Elon Musks neuestes Schnippchen

Die Idee zum Hyperloop stammt von Elon Musk, aufgegriffen haben sie andere. Den Verkehr revolutionieren will der umtriebige Unternehmer aber immer noch.
Die Idee zum Hyperloop stammt von Elon Musk, aufgegriffen haben sie andere. Den Verkehr revolutionieren will der umtriebige Unternehmer aber immer noch.(c) APA/AFP/ROBYN BECK
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Der Erfinder, der die Welt in Anbeter und Hasser spaltet, will den Nahverkehr revolutionieren. Nun legte er erstmals greifbare Ergebnisse vor – die nicht nur begeisterten.

Wien. 650 Kilometer liegen zwischen San Francisco und Los Angeles – wer sie pendeln muss, für den kann das auf Dauer recht anstrengend werden. Wie Tesla-Gründer Elon Musk, der aus der Mühsal eine Idee machte: den Hyperloop, mit dem man die Strecke in 35 Minuten schaffen würde. Dabei sollen die Passagiere mit 1200 Stundenkilometern durch eine Röhre geschossen werden. Daraus wurde bis dato nichts. Aber Musk, der Erfinder, der die Welt in Anbeter und Hasser spaltet, will den öffentlichen Verkehr immer noch revolutionieren. Wie, das zeigte er in der Nacht auf Mittwoch. Hunderte Journalisten und Interessierte waren zur Eröffnung seiner ersten Teststrecke in Los Angeles geladen. Musks Boring Company will Autos samt Passagieren wie in einer Rohrpost rasend schnell von Stadt zu Stadt schicken. Laut dem Unternehmer sollen auf der 1,8 Kilometer langen Teststrecke bis zu 250 Stundenkilometer erreicht werden, langfristig sogar mehr als 480 Stundenkilometer. Die Realität hielt dem Ausblick aber nicht stand: Je nach Bericht erreichte der eingesetzte Tesla im Tunnel nur 65 oder 80 Stundenkilometer.

Reisen fast mit Schallgeschwindigkeit

In einem ersten Schritt will Musk Hawthorne, einen 90.000-Einwohner-Vorort von Los Angeles südwestlich der Großstadt, untertunneln. Aktuell funktioniert die unterirdische Reise so: Das Auto (bei der Testfahrt ein weißer Tesla Model X) fährt mit einem Lift in den Tunnel, bekommt Stützräder angebaut, die es in der Spur halten. Der Tunnel ist nicht viel breiter als das Auto selbst. Das Auto fährt mit eigenem Antrieb durch die Röhre und wird am Ende wieder an die Oberfläche geholt. Journalisten kritisierten, dass bei der Testfahrt nicht annähernd die versprochene Geschwindigkeit erreicht wurde. Musk hatte freilich eine Erklärung: Es habe Zeitdruck gegeben, die Arbeiter seien noch nicht dazu gekommen, den Boden zu glätten. Die Fahrt sei auch relativ holprig gewesen, berichteten Teilnehmer.

Das Projekt wurde also durchaus kritisch aufgenommen – aber immerhin der Gründer selbst glaubt daran: Für den 1,8 Kilometer langen Streckenteil hat Musk zehn Mio. Dollar in die Hand genommen. Die Fertigstellung habe ein Jahr gedauert, vor allem wegen Verzögerungen durch Genehmigungsverfahren. Dabei sind zehn Mio. Dollar günstig. Ein Tunnel in derselben Länge kommt andernorts leicht auf eine Mrd. Dollar oder mehr. Musk zufolge müssten die Kosten auf ein Zehntel reduziert werden, um das Projekt großflächig zu realisieren.

Mit dem ursprünglich angekündigten Hyperloop hat Musks neuestes Projekt nur wenig zu tun. Die Technik heißt auch nur „Loop“. Der Hyperloop war als Massenbeförderungsmittel für den Verkehr zwischen großen Städten angedacht. Die Passagiere sollten nahezu mit Schallgeschwindigkeit reisen, verhieß Musk 2013. Weil er mit Tesla und seiner Raketenfirma SpaceX ausgelastet sei, gab er seine Pläne frei und rief Interessierte auf, auf Basis seiner Ergebnisse weiter zu forschen. Heute rittern der Deutsche Dirk Ahlborn mit seiner Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT) und die Virgin Hyperloop One von Uber-Investor Shervin Pishevar um den Hyperloop. An Bord hat Pishevar den britischen Milliardär Richard Branson, der Musk auch in der kommerziellen Weltraumfahrt Konkurrenz macht. Musks Boring Company arbeitet laut offiziellen Angaben aus dem Jahr 2017 nicht an einem kommerziellen Hyperloop. Aber die Idee hat der Unternehmer nicht losgelassen. Und so sagte er am Dienstag: „Der Loop ist ein Schritt Richtung Hyperloop.“ (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.12.2018)

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