Mit dem Kauf der Scan-Firma Scanpoint bietet die Post neue Leistungen an.
wien. Wie die meisten ehemaligen staatlichen Monopolisten ist auch die Post mit der Liberalisierung konfrontiert. Nach dem Plan der EU-Kommission soll spätestens ab dem Jahr 2009 das letzte geschützte Segment - die Briefsendungen unter 50 Gramm - für den freien Markt geöffnet werden. Die Post muss sich auf diese Veränderungen einstellen. "Wir müssen uns so aufstellen, dass wir auch im Jahr 2010 noch überlebensfähig sind", sagt Post-Vorstand Walter Hitziger.
Ein Schritt auf diesem Weg soll der am Freitag abgeschlossene Kauf des deutschen Unternehmens Scanpoint sein. Die Firma hat sich auf das "intelligente" Scannen von Briefen und deren elektronischer Weiterverarbeitung spezialisiert. "Die Auftraggeber wollen ja keine Briefe, sondern den Inhalt der Briefe erhalten", sagt Hitziger. In der Praxis funktioniert das System folgendermaßen: Scanpoint erhält die Post seiner Kunden. Diese wird eingescannt und automatisch nach Reizwörtern sortiert. Einfache Briefe werden danach per Mail an die Empfänger weitergeleitet. Formulare mit denen beispielsweise Waren bestellt werden, werden sofort in das elektronische Bestellsystem übertragen.
Das Unternehmen erzielte im Jahr 2006 einen Umsatz von 3,5 Mio. Euro. Gegenüber 2005 war dies ein Zuwachs von rund 25 Prozent. Zu den Kunden zählen unter anderem Billa, Shell, ABB oder die Allianz Versicherung. "Wir erhalten durch diesen Zukauf Know-how, das wir bisher noch nicht hatten. Im Gegenzug geben wir Scanpoint beim Vertrieb neue Möglichkeiten", betont Hitziger. In Zukunft sollen in den Verteilerzentren Wien und Salzburg Scanner eingesetzt werden. Bei sensiblen Daten will die Post das Scannen direkt beim Kunden durchführen.
Wie viel die Post für den 51-Prozent-Anteil an Scanpoint zahlt, will Hitziger nicht sagen. Fixiert sei jedoch, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre auch die restlichen Anteile übernommen werden. Der Preis werde dabei von der Performance des Unternehmens abhängen. Hitziger erwartet eine ähnlich dynamische Entwicklung wie in der Vergangenheit: "Wir kaufen sicher kein Unternehmen mit Wachstumsraten von über 20 Prozent, damit es dann nur noch um fünf Prozent wächst."
Der Kauf von Scanpoint soll jedoch nur ein Teil der Erweiterung des Leistungsangebotes sein. Die Post will in Zukunft verstärkt Aufgaben übernehmen, die vor der Annahme oder nach der Zustellung von Briefen liegen. Eine dieser Aufgaben ist das "Poststellen Management". Bei mehreren Ministerien und Unternehmen sitzen bereits Postangestellte in der internen Poststelle. Sie kümmern sich um die Sortierung und Zustellung im Haus sowie der Annahme der Ausgangspost.
"Bei der Österreichischen Staatsdruckerei arbeiten je nach Bedarf zwischen fünf und 15 unserer Leute. Sie sortieren die gedruckten Pässe und Führerscheine und bringen sie zur Post", so Hitziger. Bei der Druckerei Goldmann Druck wird das gesamte Fertigwarenlager von der Post betreut. Dass die Post ein Logistikunternehmen ähnlich der Deutsche-Post-Tochter DHL aufbaut, sei jedoch nicht geplant. "Die Logistik wollen wir nur bei jenen Produkten machen, die auch über unser Postsystem versendet werden. Bei Autoteilen würde das keinen Sinn machen", sagt Hitziger.
Noch im Planungsstadium ist die Idee, für Werbekunden auch das Adress-Management, den Druck und die Kuvertierung zu übernehmen. "Dies würde für uns auch bei der Zustellung Vorteile bringen. Durch eine eigene Druckmaschine könnten wir uns die erste Sortierung sparen", so Hitziger. Bisher habe man in diesem Geschäftsfeld jedoch noch nicht Fuß fassen können. "Es ist ein Teufelskreis. Ohne Referenz kriegt man keine Kunden und ohne Kunden keine Referenz", sagt Hitziger.
In einigen Jahren sollen diese Zusatzdienste jedoch bereits deutlich zum Umsatz der Post beitragen. "Bei der dänischen Post sind es schon jetzt rund zehn Prozent." Und auch für das überzählige Personal würden sich so neue Chancen ergeben. "Wenn ich es schaffe in verschiedenen Poststellen 100 Leute unterzubringen, brauche ich mir nicht zu überlegen, wie ich sie abbauen kann", sagt Hitziger.