Drew Sarich: Lieder gegen Dämonen

„Musik wird niemanden retten, das weiß ich mittlerweile“: Sänger Drew Sarich.
„Musik wird niemanden retten, das weiß ich mittlerweile“: Sänger Drew Sarich.(c) Clemens Fabry

Der Musical-Darsteller („Tanz der Vampire“) hat gemeinsam mit dem Endwerk Orchester soeben ein betont positives Album aufgenommen.

Gerade erst ist er zurück aus St. Petersburg, wo er den Grafen von Krolock in „Tanz der Vampire“ verkörpert hat, in einer durchaus skurrilen Konstellation: Drew Sarich, der Amerikaner, singt in Russland den Grafen-Part auf Deutsch, während der Rest des Ensembles auf Russisch spielt.

Ungewöhnlich, klar, sagt Sarich bei einem Café Latte im Café Europa in Wien. „Aber es hält einen wach, verschiedene Dinge zu tun. Wenn ich einen Vampir in Russland spielen kann, dann mach ich das. Wenn ich ein eigenes Album aufnehmen darf, dann tu ich das.“

Letzteres ist soeben fertig geworden. Denn Sarich, für seine Musical-Engagements („Jesus Christ Superstar“, „Vivaldi“) bekannt, ist auch abseits der Musicalbühnen als Musiker tätig. In wenigen Tagen erscheint mit „Hunting for Heaven“ sein zweites Album mit dem Endwerk Orchester rund um Titus Vadon.

Der Titel sei, sagt er, als Suche zu verstehen: Nach Glück, nach Zufriedenheit, nach Ablenkung von, wie der Amerikaner im fast akzentfreien Deutsch erklärt, „den Dämonen, die dich abends im Bett besuchen, egal, wie viele Freunde du hast“.

Sarich wollte „unbedingt ein positives Album machen. Meine letzten zwei Alben waren wahnsinnig introspektiv und düster.“ Die Menschen sollen „glücklich aus dem Konzert rausgehen“. Tatsächlich ist „Hunting for Heaven“ ein energiegeladenes Album geworden, die Songs, mal poppiger, dann rockiger oder mit souligen Einflüssen, versprühen gute Laune, Kraft. In den Texten – sie stammen wie die Musik von Sarich – allerdings sind die erwähnten Dämonen durchaus greifbar. „I've been drinking again /thinking of some positive solutions“, heißt es da etwa in „Teardrops“. Auch wenn das Düstere immer wieder aufblitzt – das Positive dominiert. „Ich kann“, sagt Sarich, „keine traurigen Lieder mehr hören, die Welt ist schon düster genug. Deswegen habe ich mich in die Popmusik verliebt. Von Elvis Costello bis Beyoncé. Alles, was ein bisschen Licht bringt.“

Kann Musik denn glücklich machen? Sarich selbst zweifelt es in einem seiner Songs an: „And the whiskey ain't doing what it used to, and the music ain't helping me at all“. Musik, sagt Sarich, „wird niemanden retten, das weiß ich mittlerweile. Aber Musik ist eine gesunde Ablenkung. Wenn ich eine halbe Stunde Songs von Costello höre, habe ich wieder Kraft getankt.“ Mit dem Komponieren von eigenen Liedern hat Sarich erst relativ spät begonnen, obwohl Musik früh eine große Rolle in seinem Leben gespielt hat. Schon als Kind in Missouri haben ihn seine Eltern ins Theater mitgenommen. Mit zwölf Jahren hat er „Les Misérables“ gesehen, „das hat mein Leben verändert. Ich kam aus dem Theater raus und wusste, was ich tun will“. Schon in der High School stand er auf der Bühne, „wir waren eine Gruppe von Theaterkids, die sonst nirgendwohin gepasst hat. Für mich war das mein musikalisches Erwachen“.

Noch heute, sagt er, sei er dankbar, dass er Musik machen kann, dass er in Wien, wo er mit seiner Familie seit 15 Jahren lebt, nicht nur in der „Musical“-Schublade feststeckt. „Es gibt so viele Musicaldarsteller, die irgendwann versteifen, weil sie nicht aus diesem Kreis rauskommen.“ Das Konzert im Dezember im Stadtsaal war binnen kurzem ausverkauft, auch das Gasometer (25. Jänner) ist schon gut gefüllt.

 

Die österreichischen Fans

Einen nicht unbedeutenden Teil des Publikums machen freilich Musical-Fans aus. „Ich bin sehr dankbar, dass sie mitgehen,“ sagt Sarich. Überhaupt seien die Fans, die in Wien die Vorstellungen besuchen, ganz anders, weil viel treuer und begeisterungsfähiger, als in New York, London, Deutschland. Dass einige sogar nach St. Petersburg geflogen sind, um „Österreichs obersten Vampir“ (© Salzburger Nachrichten) als Grafen zu erleben – sei „der Wahnsinn. Die Fans unterstützen einen unglaublich, haben aber auch kein Problem damit, ihre Meinung zu sagen.“

Derzeit ist Sarich an der Volksoper im Musical „Wonderful Town“ als Journalist zu sehen, eine für ihn ungewöhnliche (Neben-)Rolle. „Das Gute und Schwierige zugleich ist, dass ich meine Tricks nicht benutzen kann. Als Vampir sieht man super aus, man darf verführen, geheimnisvoll sein. Als Jesus in Jesus Christ Superstar hat man die hohen Töne, man schreit, es fetzt.“ Aber in „Wonderful Town“ ist Sarich verklemmt, sieht normal aus. „Das ist super. Man muss zurückschrauben und nur die Geschichte erzählen und hoffen, dass die Menschen lachen.“

ZUR PERSON

Drew Sarich, 1975 in St. Louis (USA) geboren, ist einer der bekanntesten Musicaldarsteller Österreichs („Tanz der Vampire“, „Jesus Christ Superstar“).

„Hunting for Heaven“ heißt sein neues Album, das er gemeinsam mit dem Endwerk Orchester aufgenommen hat. Am 25. Jänner präsentieren Sarich und das Endwerk Orchester das Album im Gasometer (20 Uhr). Tickets: www.oeticket.com

An der Volksoper ist Sarich zudem derzeit Leonard Bernstein-Musical „Wonderful Town“ zu sehen (Spielplan und Karten: www.volksoper.at), in der Karwoche verkörpert er wie in den vergangenen Jahren Jesus in „Jesus Christ Superstar“ im Raimundtheater. www.musicalvienna.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2019)