Ein Trend mit unbekannten Folgen: Politik mit Kindern, nicht für sie

Von der US-Grenze zu Mexiko über eine Schule in Berlin bis zu den Anti- Ausländer-Reflexen in Österreich – überall Indifferenz den Jüngsten gegenüber.

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Wieder steht ein „Fest für Kinder“, als das Weihnachten von manchen gesehen wird, vor der Tür. Vielleicht ein Anlass, darüber nachzudenken, wie mit Kindern auf allen Ebenen – und nicht nur in Österreich – neuerdings umgegangen wird.

Kinder als erste und erbarmungswürdigste Opfer von militärischen Auseinandersetzungen: Das ist eine Tatsache, seitdem es aggressive Konflikte gibt, also seit Menschengedenken. Aktuell sind laut UN-Berichten bereits 85.000 Kinder im Jemen verhungert und sieben Millionen Kinder dort vom Hungertod bedroht. Die Welt schaut auch da weg. Dieser Krieg hat an sich schon in den letzten Jahren wenig internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nun scheint das Elend der Kinder völlig ausgeblendet.

Doch um diese himmelschreiende Gleichgültigkeit soll es hier gar nicht gehen, sondern um die schleichende Indifferenz Kindern gegenüber und darum, dass immer auffälliger mit einer Politik auf dem Rücken von Kindern politisches Kleingeld gemacht wird. Da scheint sich ein neuer Trend zu verfestigen, zwar nicht so dramatisch wie das Elend in Kriegsgebieten, dennoch mit langfristigen Konsequenzen, die offenbar nicht einmal angedacht werden.

Erst vor wenigen Tage wurde bekannt, dass die siebenjährige Jakelin Caal Maquin aus Guatemala wenige Stunden nach ihrem Aufgriff durch die US-Behörden in New Mexico gestorben ist. Ob Dehydrierung oder nicht, das Mädchen hätte wahrscheinlich unverzüglich ärztlich behandelt werden müssen. Sein Tod wird seither politisch instrumentalisiert. Von den Gegnern der US-Einwanderungspolitik unter Donald Trump wie von seinen Sympathisanten.

Diese Politik wird seit Monaten auf dem Rücken von Kindern ausgetragen. Sie wurden an der Grenze von ihren Eltern getrennt und somit in den meisten Fällen traumatisiert. Kinder als Geiseln einer Politik, für die sie gar nichts können, die ihr kleines Leben ruiniert und wahrscheinlich weit in ihr großes Leben hineinwirken wird. Das gilt auch für jene Kinder, die mit der Flüchtlingswelle nach Europa kamen/kommen, ihre Eltern verlieren, irgendwo stranden, von niemanden gesucht werden.

Doch es geht nicht immer um so dramatische Entwicklungen, die zwar an der allgemeinen Indifferenz nichts ändern, aber immerhin noch wahrgenommen werden. Es geht auch um „Nebensächlichkeiten“, bei denen die Erwachsenen die Folgen völlig außer acht lassen.

Wie muss sich jenes Kind fühlen, dessen Eltern seit Monaten mit der Führung einer Berliner Waldorfschule streiten. Sie sind Abgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD), ihr Kind angeblich in der Schule nicht willkommen. Was aber kann das Kind für die politische Einstellung seiner Eltern? Wie soll es die Justamentstandpunkte von Eltern oder Schulleitung verstehen? Hier wird um Diskriminierung, Sippenhaftung, Meinungsfreiheit gestritten. Das Volksschulkind spielt bei all dem die geringste Rolle. In Österreich herrscht da ein wenig mehr Raffinesse.

Um die Abneigung ihrer Klientel gegen Ausländer zu bedienen, besteht die Regierung auf einem Kopftuchverbot für Volksschülerinnen. Das ist auch nichts anderes als die Instrumentalisierung von Kindern.

Um die Vorliebe ihrer Klientel für das klassische Gymnasium zu bedienen, kündigt die Regierung in Person von Bildungsminister Heinz Faßmann einen Test für Achtjährige als Entscheidungshilfe für deren AHS-Reife an. Zu meinen, man könne so die Weiterentwicklung eines Kindes erkennen, ist nichts weiter als politische Vereinnahmung der Jüngsten. Nur um den Anti-Ausländer-Reflex der Wähler zu befriedigen, werden kinderreiche Familien finanziell schlechter gestellt. Mehr Migranten als „unsere Österreicher“? Es sind nicht immer die großen Wunden, die das spätere Leben beeinflussen, oft sind es auch die kleinen Verletzungen. Man sollte dagegenhalten. Das Spiel ist leicht zu durchschauen.


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