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Mafia-Mord in Wien: Angeschossener und Zeuge festgenommen

SCHUeSSE IN WIENER CITY - EIN TOTER, EIN SCHWERVERLETZTER
APA/GEORG HOCHMUTH

Bei dem Verletzten soll es sich um den Sohn des einstigen Bosses der montenegrinischen Mafia in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad handeln. Auch der Zeuge soll einen mafiösen Hintergrund haben.

Nach dem aufsehenerregenden Mafia-Mord am Freitagnachmittag in der Wiener Innenstadt hat es am Sonntag zwei Festnahmen gegeben. Die Handschellen klickten für einen 29-Jährigen, der die beiden Opfer des Schuss-Attentats zum Mittagessen begleitet hatte, und den 23-jährigen Montenegriner, der den Anschlag überlebt hat und seither in einem Wiener Spital behandelt wird. Der Täter ist nach wie vor auf der Flucht.

Der 32-jährige Vladimir R. war am Freitag von einem unbekannten Schützen nach dem Verlassen eines Lokals am Lugeck erschossen worden. Sein 23 Jahre alter Begleiter wurde ebenfalls von mehreren Projektilen getroffen und lebensgefährlich verletzt. Den dritten Mann ließ der Täter unbehelligt - ob zufällig oder bewusst, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Fest steht, dass der 29-Jährige, der von den Strafverfolgungsbehörden zunächst als Zeuge geführt wurde, nach seiner Einvernahme festgenommen wurde.

"Er hat unglaubwürdige Aussagen zum Tathergang gemacht", teilte der Sprecher der Wiener Landespolizeidirektion, Daniel Fürst, Sonntagmittag mit. Eine Beteiligung - in welcher Form auch immer - könne zum derzeitigen Zeitpunkt daher nicht ausgeschlossen werden. Die genauen Haftgründe kommentierte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Auch die Staatsanwaltschaft Wien hielt sich bedeckt.

23-Jähriger nicht mehr in Lebensgefahr

Offiziell bestätigt wurden mafiöse Verbindungen des 29-Jährigen. Der 29-Jährige sei "der organisierten Kriminalität zuzuordnen", hieß es in einer Presseaussendung der Polizei. Ob gegen ihn ausschließlich wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation ermittelt wird oder darüber hinaus auch der Verdacht der Beteiligung am Mord bzw. versuchten Mord besteht, ließ die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen unbeantwortet.

Der angeschossene 23-Jährige - er soll einen Streifschuss am Kopf und mehrere Treffer im Oberkörperbereich erlitten haben - befindet sich nicht mehr in Lebensgefahr. Er konnte im behandelnden Spital stabilisiert werden. Wie Bussek mitteilte, klickten dort für den Montenegriner auf Ersuchen der serbischen Strafverfolgungsbehörden die Handschellen. Was die serbischen Behörden dem Mann konkret vorwerfen, wollte die Staatsanwaltschaft-Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Der 23-Jährige war zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Er wird nun am Krankenbett streng bewacht. Es soll sich beim 23-Jährigen um einen Sohn des einstigen Bosses der montenegrinischen Mafia in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad handeln. Sowohl der Vater wie auch ein Bruder des 23-Jährigen waren bei Mafia-Abrechnungen in Novi Sad bzw. Belgrad 1999 bzw. 2015 ums Leben gekommen.

Krieg der monenegrinischen Mafia-Clans

Um die Hintergründe der Tat zu klären und auf die Spur des Attentäters zu kommen, laufen länderübergreifende Ermittlungen. Das Landeskriminalamt Wien sowie das Bundeskriminalamt arbeiten intensiv mit den Behörden in Serbien und Montenegro zusammen, hieß es am Sonntag seitens der Landespolizeidirektion.

Laut serbischen und montenegrinischen Medien handelt es sich bei den zwei Niedergeschossenen um Angehörige des mafiösen Kavacki-Clans, der seinen Namen nach einem Stadtviertel von Kotor - eine mediterrane Handels-und Hafenstadt an der montenegrinischen Adria-Küste - trägt. Der Clan führt seit Jahren einen regelrechten Krieg mit dem ebenfalls nach einer Kotor-Siedlung benannten Skaljarski-Clan. Hintergrund der blutigen Fehde soll ein Streit um Drogen-Geschäfte sein. Die eine Bande soll der anderen Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain gestohlen haben, das in einer Wohnung im spanischen Valencia gebunkert war. Darauf starteten blutige Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro und in Serbien. Dutzende Personen sollen seither eines gewaltsamen Todes gestorben sein.

Getöteter soll wegen Bombendrohung inhaftiert gewesen sein

Offen ist, ob die Bluttat in Wien einen Bezug zur Festnahme des mutmaßlichen Kavacki-Bosses Kotoranin S. hat. Der 55-Jährige konnte, nachdem er jahrelang untergetaucht war, vor kurzem in Prag dingfest gemacht werden. Er soll sich zwischenzeitlich auch in Österreich aufgehalten haben.

Der getötete Vladimir R. hatte sich erst seit 7. Dezember wieder auf freiem Fuß befunden. Er soll in Belgrad eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Bombendrohung, illegalen Waffenbesitzes und Dokumentenfälschung verbüßt haben. Wenige Tage nach seiner Enthaftung machte sich der Montenegriner auf den Weg nach Wien.

(APA/red.)