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Lawinentote und Vermisste: Situation weiter kritisch

Im Bild die Sperre der Obertalstraße aufgrund von Lawinengefahr im Obertal bei Schladming,
Im Bild die Sperre der Obertalstraße aufgrund von Lawinengefahr im Obertal bei Schladming,APA/EXPA/MARTIN HUBER
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In Vorarlberg sind drei Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen, in Salzburg und Niederösterreich werden Wintersportler vermisst. Verbreitet gilt die zweithöchste Warnstufe.

Die Wetterlage in Österreich am Wochenende hat zum Abgang mehrerer Lawinen geführt. Drei Personen kamen dabei in Vorarlberg ums Leben. In Schoppernau im Bregenzerwald starb am Sonntagnachmittag zuerst ein deutscher Skifahrer bei einem Lawinenabgang. Wenige Stunden später ging auch im Ort Damüls eine Lawine ab, das Opfer, ebenfalls ein Deutscher, konnte nur noch tot geborgen werden. Weiters verunglückte eine Snowboarderin aus der Schweiz tödlich. Die 24-Jährige kam ohne Fremdverschulden von der Piste ab und stürzte in der Folge cirka 20 Meter über steiles Gelände ab.

Nach den Schneefällen vom Wochenende – in den Tälern der Alpennordseite waren es von Samstagfrüh bis Sonntagfrüh 20 bis 60 Zentimeter, auf den Bergen bis zu 80 Zentimeter – ist die Lawinengefahr in Tirol und Vorarlberg am Sonntag flächendeckend auf die zweithöchste Stufe 4 gesetzt worden. Lawinen könnten oberhalb der Waldgrenze sehr leicht ausgelöst werden, aber auch bis in die Tallagen vorstoßen und exponierte Verkehrswege stellenweise gefährden. "Für Wintersport abseits gesicherter Pisten sind die Verhältnisse gefährlich. Unterhalb der Waldgrenze ist die Situation etwas günstiger", erklärten die Experten.

Auch am heutigen Montag hat sich die Situation nicht verändert: Andreas Pecl von der Vorarlberger Warnzentrale berichtet von noch einmal 30 Zentimeter Neuschnee in den nördlichen Landesteilen bis Montag früh. Der Neuschnee der vergangenen Tage habe sich kaum verfestigen können, es gebe Einsinktiefen zwischen 60 und 90 Zentimeter, so der Experte.

Im Tiroler Bezirk Kufstein warnte der Bezirkshauptmann sogar vor Spaziergängen im Wald: "Ich rate der Bevölkerung, dieser Tage auf Waldspaziergänge zu verzichten und generelle Vorsicht im Freien walten zu lassen", wird Christoph Platzgummer auf orf.at zitiert.

Vermisste in Salzburg und Niederösterreich

APA

Ähnliches gilt für Salzburg, wo Lawinenexperten damit rechnen, dass etwas weniger Schneefall von Sonntagnachmittag an die Situation etwas entspannen sollte. Die große Lawinengefahr (4) bleibe jedoch weiterhin bestehen, hieß es von der Salzburger Lawinenwarnzentrale – damit sei es auch in den kommenden Tagen lebensgefährlich, sich abseits von den gesicherten Pisten aufzuhalten. In St. Koloman im Tennengau sollen die Bewohner ihre Häuser wegen Lawinengefahr nicht verlassen. Schule und Kindergarten bleiben bis einschließlich Dienstag geschlossen. Seit Samstag werden in Abtenau im Tennengau zwei Schneeschuhwanderer vermisst. Eine erste Suchaktion am Samstagabend wurde wegen zu hoher Lawinengefahr abgebrochen und konnte aufgrund der Wetterlage auch am Sonntag nicht fortgesetzt werden.

Gerettet wurde hingegen in Zell am See ein Snowboarder, nachdem er eine Nacht im Freien verbracht hatte. Der 23-jährige aus Würzburg wurde Samstagnachmittag als vermisst gemeldet. Eine erste Suchaktion musste abgebrochen und Sonntagfrüh fortgesetzt werden. Kurz vor Mittag sah ihn dann ein Seilbahnmitarbeiter von einer Gondel aus mit einem Fernglas. In einer aufwendigen Aktion wurde der Mann in die Gondel hochgezogen und nach einer Erstversorgung unverletzt ins Tal gebracht. Die Nacht verbrachte er in einer selbst gebauten Schneehöhle unter einem Baum. 

Auch in Niederösterreich ist das Lawinenrisiko groß (4) - in den Ybbstaler Alpen über der Waldgrenze - bis erheblich (3) in vielen weiteren Gebieten des Bundeslandes, wie  in den Türnitzer Alpen, dem Rax-Schneeberg-Gebiet und im Semmering-Wechsel-Gebiet über 1400 Metern. Besserung ist am Dienstag laut Prognose nicht in Sicht. Bei Hohenberg im Bezirk Lilienfeld wurde seit Sonntagvormittag inklusive Hubschrauber nach zwei vermissten Tourengehern gesucht. Die Rettungsaktion wurde am Abend abgebrochen und wurde Montagfrüh fortgesetzt. Der geplante Einsatz zweier Hubschrauber war vorerst aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse nicht möglich, hieß es seitens der Alpinpolizei. Bei den Abgängigen handelt es sich um Männer aus dem Bezirk Krems im Alter von 58 und 54 Jahren. Neben Schneefall machten den Rettungskräften auch Nebel und die erhebliche bis große Lawinengefahr zu schaffen.

Touristen schieben Lawinensperre beiseite

In der Steiermark ist die Situation teilweise sehr angespannt, vor allem in der Obersteiermark, wo Lawinenwarnstufe 4 herrscht, in anderen Teilen des Bundeslandes gilt Stufe 3. „Die Lage bleibt absolut dramatisch“, sagte der stellvertretende Landeshauptmann und Katastrophenreferent Michael Schickhofer (SPÖ). Rund 2000 Menschen sind in mehreren Orten von der Außenwelt abgeschnitten.

Im Raum Wildalpen im Bezirk Liezen wollte eine zwölfköpfige Touristengruppe allerdings die Lawinensperre offenbar nicht akzeptieren: Sie schoben das Sperrgitter zu einem lawinengefährdeten Bereich zur Seite und versuchten, abzureisen – eine Lawine verschüttete prompt die drei Autos. Rettungskräfte bargen die Urlauber unter hohem Risiko. Katastrophenreferent Schickhofer warnte daher eindringlich davor, die Sperren zu ignorieren – auch bei den Skipisten. „Die sind nicht zum Spaß da.“

Zug steckte vier Stunden fest

Straßensperren und Verkehrsbehinderungen gab es auch in anderen Teilen Österreichs: gesperrt waren unter anderem die B166 über den Pass Gschütt in Oberösterreich, der Arlbergpass in Vorarlberg, die Felbertauernstraße in Tirol oder die Katschberg Bundesstraße in Salzburg. Auch Bahnstrecken wurden gesperrt. In Leogang (Pinzgau) saßen 300 Reisende ab Sonntagfrüh vier Stunden in einem ÖBB-Nightjet fest, der wegen eines Baumes feststeckte. Die Strecke bleibt voraussichtlich bis Montagnachmittag gesperrt.

Auch die Stromleitungen sind betroffen: In Oberösterreich waren am Sonntag zeitweise 6000 Haushalte ohne Strom, in Niederösterreich waren in der Nacht auf Sonntag 8000 Haushalte (teils nur kurz) betroffen.

(APA/Red.)