Anleger schauen mit gemischten Gefühlen auf Jahreswechsel

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In der alten Woche büßte der DAX gut zwei Prozent ein. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Monate auf fast 19 Prozent. Der Leitindex steuert auf den größten Jahresverlust seit 2008 zu.

Das Beste hoffen und sich auf das Schlimmste vorbereiten. Diese Devise leitet derzeit die Anleger an den Börsen. "Die Vielzahl der 2018 schlagend gewordenen Risiken lässt wahrlich wenig Raum für einen optimistischen Marktausblick", sagt Volkswirt Bernhard Grünäugl vom Vermögensverwalter BayernInvest. "Gleichwohl liegt in dem derzeit sehr negativen Marktsentiment eventuell auch die Chance auf ein besseres Kapitalmarktjahr 2019", meint Grünäugl.

In der alten Woche büßte der DAX gut zwei Prozent ein. Damit summiert sich das Minus der vergangenen Monate auf fast 19 Prozent. Der Leitindex steuert auf den größten Jahresverlust seit 2008 zu. Damals ging es gut 40 Prozent abwärts. Auch der MSCI-Weltindex steht vor dem größten Rückgang seit zehn Jahren. Der Wall Street droht 2018 sogar der schwärzeste Dezember seit 1931. Dort verlor der Leitindex Dow Jones in der alten Woche knapp sieben Prozent, der Technologie-Index Nasdaq sogar mehr als acht Prozent.

"Die Wirtschaft schwächelt, die Zinsen steigen - von einem attraktiven Szenario für Aktien sind wir aktuell meilenweit entfernt", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Aber genau das könnte den Impuls für eine Erholung liefern. Denn wenn die Stimmung am Tiefpunkt angekommen ist, gehen die Kurse meistens wieder nach oben." Unterstützung für die Börsen verspricht sich Jens Wilhelm, Vorstand beim Vermögensverwalter Union Investment, zudem von der Konjunktur. Sowohl für die USA als auch Europa sagt er weiteres Wachstum voraus. "Der Zyklus ist zwar reif, aber noch nicht zu Ende."

Die Dauerbrenner-Risiken Brexit und Zollstreit könnten Investoren aber auch 2019 die Suppe versalzen, warnen Experten. Dazu geselle sich Frankreich. Dort hat Präsident Emmanuel Macron als Reaktion auf gewaltsame Proteste zusätzliche Ausgaben in Aussicht gestellt, die das Etatdefizit auf mehr als drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung treiben dürften.

Stichtag 4. Jänner

Die britische Premierministerin Theresa May versuche derzeit, ihre Landsleute zu einer Entscheidung zwischen dem ungeliebten Brexit-Deal und einem ungeordneten Ausstieg Großbritanniens aus der EU zu zwingen, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Wenn diese Strategie aufgeht, ist eine Verschiebung des Austrittsdatums wahrscheinlich. Das Drama geht in die Verlängerung."

Bei den Konjunkturdaten richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit auf das neue Jahr. Denn am 4. Jänner stehen die US-Arbeitsmarktdaten auf dem Terminplan. Von ihnen erhoffen sich Investoren weitere Rückschlüsse auf Zeitpunkt und Tempo möglicher weiterer US-Zinserhöhungen. Einen Vorgeschmack liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP einen Tag zuvor.

Wenige Stunden von den offiziellen US-Beschäftigtenzahlen stehen die europäischen Inflationsdaten zur Veröffentlichung an. Aus ihnen versuchen Börsianer herauszulesen, wann die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erstmals seit mehreren Jahren wieder anheben könnte.