Schnellauswahl

Gewalt, Tote und Pannen bei Präsidentenwahl im Kongo

Ein vorläufiges Endergebnis wird Mitte Jänner erwartet.APA/AFP/CAROLINE THIRION
  • Drucken

Regierung und Opposition beanspruchen den Sieg um das Rennen um einen Nachfolger für Präsident Kabila für sich. Bei einem umstrittenen Wahlausgang wird eine Welle der Gewalt befürchtet.

Nach der Präsidentenwahl im Kongo beanspruchen sowohl die Opposition als auch die Regierungskoalition des scheidenden Amtsinhabers Joseph Kabila den Sieg für sich. Die Nationale Wahlkommission will allerdings erst am Dienstag erste Teilergebnisse veröffentlichen. Beeinträchtigt wurden die Wahlen von Gewaltausbrüchen, logistischen Problemen und einem Aufflammen der Viruserkrankung Ebola, durch die viele Kongolesen an der Stimmabgabe gehindert wurden.

Präsident Kabila regiert seit der Ermordung seines Vaters 2001. Sollte er sein Amt nach der Wahl tatsächlich aufgeben, wäre das der erste demokratische Machtwechsel in dem rohstoffreichen Land, das 1960 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Belgien erlangt hatte.

In der Hauptstadt Kinshasa waren am Montag nach Angaben von Einwohnern die mobilen Internet-Verbindungen gestört, nachdem in sozialen Medien inoffizielle Schätzungen zum Wahlausgang kursiert hatten. Auch aus der Stadt Goma im Osten des Landes wurden Verbindungsprobleme gemeldet.

Wahlhelfer von Menge gelyncht

Ein umstrittener Wahlausgang könnte wie nach den Abstimmungen 2006 und 2011 zu einer Welle der Gewalt führen. Besonders prekär ist die Sicherheitslage an den Grenzen zu Ruanda, Uganda und Burundi, wo Dutzende von Milizen aktiv sind.

Schon am Sonntag kam es zu ersten gewaltsamen Zwischenfällen. Ein Mitarbeiter der Wahlkommission sowie ein Polizist seien im Bezirk Walungu in der Provinz South Kivu getötet worden, sagte der Kommissionsvorsitzende Corneille Nangaa am Sonntagabend.

Zuvor habe eine aufgebrachte Menge den Wahlhelfer beschuldigt, die Stimmabgabe zu beeinflussen, erklärte Nangaa. Der Mitarbeiter habe versucht, einen Wahlautomaten zu reparieren. Die Menge habe ihn gelyncht, dabei sei auch der Polizist gestorben. Der Aktivist Patient Bashombe berichtete der Nachrichtenagentur dpa von einem dritten Toten in Walungu, als die Polizei das Feuer eröffnet habe.

Pannen und Gewalt während Wahl

Die Wahl des Präsidenten in dem 81 Millionen Einwohner starken Land war am Sonntag von mehreren Pannen und Gewalt begleitet worden. Im Ostkongo erzwangen bewaffnete Rebellen die Schließung einiger Wahlbüros, in der Südwest-Provinz Mai-Ndombe verwüsteten demnach aufgebrachte Menschen Wahlbüros, weil Stimmzettel fehlten.

Rund 540 Wahlautomaten brachen zusammen, einige Wahllokale blieben noch nach der offiziellen Schließzeit offen, weil Wähler in langer Schlange davor auf ihre Stimmabgabe warteten. Wahlbeobachter der katholischen Bischofskonferenz (CENCO) registrierten 194 Gewaltvorfälle.

Auch vor der Wahl war es in Regionen zu Unruhen gekommen, in denen die Stimmabgabe für rund 1,2 Millionen Menschen auf März 2019 verschoben worden war. Die Wahlkommission begründet diese mit einem Ebola-Ausbruch und Terrorgefahr. Trotzdem soll der Nachfolger des autoritär regierenden Joseph Kabila am 18. Jänner vereidigt werden.

(APA/dpa)

Mehr erfahren