Fußballer als Zugvögel

Trainingslager. Türkei, USA oder Fernost – viele Klubs wählen exotische Destinationen als Wintercamps. Der FC Bayern schwört weiter auf Katar.

Doha. Es ist die jährliche Debatte, die Moralisten in Deutschland aufregt, Menschenrechtsorganisationen auf den Plan ruft, den Verein infrage stellt – und letztlich nichts ändert: Der FC Bayern München logiert zum neunten Mal in Folge zum Wintertraining in Katar. Doha sei die Wunschdestination von Trainer Niko Kovač gewesen, erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Abflug der Sondermaschine QR7452 grinsend.

Natürlich fielen die üblichen Fragen auf dem Airport München, von Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen, NGO-Problemen und der politischen Lage. Am WM-Veranstalter 2022 ließ Rummenigge keine Kritik zu, der Verein habe hier gute, finanziell sehr starke Partner. „Wie andere Fußballvereine und Sportfachverbände beteiligen wir uns auch an einem Dialog in der Golf-Region. Wir stehen im regelmäßigen Austausch über Entwicklungen in unseren Gesellschaften.“ Zudem: Katar habe reagiert, alles halb so schlimm. Dann stieg die Mannschaft, David Alaba war mit dabei, ins Flugzeug. Auch Neuzugang Alphonso Davies, 18, wird dann täglich zweimal mittrainieren. Bei 25 Grad, ohne lästige Fragen.

 

Bundesliga-Treff in Belek

In Österreich ist von Katar keine Rede. Geprägt ist das Vorbereitungsprogramm von der Rückkehr an die türkische Riviera. Hatten Spaniens Anbieter den Türken ob der Sicherheitsbedenken im Vorjahr noch klar den Rang abgelaufen, sitzen die Spieler der Zwölferliga im Jänner wieder vermehrt im Flieger gen Osten. Rapid und Austria lobten unisono das „Preis-Leistungs-Verhältnis“ aus und üben in Belek. Dort schlagen auch Sturm Graz und der WAC ihre Zelte auf, Hartberg ist in Lara einquartiert. St. Pölten, das auch schon im Vorjahr nach Belek geflogen ist, und Wacker Innsbruck (im gewünschten Hotel auf Teneriffa wurde der FC Basel vorgezogen) sind ebenfalls in der Türkei zu Gast. Salzburg (Lagos) und Mattersburg (Faro) reisen nach Portugal, Lask (Alicante) und Admira (Valencia) hielten Spanien die Treue. Nur Altach bleibt zu Hause.

 

Das Feilschen um Spieler

Im Rennen um die Meistergruppe stehen die Kandidaten in den ausstehenden vier Runden des Grunddurchgangs unter Zugzwang. Dies betrifft vor allem Rapid, die achtplatzierten Wiener wollen diese Aufholjagd aber schaffen. Die Grün-Weißen sind auch auf anderen Bühnen im Einsatz. Im Sechzehntelfinale der Europa League wartet am 14. Februar das Hinspiel gegen Inter Mailand. Drei Tage später steht das Viertelfinale im ÖFB-Cup auf dem Programm, ehe das Europa-League-Rückspiel und der Frühjahrsauftakt (22./23./24. Februar) folgen.

Mit im Gepäck haben die Vereine auch den einen oder anderen Neuzugang. Rapids Sportdirektor Fredy Bickel kündigte ein bis zwei Neuverpflichtungen an. Es sollen Stürmer sein, offenbar wurde das Offert für Vakoun Issouf Bayo (21, Dunajská Streda) im Tauziehen mit Celtic Glasgow erhöht.

Salzburg verkaufte Amadou Haidara an RB Leipzig und Romano Schmid (Ablöse: eine Million Euro) an Bremen. Dafür soll David Kinsombi (23, Kiel) kommen, der Norweger Erling Braut Håland, 18, ist schon da. Austria kündigte indes an, dass der Kader „abgespeckt“ werde. (fin)