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Eine rare Erfolgsformel: Mathematik, Musik und Moral

Wenzel Beck machte bei Willi Resetarits’ Geburtstagsgala auf sich aufmerksam.
Wenzel Beck machte bei Willi Resetarits’ Geburtstagsgala auf sich aufmerksam.Lukas Beck

Wenzel Beck zählt zu den vielversprechendsten Musiktalenten des Landes. Seine neue Single, „Immer wieder“, läutet den Countdown zum ersten Album ein.

Sehr gut in Auge und Ohr gestochen ist er vergangenen Samstag bei Willi Resetarits' Geburtstagsgala zum Siebziger in der Wiener Stadthalle. Mit zwölf Bands war Resetarits angetreten, in einer spielte der 19-jährige Wenzel Beck. „Mehr als fünfzig Jahre Altersunterschied zwischen zwei Musikern in einer Band, das gibt's wohl weltweit nicht“, vermutete Resetarits.

Beck, ein sensibler Singer-Songwriter, hat der musikalischen Palette von Resetarits sogar etwas hinzugefügt, indem er ihm vor einiger Zeit eine Bassukulele geschenkt hat. Die nahm Resetarits selbstverständlich auch in Betrieb, als er mit Beck auf der Bühne stand und ihm die Chance gab, seine neue Single, „Immer wieder“, vor großem Publikum auszuprobieren.

Es war auch kein Zufall, dass Beck von Resetarits u. a. mit seiner talentierten Sängerinnentochter Johanna zur „Familienbande“ genannten Band zusammengespannt wurde. Beck kennt Resetarits schon von Kindesbeinen an, ist doch Lukas Beck, sein Vater, dessen bevorzugter Fotograf. Kurz nach dem Stimmbruch nahm sich der junge Beck ein Herz, schwänzte die Schule und komponierte ein paar eigene Songs, die er dann Resetarits vorspielte. Der ermutigte ihn.

Mit „Der Wind“ hatte Beck bald einen kleinen Hit auf YouTube. Manche ätzten, dass er mit im Dialekt gesungenen Texten wohl nie groß Karriere machen würde. Beck sieht das lockerer. „Es gibt oft Leute, die sagen: Das mit dem Wienerischen, das lass lieber bleiben. Dann gibt es natürlich auch jene, die meinen, dass das Englische nicht gut ist, weil es ja nicht meine Muttersprache ist. Das Lustige ist, dass sich da die Für- und Wider-Stimmen ziemlich ausgleichen.“

 

Ein Schlüsselerlebnis mit drei

Vorerst bleibt sein Liedgut im heimischen Idiom gehalten. Aber Beck ist in jeder Hinsicht wendig. Begonnen hat er ja als Schlagzeuger. Während einer Fotosession seines Vaters mit dem international u. a. bei Depeche Mode tätigen Schlagzeuger Christian Eigner durfte sich der damals Dreijährige auf den Schoß des Trommlers setzen. Ein Schlüsselerlebnis. „Ich kann mich ganz genau daran erinnern. Ich weiß auch noch die Farbe des Schlagzeugs. Das war prägend. Ab sofort hab' ich auf die Kochtöpfe geschlagen, dann bekam ich ein Plastikschlagzeug von meinen Eltern geschenkt.“

Jahrelang lernte er Rhythmus, dann wechselte er ziemlich plötzlich zur Gitarre. „Schlagzeug finde ich immer noch das coolste Instrument, aber irgendwann wollte ich mit Harmonien arbeiten. Außerdem ist es kompliziert zu transportieren. Ich sagte mir, es muss was Praktisches her. Eine Gitarre kann man beim Lagerfeuer auspacken. Das hat mich überzeugt.“

Aber immer noch sind es die Beats, die ihm die Ideen für eigene Songs schenken. Nicht zufällig sind Sting, John Martyn und Tom Misch seine Songwriterhelden, allesamt ursprünglich Rhythmiker. Wie die Genannten ist es auch Beck wichtig, eine Message mit der Musik zu transportieren. „Mich beschäftigt, dass in den vergangenen paar Jahren bei vielen die Menschlichkeit verschütt gegangen ist. Das schmerzt besonders bei jenen, denen einiges in die Wiege gelegt wurde. Ein Talent oder eine gute Bildung. Die könnten ruhig mal ein bisserl demütig sein und etwas weitergeben.“

Die aktuelle Single, „Immer wieder“, beschäftigt sich mit Hässlichkeiten, die seit der Flüchtlingswelle 2015 aufgebrochen sind. „Der Stoff geht mir leider nicht aus. Aber mir ist wichtig, dass letztlich das Gefühl der Hoffnung obsiegt.“ Wenzel Becks Debütalbum ist jedenfalls für dieses Frühjahr geplant. Die Releasetour wird von Ende März bis Anfang Mai gehen.

Das Studium der Technischen Mathematik, das er seit einigen Jahren betreibt, wackelt jetzt etwas. Aber aufgeben will er es nicht, schließlich erhöht es nicht nur die geistige Wendigkeit. „Weil so großer Druck auf der Uni herrscht, teile ich mir meine Zeit fürs Songwriting und Üben ganz genau ein. Ich übe nicht ins Blaue hinein, sondern setze mir exakte Fragestellungen. Das Studium diszipliniert mich auch in der Musik.“

AUF EINEN BLICK

Wenzel Beck wurde 1999 in Wien geboren. Mit drei Jahren begann er, Schlagzeug zu spielen. Unterricht erhielt er später auch in Gitarre (bei Philipp Tröstl, Harri Stojka, Peter Mayer) und im Singen (Muth, Odeon). Ab 2016 spielte er mit der Akustik-Pop-Band Daphne B eigene Songs. 2018 veröffentlichte er die Singles „Immer wieder“ und „Der Wind“ und begann, mit seiner neuen Band, dem Wenzel Beck Trio, aufzutreten. Sein erstes Album erscheint im Frühling. Termine u. a. 4. April Orpheum Graz, 28. April Surfcup Podersdorf, 12. Mai Viertelfestival.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2019)