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Übernahme: Volvo rollt in Richtung Osten

(c) AP (ADAM IHSE)
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Ford und der chinesische Autohersteller Geely unterzeichneten den Kaufvertrag und fixierten somit den Deal, der bereits im Dezember bestätigt worden war. Für 1,8 Mrd. Dollar übernehmen die Chinesen den Autobauer.

Wien (jaz/ag.). „Volvo passt hervorragend zu Ford. Der Kauf ist eine tolle Möglichkeit, unser Portfolio gewinnbringend zu erweitern.“ Mit diesen Worten freute sich der damalige Ford-Chef Jacques Nasser im Jahr 1999 über den soeben erfolgten 6,5-Mrd.-Dollar-Kauf von Volvo durch den US-Autokonzern. Der Deal fiel in eine Zeit, in der es in der Autoindustrie nur eine Devise gab: Die Großen werden die Kleinen fressen. Im Jahr zuvor hatten Daimler und Chrysler fusioniert, kurz davor BMW den britischen Hersteller Rover übernommen. Es wurde gekauft, was das Zeug hielt. Egal, ob die Firmen zusammenpassten oder nicht.

Etwas mehr als zehn Jahre später sieht die Realität der Autoindustrie wieder anders aus. Größe schützt vor Misserfolg schon lange nicht mehr. Der bis dato größte Autohersteller GM musste im Sommer 2009 sogar Insolvenz anmelden. Daimler und Chrysler gehen längst getrennte Wege. Und Rover – oder was davon übrig blieb – gehört nach einer Reihe von Besitzwechseln seit 2005 dem chinesischen Hersteller Nanjing.

Auch bei Ford haben sich die Prioritäten inzwischen verschoben. Die Zukäufe der Vergangenheit wurden großteils wieder abgegeben: Aston Martin, Jaguar und Land Rover gehören bereits Firmen wie der indischen Tata.

Und nun trifft es auch die schwedische Traditionsmarke Volvo. Am Wochenende unterzeichneten Ford und der chinesische Autohersteller Geely den Kaufvertrag und fixierten somit den Deal, der bereits im Dezember bestätigt worden war („Die Presse“ berichtete). Für 1,8 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro) übernehmen die Chinesen den schwedischen Autobauer, dessen Name lateinisch „Ich rolle“ bedeutet.

 

Kein gutes Geschäft für Ford

Für Ford war der etwa zehnjährige Besitz von Volvo kein gutes Geschäft. Nicht nur, dass der Verkaufspreis weniger als ein Drittel des seinerzeitigen Kaufpreises ausmacht. In den vergangenen Jahren fuhr Volvo auch regelmäßig Verluste ein und musste vom Mutterkonzern finanziell gestützt werden. Den letzten Vorsteuergewinn konnten die Schweden im Jahr 2005 erwirtschaften. 2009 gab es einen Verlust von knapp einer Mrd. Dollar.

Geely haben diese Zahlen jedoch nicht abgeschreckt. Die Chinesen geben sich optimistisch und wollen Volvo bereits in zwei Jahren wieder in die Gewinnzone führen. Möglich machen soll dieses ambitionierte Ziel unter anderem ein verstärkter Auftritt auf dem inzwischen weltgrößten Automarkt China. Im Vorjahr verkaufte Volvo dort nur etwa 22.000 Autos. Laut Geely-Chef Li Shufu soll in China schon demnächst ein Volvo-Werk mit einer Kapazität von 300.000 Autos entstehen – fast so viel, wie Volvo zuletzt auf der ganzen Welt verkauft hat.

Helfen dürfte bei diesen Plänen, dass Geely die Unterstützung der Regierung in Peking hat, die „einheimischen“ Autoherstellern den Anschluss an westliche Konzerne ermöglichen möchte. So könnten Volvos aus chinesischer Produktion schon bald die derzeit gängigen Staatslimousinen – meist große Audis – ersetzen. Außerdem sind die Chinesen in vielen technischen Bereichen noch weit hinter einem westlichen Konzern wie Volvo. Sie dürften durch den Kauf daher neue Technologie erhalten. So gesehen ist das Geschäft für Geely auf jeden Fall ein Gewinn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2010)