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Wie Hund und Katz'

Wer vermeint, heute sei die SPÖ zerstrittener denn je, der irrt gewaltig.

1968, also noch während der ÖVP-Alleinregierung, brach ein heftiger Streit zwischen den beiden überragenden Intellektuellen Bruno Kreisky und Günther Nenning aus, der in eine wüste Beschimpfung Nennings durch Kreisky und eine Ehrenbeleidigungsklage Nennings gegen Kreisky mündete. Kreisky wollte den Streit ausfechten, der Nationalrat sollte ihn ausliefern. Die Vorstellung, dass sich die zwei Paradeintellektuellen vor dem Bezirksgericht treffen, war ein Horror für die sozialistischen Gewerkschafter. Sie baten Heinz Kienzl, Kreisky davon abzubringen.

Kienzl pilgerte also zum „Alten“. Der verlangte: „Der Nenning muss sich entschuldigen!“ Kienzl: „Ich setze meinen Kopf dafür ein, dass er sich entschuldigen wird!“ Nenning war – wie zu erwarten – gern bereit, einzulenken, und zwar mit einem Artikel, der in der „Zukunft“ veröffentlicht werden sollte. Doch deren Chefredakteur Karl Czernetz lehnte ab. Erst nach mühsamen Vermittlungsversuchen glätteten sich die Wogen. Ein völlig sinnloser Streit, weil die ÖVP-Fraktion Kreiskys Immunität sowieso nicht aufhob.

Hätte sie geahnt, welchen politischen Schaden ihr ausgerechnet Kreisky noch bereiten würde – wer weiß, ob sie nicht einer Auslieferung mit größter Freude zugestimmt hätte. (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2019)