Sie feiern unterschiedlich und doch gemeinsam, reiben sich am „großen Bruder“, der röm.-katholischen Kirche, und versorgen, wo sich in theologischen Fragen kein gemeinsamer Nenner findet, miteinander Obdachlose. Die Vielfalt der Christen – ein Austausch.
Es ist fast wie ein Klassentreffen. Die einen sehen sich ohnehin dauernd, andere haben keine große Freude, dass der auch dabei sein muss, weil eigentlich gehöre dessen Kirche ja nicht richtig dazu, und andere, die wissen flüchtig voneinander, haben aber eigentlich nichts miteinander zu tun. „Grüß dich, wir sehen uns dann eh gleich“, begrüßt Dompfarrer Toni Faber etwa Ines Charlotte Knoll, die Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche. Später an diesem vorweihnachtlichen Vormittag wird Faber mit seinem Team in Knolls Kirche kommen, die Weihnachtsfeier der Dompfarre findet heuer dort statt. In den katholischen Nachbarkirchen waren sie schon, heuer soll es einmal etwas anderes sein.
Alltäglich ist das nicht. Landläufig ist „die“ Kirche zunächst die römisch-katholische, Weihnachten ist oft untrennbar mit katholischem Brauchtum verknüpft – und, wenn es um den Austausch mit anderen Kirchen geht, habe die Dompfarre sicher eine Sonderstellung, sagt Faber. Als zentraler Ort Wiens kommen hier bisweilen alle zusammen. Katholisch, evangelisch, orthodox – sogar freikirchlich. Wie an diesem Vormittag – „die Presse“ hat Vertreter acht christlicher Kirchen (eingeladen waren alle staatlich anerkannten Kirchen) eingeladen, um zu diskutieren, was die Wiener Christen trennt, was sie eint – und wie sie miteinander klarkommen.