Bei den Verhandlungen um die TV-Rechte für die Fußballbundesliga setzten sich ORF und Sky durch. Sie bezahlen pro Jahr 17 Millionen Euro. Red Bull-Servus TV ging leer aus.
WIEN. So viel Spannung wie das Hickhack um die Rechte für die Fernsehübertragungen versprechen Spiele in der österreichischen Bundesliga selten. Donnerstagnachmittag trafen sich die Präsidenten der österreichischen Bundesligaklubs um über die TV-Recht zu verhandeln. Eigentlich schien alles im Vorfeld geklärt. Eigentlich sprachen alle nur von einer Formalsache. ORF und Servus TV sollten gemeinsam die Live-Spiele übertragen. Doch am Ende ging der Sender von Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz leer aus. ORF und Sky bezahlen pro Saison 17 Millionen Euro für die TV-Rechte. Es wurde ein Dreijahresvertrag unterzeichnet.
Zuvor hatte es sich hinten den Kulissen allerdings ordentlich abgespielt. Erste Gerüchte kursierten am frühen Abend im Foyer des Hotel Marriott. Demnach sollen die Vertreter des Red Bull-Senders Servus TV ein neues Angebot auf den Tisch gelegt haben. Servus TV soll ein Angebot ohne ORF abgegeben haben. „Servus TV habe also zum ORF leise Servus gesagt“, wurde gemunkelt.
Nun kamen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, Informationschef Elmar Oberhauser und Sportchef Hans Peter Trost ins Spiel. Auch sie präsentierten den Klubs einen Vorschlag. Und darin hatte wiederum Servus TV keinen Auftrag.
Bundesliga-Chef Georg Pangl sprach nach der Entscheidung im Gespräch mit der „Presse“ von einer Zustimmung auf „breiter Basis“. Es hätten sämtliche Klubs für das Angebot von ORF und Sky gestimmt. Es habe nur eine Stimmenthaltung gegeben. Auch wenn Pangl den Namen des Klubs nicht nannte, wusste ein jeder, dass es sich nur um Red Bull Salzburg handeln konnte.
Klares Abstimmungsergebnis
Trotz der am Ende klaren Abstimmung sei es „eine knappe Entscheidung“ gewesen, betont Pangl. Denn das Angebot für Sky sei sehr gut gewesen. Am Ende haben die Fußballklubs nach siebenstündiger Sitzung eine „Produktentscheidung und keine Geldentscheidung“ getroffen. Soll heißen: Es hätte auch Pakete gegeben, bei denen die Liga mehr Geld lukriert hätte. Doch den Vereinen war dann doch die Reichweite (des ORF) wichtiger. Nicht zuletzt viele Sponsoren hatten sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, dass man bei den TV-Verhandlungen auch auf den Werbewert achten solle.
Konkret wird Pay-TV-Sender Sky wieder sämtliche Bundesligaspiele live übertragen. Der ORF bekommt wie bisher ein Sonntagsspiel. Beide Sender vollen auch pro Runde ein Spiel der Erste Liga (zweite Spielklasse) live Übertragen. Der ORF wird dies im Spartenkanal ORF plus tun.
Dass diese Entscheidung ausgerechnet am Gründonnerstag gefallen ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn es war vor allem Rapid-Präsident Rudolf Edlinger, der Ende vergangenen Jahres massiv gegen eine Reduzierung der Spiele im Free-TV eingetreten ist. Die Grünweißen aus Hütteldorf drohten sogar, die Heimspiele in Eigenregie vermarkten zu wollen.
Edlinger argumentierte immer, dass die Fans auch ein Recht hätten, Fußball im Free TV zu sehen. Sein populistisches Credo, Fußball stehe quasi im nationalen Interesse, fand nicht nur beim Rapid-Anhang feurige Unterstützung. Auch die Boulevardmedien, allen voran die Kronen Zeitung sprang auf den Rapid-Zug auf. Damit hatten sich drei mächtige Verbündete gefunden: Rapid, ORF und Kronen Zeitung.
Was das finanzielle betrifft, gab sich Bundesliga-Chef Pangl Donnerstagabend sehr zufrieden. „Sämtliche Sender haben ihr Angebot noch einmal nachgebessert“, berichtete er. Und mit 17 Millionen Euro pro Saison bekommen die Klubs um zwei Millionen mehr als in den vergangen Jahren. „Ein gutes Ergebnis in Anbetracht der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, meint Pangl. Und vor allem auch ein gutes Ergebnis in Anbetracht des massiven Zuschauerschwunds bei Ligaspielen. Heuer kamen bisher um 7,7 Prozent weniger Fans in die Stadion als in der abgelaufenen Saison.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2010)