Ungarn: Statue von Revolutionsheld Nagy unter Protesten entfernt

Anstelle der Nagy-Statue soll das ursprünglich 1934 errichtete Denkmal für die Opfer der kommunistischen Diktatur von 1918-1919 aufgestellt werden.(c) REUTERS (Laszlo Balogh)

Ministerpräsident Orban ordnete eine Umsiedelung des Denkmals an. Kritiker sprechen von einer "Ausradierung" der Geschichte.

Mit einem Sattelschlepper ist am Freitag in der Früh die Statue des Revolutionshelden Imre Nagy vom Budapester Vertanuk-Platz nahe dem Parlament entfernt worden. Das Denkmal des Ministerpräsidenten und Märtyrers des Volksaufstandes von 1956 soll an einem neuen Standort wieder aufgestellt werden. Nagy wurde 1958 als Hochverräter hingerichtet und verscharrt, dann 1989 rehabilitiert.

Die Entfernung des Denkmals wurde offiziell mit der Rekonstruktion des Vertanuk-Platzes im Zustand vor 1945 begründet. Proteste seitens der Nagy-Enkelin Katalin Janosi und der Nagy-Imre-Gesellschaft an der Entscheidung der rechtskonservativen Regierung von Premier Viktor Orban blieben ungehört. Orban hatte 1989 bei der Umbettung von Nagy seinen ersten großen politischen Auftritt gehabt.

Anstelle der Nagy-Statue soll das ursprünglich 1934 errichtete Denkmal für die Opfer der kommunistischen Diktatur von 1918-1919 aufgestellt werden, während der Ära des ungarischen Reichsverwesers Miklos Horthy eingeweiht worden war. Horthy stand ab 1920 bis fast während der gesamten deutschen Nazi-Herrschaft an der ungarischen Staatsspitze und war damit für Entscheidungen während des Holocausts verantwortlich. Als "feige" bezeichnete das Internetportal "b1.blog.hu" die Entfernung des Denkmals und titelte "im Dunkeln stehlen sie unsere Vergangenheit, und leugnen das auch noch".

Orban wolle die Geschichte nach 1944 "ausradieren", schrieb das Internetportal "index.hu". Dazu gehöre auch der Umzug des Amtssitzes des Premiers im Jänner in das ehemalige Karmeliterkloster auf dem Burgberg, weiter der Umbau des Kossuth-Platzes, wo ebenfalls Denkmäler ausgetauscht wurden. Die Demokratische Koalition (DK) rief für Freitagabend zu einem Gedenken am Vertanuk-Platz auf.