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Toni Stricker, Beruf: Musikant

Toni Stricker Beruf Musikant
Toni Stricker(c) Michaela Bruckberger
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Toni Stricker erfand sich im Laufe seiner Karriere mehrfach neu. Er wird am Sonntag 80. Im Juni wird der Geiger groß im Konzerthaus gefeiert. Den Geburtstag verbringt er an der Côte d'Azur.

Toni Stricker ist längst weg. Ende Februar hat er die Koffer gepackt und ist mit seiner Frau Sybill in das gemeinsame Zweitdomizil an der Côte d'Azur gefahren. Wobei: Gefahren ist eigentlich nur er, seine Frau ist mit dem Flugzeug geflogen. „Ihr ist das schon zu anstrengend, den ganzen Weg hinunter mit dem Auto“, sagt er. Und ihm? Ja, Ihm eigentlich auch, gibt er zu. Schließlich wird Toni Stricker in vier Tagen achtzig. Er und seine Assistentin teilen sich die Fahrtzeit vom Burgenland, wo Stricker den anderen Teil des Jahres wohnt, bis in den Süden Frankreichs. Sie schaffen den Weg immer noch an einem Tag.

Den Geburtstag, der heuer auf den Ostersonntag fällt, wird Stricker mit seiner Frau und ihren zwei Dackeln in Frankreich feiern – weit weg von Wien, weit weg von pompösen Jubiläumsfesten, die ohnehin nicht so sein Ding sind. Ganz ohne Feiern geht es heuer aber doch nicht. Anfang Juni wird der runde Geburtstag des „pannonischen Geigers“, wie ihn viele nennen, im Konzerthaus gefeiert. Natürlich musiziert der Künstler an diesem Abend selbst, er lädt sich aber auch befreundete Musiker und Weggefährten dazu: den Jazzmusiker Hans Salomon etwa und die Streichergruppe der Philharmonie Bratislava.

Die Geige hat er (und sie ihn) seit seinem sechsten Geburtstag nicht mehr losgelassen. Damals hat er sich das Streichinstrument, das er bis heute ganz sanft unter sein Kinn platziert, gewünscht. So geht zumindest die Mär. Und jeder Künstler braucht seine Legenden. Sechs oder sieben Geigen besitzt er heute. Die wichtigste ist jene tschechische Baudisch, die er – passend zu ihrem Baujahr 1786 – liebevoll „meine oide Dame“ nennt. Eine andere wichtige Geige besitzt er seit seiner Studienzeit am Wiener Konservatorium. Damals war er rasch vom klassischen Bereich in „die Abteilung Jazz“ gewechselt, erzählt er. War schnell mit Joe Zawinul, Kurt Sowinetz und vielen anderen auf Du und Du.


Aber Toni Stricker erfand sich im Laufe seiner Karriere mehrfach neu. Ende der Siebzigerjahre flieht er vor Trubel und Hektik in Wien und zieht mit der Familie ins Nordburgenland, nach Bad Sauerbrunn. Der Neusiedler See und die pannonische Gegend prägen von da an seine Musik. 18 Alben hat er mittlerweile mit der sogenannten „pannonischen Musik“ bespielt, das jüngste nennt sich „Pannonische Messe“ – Musik, die in keine Schublade passt. So wie es auch keinen typischen Toni-Stricker-Fan gibt, glaubt Stricker. „Ich wollte nie für eine bestimmte Gruppe von Menschen Musik machen. Ich wollte nie ,in‘ sein“, sagt er. Trotzdem sieht er es gern, dass neuerdings immer mehr Studenten und Junge zu seinen Konzerten kommen würden.

Vielleicht auch deshalb geht er mit der Zeit, zumindest ein bisschen: Er hat einen Blog. Allerdings schreibt er den nicht selbst, sondern eine Bekannte. „Manchmal ist es merkwürdig, was ich da so lese“, gibt Stricker zu und lächelt. Die ohnehin schmalen Augen werden dadurch noch ein bisschen schmäler. Auch wenn der meist gut gebräunte Stricker (die Côte d'Azur) mittlerweile ein bisschen kürzertritt: Ganz Aufhören will er nicht. Es gibt kaum einen Tag, an dem er nicht Geige spielt. „Ich stehe früh auf, so gegen sechs Uhr, und übe gleich nach dem Aufstehen, meist eineinhalb Stunden“, erzählt er. Die Geige sei für ihn wie ein „Körperteil“.

Hat er einen Wunsch zum 80er? „Ein volles Haus am 10.Juni wär schön“, sagt er. Enge Freunde wie André Heller werden jedenfalls mit ihm feiern. Heller war Produzent zweier seiner Alben. Von ihm stammt auch der Ausspruch: „Toni Stricker ist kein Musiker, sondern Musikant.“

Stricker hat der Ausspruch geschmeichelt. „Mir ist es nie darum gegangen, mit gleichmäßigem Ton zu spielen. Ich wollte Geschichten mit meiner Geige erzählen.“

AUF EINEN BLICK

Toni Stricker wird am Ostersonntag 80. Gefeiert wird sein Geburtstag offiziell am 10. Juni mit einem Galakonzert im Wiener Konzerthaus (Beginn: 19.30 Uhr).

Stricker und sein Ensemble spielen mit Jazzmusikern wie Hans Salomon und Richard Oesterreicher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2010)