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In diesen fünf Filmen geht ein Licht auf

Steven Spielbergs „E.T.“ erzählt auch die Jesus-Geschichte nach.Universal Pictures

Flackernde Lampen, glitzernde Schönlinge, glühende Außerirdische und ein Raumschiff, das strahlt wie ein reich geschmückter Christbaum: Die "Presse" empfiehlt filmische Lichtblicke für die Feiertage.

E.T. – Der Außerirdische

Von Steven Spielberg, 1982
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Für Steven Spielberg ist Licht kein beliebiges filmisches Gestaltungsmittel, es markiert vielmehr die Schwelle zwischen Innerlichkeit und Außenwelt, Diesseits und Jenseits, Ich und Anderem. Gleißend strömt es in seinen Filmen durch Jalousien und Fenster, scheint verheißungsvoll von Ufos und bedrohlich von Wachtürmen herab und legt zwischen zarten Schattenwürfen das individuelle Gesicht des Lebewesens vis-á-vis offen. „E.T.“ ist Spielbergs feinsinniger Versuch, das Licht als unerschöpfliche Quelle von Empathie und Tröstung vorzustellen. Zudem ist der Kinderfilm eine Neuübersetzung der Jesus-Geschichte, die – ein US-Professor zählte nach – immerhin durch 33 Referenzen vertreten ist. Das erste Versteck des Alien, das mit seinem funkelnden Finger Wunden heilen kann, ist ein leuchtender Gartenschuppen, der an eine Krippe denken lässt. Und nach seiner Auferstehung glüht ein wärmendes Herz unter seiner Brust. Das Finale von „E.T.“ kommt ohne brutale Kreuzigung aus. Zum Abschied malt das körperlich schwache, aber geistig omnipotente Wesen dem schwermütigen Kleinstadt-Buben noch einen Silberstreif an die Himmelskuppel, bevor es – die Kehrseite aller Liebe ist die Melancholie – auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

 

A Ghost Story

Von David Lowery, 2017
Zu sehen auf Sky

Genau wie E.T. und Jesus wacht der Held aus „A Ghost Story“ nach seinem Tod unter einem weißen Leichentuch auf. Aber anders als die beiden wird er wohl für immer darunter bleiben. Unsichtbar für die Lebenden, ein wandelndes Laken für das Publikum, muss er nun ganz nietzscheanisch die Unendlichkeit durchlaufen, bis sie sich wiederholt. Licht ist dabei sein einziges Ausdrucksmittel. Lampen flackern, wenn er wütend wird. Als Lichtspiegelung klettert er Zimmerwände hoch. Elektrisch beleuchtete Imperien erstehen und gehen wieder unter. Schwarzblenden verwandeln sich zum erhabenen Bild des von funkelnden Sternen durchsiebten Kosmos. Elegisch, metaphysisch – atemberaubend!

 

Instructions for a Light and Sound Machine

Von Peter Tscherkassky, 2005
Zu sehen auf Flimmit

Im analogen Kinematographen ratterten abnutzbare Einzelbilder über eine Lampe, um auf der Leinwand einen täuschend echten Bewegungseindruck entstehen zu lassen. Im Zeitalter digitaler Projektoren ist das mechanische Flackern und das Tanzen weißer Löcher auf der projizierten Oberfläche jedoch passé. In den Leerstellen des Experimentalkurzfilm-Westerns von Peter Tscherkassky, der von einer Schießerei mit blitzenden Gewehrmündern und einem Todeskampf am Galgen handelt, tauchen immer wieder weiße Lichteinblitzungen auf. Sein und Nichtsein als Wechsel zwischen Blendung, Finsternis und versehrtem Filmbild – am Ende ist ein Friedhof zu sehen.

 

Star Trek

Von J. J. Abrams, 2009
zu sehen auf Amazon und Netflix

Es gibt zwar unzählige Weihnachtsfilme – aber nur wenige, die wirklich nach Weihnachten aussehen. Viele begnügen sich zwecks festlicher Stimmungsmache damit, ein paar Tannenzweige und -zapfen ins Dekor zu hängen. J. J. Abrams' „Star Trek“-Neuauflage hingegen mag zwar nichts mit der Adventszeit zu tun haben, strahlt einen aber über weite Strecken an wie ein reich geschmückter Christbaum. Das liegt nicht zuletzt am im Film bewusst überstrapazierten „Lens Flare“-Effekt, der dank Reflexionen innerhalb des Kameraobjektivs entsteht. Besonders die gleißend hellen Szenen auf der Kommandobrücke der USS Enterprise, wo sich überdies eine bunt uniformierte Besatzung tummelt, verströmen darob fröhliche Festtagslaune.

 

Twilight

Von Catherine Hardwicke, 2008
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Viel, vor allem viel Hämisches, ist geschrieben worden über Stephenie Meyers Teenieroman-Phänomen „Twilight“ und seine Verfilmungen. Buchreihe und Kino-Saga wurden wahlweise als Liebeskitsch, als Schmuddelkram oder als reaktionäre Abstinenz-Romanze gebrandmarkt. Bis zu einem gewissen Grad haben diese Anschuldigungen ihre Berechtigung – und doch unterschlagen sie die Eigenheiten, die „Twilight“ für eine ganze Publikumsgeneration so verführerisch machten. Und den Umstand, dass sich ähnlich vehementer Spott nur selten gegen Popkultur-Objekte richtet, die dubiose Bubenträume wahr werden lassen.
Die Leinwandadaption des ersten „Twilight“-Romans übersetzt dessen zwischen Schwärmerei und verkappter Erotik schwankende (Sinn-)Bilder jugendlichen Begehrens auf durchaus bestechende Weise. Besonders markant ist das wohl bekannteste (und ausgiebig belächelte) Detail, dass Schmacht-Vampir Edward (Robert Pattinson) im Sonnenlicht keineswegs zu Staub zerfällt, sondern zu glitzern beginnt wie Lametta unter einer Discokugel – was das Herz von Bella (Kristen Stewart) höher schlagen lässt. So schlecht passt das eigentlich gar nicht zum sprichwörtlichen Fest der Liebe.

 

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