Champions League: Bayern dreht Match gegen ManU

Franck Ribery bejubelt den Ausgleich
Franck Ribery bejubelt den Ausgleich(c) REUTERS (THOMAS BOHLEN)
  • Drucken

Bayern München siegt gegen Manchester United nach frühem 0:1-Rückstand durch ein Tor in der Nachspielzeit noch 2:1 und weckte damit Erinnerungen an das legendäre Finale vor elf Jahren in Barcelona.

München. Es war das schnellste Tor in dieser Champions League Saison. Es war das 34. Tor von Wayne Rooney im 40. Saisonspiel. Nach 60 Sekunden war es geschehen. Nani zirkelte einen Freistoß zur Mitte, Bayern-Innenverteidiger Demichelis stolperte und Rooney schoss seelenruhig ein.

Von diesem Schock erholten sich die Münchner lange nicht. Zwar versuchten sie das Spiel zu kontrollieren, zu Torchancen kamen sie nicht. Die hatten die Gäste. United zog sein gefürchtetes Auswärtsspiel auf. Mittelfeld und Abwehr zogen sich zurück. Attackierten den Gegner sehr spät. Und knapp vor dem Strafraum stand ein Bollwerk. Darren Fletcher und Michael Carrick im defensiven Mittelfeld erstickten die Bayern-Angriffe zumeist im Keim. Und im Ernstfall standen dahinter noch Rio Ferdinand und Nemanja Vidic, für viele das beste Innenverteidigerpaar der Gegenwart.

Und wenn die Verteidiger den Bayern das Leder abgeluchst hatten, ging es blitzschnell. Kaum eine Mannschaft überbrückt das Mittelfeld so schnell. Steilpass in die Spitze, wie in der 22. Minute. Nanis Flanke trifft auch zur Überraschung von München-Torhüter Butt die Latte.

Nach einer halben Stunden kommen die Bayern allmählich ins Spiel. Ausgerechnet Franck Ribéry treibt den deutschen Rekordmeister nach vorne. Der Franzose, der lieber bei Real Madrid spielen möchte, zeigte Charakter in einem Spiel, in dem alle Hoffnungen von Anpfiff an bei ihm lagen. Arjen Robben, zuletzt in Überform, hatte sich gegen Stuttgart an der Wade verletzt und war zum Zuschauen verdammt. Genauso wie Bastian Schweinsteiger. Der verlässlichste Bayer in dieser Saison fehlte wegen einer Gelbsperre.

Trotzdem zeugte Alex Fergusons Aufstellung vom Respekt vor den angeschlagenen Bayern. Statt wie erwartet den offensiven Mittelfeldspieler Antonio Valencia bot der United-Coach den defensiven Paul Scholes auf. Der 36-Jährige ist einer der drei „Überlebenden" bei United. Einer von drei Spielern, die auch schon am 26. Mai 1999 dabei waren. Dem legendären Champions League-Finale in Barcelona als Manchester United in der Nachspielzeit ein 0:1 in ein 2:1 verwandelte.

Verwandeln hätte auch Rooney am Dienstagabend in der 39. Minute müssen. Nach Pass von Fletscher tat er, das er sehr selten tut: Er vergab eine hundertprozentige Chance. Wieder sieht Demichelis schlecht aus.

Verwandelte Bayern

Nach Seitenwechsel ließen die Bayern den Respekt und wohl auch die Angst in der Kabine, kämpften mit offenem Visier und erspielten sich gute Chancen etwa durch Olic (46.), der an United-Keeper Van der Sar scheiterte. Plötzlich sahen die Fans in der ausverkauften Allianz Arena einen spannenden Schlagabtausch. Bayern drückte.
So wie damals im Stadion Camp Nou: Vor fast elf Jahren war neben Paul Scholes auch Gary Neville dabei. Der heute 35-jährige Außenverteidiger zählt nach wie vor zur Stammformation. „Er wird nie der beste Fußballspieler sein, aber er besitzt Hartnäckigkeit und Kämpferherz", meinte Ferguson einst. Diese Tugenden schätzt der Schotte, der seit bald 24 Jahren in Manchester auf der Trainerbank sitzt.

Nach 70 Minuten wechselt Ferguson, nimmt den defensiven Carrick und Park raus, bringt mit Berbatov und Valencia zwei Offensivspieler. Angriff ist wohl doch die beste Verteidigung. Doch gegen einen abgefälschten Freistoß von Ribéry nützt auch die älteste Weisheit nichts. In der 77. Minute lässt er van der Sar keine Chance, weil Paul Scholes dem Ball eine gefährliche Wendung gibt.

Damals kam die gefährliche Wendung in der 91. Minute durch Teddy Sheringham. Auf dem Feld stand auch Ryan Giggs. Der Dritte im Bunde der „Survivors" kommt in der 82. Minute für Nani. Der 36-Jährige ist dabei, als Vidic kurz danach nur die Latte trifft.

Und Bayern Trainer Louis van Gaal? Auch ein Überlebender am Rande. 1999 musste er als Barcelona-Trainer das Spiel von der Tribüne ansehen. Damals sah er, wie der Bayern-Vorstand neben ihm die Tribüne verließ und sich auf dem Weg machte, um den Pokal abzuholen. „Unglaublich! Als sie unten waren, war es umgedreht", erinnert er sich.
Manchmal wiederholt sich die Geschichte mit anderen Vorzeichen. In der 92. Minute schießt Ivica Olic das 2:1. Unglaublich. Wie damals als ein gewisser Ole Gunnar Solskjaer traf . . .

Packendes französisches Duell

Im ersten reinfranzösischen Viertelfinale zwischen Olympique Lyon und Girondins Bordeaux war von Beginn an Esprit in der Partie. Schon nach zehn Minuten ging Lyon in Führung: Nach einer missglückten Kopfball-Abwehr von Michael Ciani schlug Anthony Reveillere den Ball in die Mitte und dort hielt Goalgetter Lisandro Lopez den Fuß hin (10.). Bordeaux antwortete mit einer perfekten Flanke von Yoann Gourcuff, die Marouane Chamakh per Kopf zum 1:1 verwertete (14.).

Es ging munter weiter und Lyon zum zweiten Mal in Führung. Wieder half die Bordeaux-Abwehr kräftig mit, denn Benoit Tremoulinas verschätzte sich bei einem hohen Ball und der dahinter lauernde Michel Bastos nahm das Geschenk dankend an (32.). Beide Teams fanden weiter zahlreiche Möglichkeiten vor, bis zum nächsten Tor mussten die 40.000 Fans aber bis zur Schlussviertelstunde warten. Ein Hand-Elfmeter von Matthieu Chalme brachte Lyon das 3:1 durch Lopez (77.).

Am Mittwoch folgen die zwei weiteren Viertelfinal-Spiele, Arsenal - FC Barcelona und Inter Mailand - ZSKA Moskau, die Rückspiele stehen am 6. und 7. April auf dem Programm.

("Die Presse", Printausgabe vom 31. März 2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Puyols Einsteigen gegen Fabregas
Fußball

Champions League: Gunners trotzen Barça Remis ab

Arsenal holt gegen Barcelona einen 0:2-Rückstand auf. Walcott und Fabregas per Elfer kontern einen Ibrahimovic-Doppelpack. Inter Mailand zwingt ZSKA Moskau mit 1:0 in die Knie.
Jubel beim FC Bayern
Fußball

Bayern: "Lieber nach zwei Minuten hinten als nach 93"

Den Champions League-Sieg in letzter Minute über Manchester United nimmt man beim deutschen Rekordmeister mit großer Genugtuung auf. Trainer Louis van Gaal hat jetzt sogar das Titel-Triple im Visier.
Wayne Rooney
Fußball

Verletzt: Manchester-Star Rooney muss pausieren

Der Stürmer zog sich eine Verstauchung zu und muss zwei bis vier Wochen pausieren.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.