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Mister Cool, Black und Supersmart

Ganz ehrlich: Der Mann, das geist- und fleischgewordene Kontrastprogramm zum gegenwärtigen US-Präsidenten, nervt mitunter.

Barack Obama gibt sich gern cooler und smarter, als Gott erlaubt. Neulich publizierte er auf Facebook seine Bestenliste für 2018, und darauf fanden sich nicht weniger als 29 Bücher, sodass sich viele fragten: Hat ein Ex-Präsident tatsächlich so viel Muße?

Mit Vorliebe lässt Obama den Intellektuellen heraushängen, was die Grenze zur Angeberei und Protzerei überschreitet – etwas, was man gemeinhin seinem Nachfolger vorwirft. In grauer Vorzeit hätte man ihm dies wohl als Hoffart, eine der sieben Todsünden, ausgelegt. Dass er „Becoming“, das Buch seiner Frau, Michelle, ganz oben platzierte, ist indes die hohe Schule der Diplomatie. Ob er sich mit den Filmtipps – „Black Panther“, „BlacKkKlansman“, „Roma“ – bei den Golden Globes am Sonntag als Prophet erweist, ist angesichts der Konkurrenz von „A Star Is Born“ oder „Vice“ zweifelhaft.

Michelle Obama hat die Latte für seine eigenen Memoiren, die im Herbst erscheinen werden, jedenfalls hochgelegt. Ob er schafft, den Titel „Buch des Jahres“ zu reklamieren? Fix ist eins: Der Literaturnobelpreis – in der Manier eines Winston Churchill – wäre Barack Obama wohl allemal lieber als der Friedensnobelpreis. Doch auch dieser Lorbeer ist verwelkt, der Leumund dubios. (vier)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2019)