Markus Sievers ist Chef des Hedgefonds-Vertreibers Apano und gilt in Deutschland als einer der führenden Branchenexperten. Mit Managed Futures macht man in Krisen Gewinn, sagt Sievers. Es gibt auch Nachteile.
„Die Presse“: Seit der Finanzkrise wollen die Anleger wieder einfache Anlageprodukte. Wie erklären Sie einem Kleinanleger, was ein Managed-Futures-Fonds ist?
Markus Sievers: Man muss zunächst verstehen, dass die Märkte von Gier und Panik getrieben sind. Der Markt neigt zur Übertreibung. Wenn die Anleger bemerken, dass der Markt übertrieben hat, schlägt er in die Gegenrichtung aus und neigt dann zur Untertreibung. Managed-Futures-Fonds berechnen Trends und folgen dann dieser Marktentwicklung. Sie bieten die Möglichkeit, in steigenden und sinkenden Märkten zu verdienen. Sie arbeiten nicht nur mit Aktien, sondern auch im Bereich Rohstoffe, Währungen, Anleihen, Energie und Zinsen.
Klingt aber doch kompliziert...
Sievers: Der Leitsatz „Kauf nur, was du verstehst“ wird nicht immer funktionieren. Intelligente Anlageformen sind nicht immer leicht zu verstehen. Das ist bei einer Aktie anders. Nur kommt man dabei nach 15 Jahren drauf, dass alles nur ein Nullsummenspiel war. Wir haben in zehn Jahren zwei große Krisen erlebt, wobei die Aktienkurse jedes Mal halbiert wurden. Das könnte durch die immer schnelleren Märkte zur Regel werden.
Im Krisenjahr 2008 haben die Managed-Futures-Fonds zwölf Prozent Gewinn gemacht, während die Aktienkurse in den Keller gingen. 2009 lagen die Managed-Futures aber weit hinter den Aktiengewinnen.
Sievers: Erst in dem Moment, in dem Trends einsetzen, steigen Managed-Futures-Fonds ein. Wenn ein Trend bricht, steigen sie aus und warten neue Trends ab. Das dauert etwas, darum verliert man im Trendbruch Geld.
Trotzdem, 2009 war für diese Fonds gegenüber den meisten anderen Anlagen ein äußerst schwaches Jahr.
Sievers: Ein Beispiel: Der Managed-Futures-Fonds von Man Investments (AHL-Fonds) erzielte 2008 einen Ertrag von 33 Prozent. Im ersten Halbjahr 2009 gab es viele Trendbrüche, der Fonds verlor daher 16 Prozent. In Summe ging er aus der Finanzkrise aber mit einem Plus von mehr als 16 Prozent heraus. Die Krise hat es hier eigentlich nicht gegeben.
Warum rennen die Anleger nicht die Türen bei diesen Fonds ein?
Sievers: Weil Managed-Futures-Fonds oft in einem Atemzug mit Hedgefonds genannt werden. Und Hedgefonds haben bekanntlich nicht das beste Image.
Wie können Privatanleger davon profitieren?
Sievers: Am ehesten empfehle ich Managed-Futures-Fonds als Beimischung zum Portfolio. Man muss aber kein Großinvestor sein, um dabei zu sein. Es gibt auch Fondssparpläne mit einem monatlichen Mindestanlagebetrag von 100 Euro.
AUF EINEN BLICK
■Markus Sievers ist Chef des Hedgefonds-Vertreibers Apano und gilt in Deutschland als einer der führenden Branchenexperten.
■Die Managed-Futures-Fonds haben laut dem Branchenindex Barclay CTA seit 2000 um 75 Prozent an Wert gewonnen, im Krisenjahr 2008 sogar um 12 Prozent. [Apano]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2010)