerweile mehrere Länder die Beziehungen zu dem chinesischen Branchenprimus auf Eis gelegt. Softbank soll die Kooperation angeblich bereits beendet haben.
Branche unter Preisdruck
Und zudem machten sich Investoren Sorgen um die Wachstumsaussichten der japanischen Mobilfunkbranche insgesamt, nachdem die Regierung drastische Senkungen bei den Handygebühren eingemahnt hat. Der größte Anbieter NTT Docomo hat bereits Preisreduktionen um 40 Prozent angekündigt. Auch die alternde Bevölkerung und der Einstieg des japanischen Internethändlers Rakuten ins Mobilfunkgeschäft trüben die Gewinnaussichten der Branche.
Der charismatische Firmengründer Masayoshi Son hat daraufhin angekündigt, die Automatisierung voranzutreiben und die Zahl der Beschäftigten im Mobilfunk in den nächsten zwei bis drei Jahren um bis zu 40 Prozent zu kürzen. Son, der als reichster Japaner gilt, will mit dem Börsengang die Marktkapitalisierung der gesamten Gruppe steigern und den Konzern stärker auf eine Beteiligungsgesellschaft ausrichten. Bisher lag das Schwergewicht auf dem Mobilfunk. Inzwischen agiert der Konzern verstärkt als Technologie-Investor. Die Aktionäre bekamen also das „alte“ Geschäft, während Wachstumsbereiche im Konzern verbleiben.
Softbank ist selbst an Alibaba beteiligt, die 29 Prozent sind inzwischen mit rund 112 Mrd. Dollar mehr wert als die gesamte Softbank, die auf 83 Mrd. Dollar geschätzt wird. Daneben hat Son Anteile an Yahoo Japan, dem Chiphersteller ARM und den Fahrdienstanbietern Uber und Didi.
Ein Dorn im Auge potenzieller Aktionäre dürfte auch der Umstand sein, dass nahezu die Hälfte des Geldes für den 100 Mrd. Dollar schweren Technologiefonds Vision Funds, den Son im Vorjahr aufgelegt hat, aus Saudiarabien kam.
Mit hohen Dividendenversprechungen will der Milliardär Anleger bei der Stange halten. Börsengänge ziehen in Japan viele Kleinanleger an, die die Anlage als sichere Gewinnchance sehen. Von den 82 Erstnotierungen in diesem Jahr ist Softbank das siebte Unternehmen, das beim IPO unter den Angebotspreis rutschte. (eid/ag)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2018)