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Prediger setzt Papstkritik mit Antisemitismus gleich

Prediger setzt Papstkritik Antisemitismus
(c) AP (ALESSANDRA TARANTINO)
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Die Osterfeiern sind bisher geprägt von Besinnung und dem Aufruf zur Einheit der Christen. Der Missbrauchsskandal ist bisher nur am Rande thematisiert worden - in einem Vergleich mit dem Antisemitismus.

Im Zuge der Karfreitags-Feierlichkeiten im Vatikan sorgte der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa, einer der am meisten gelesenen geistlichen Schriftsteller Italiens, für Empörung. Er zitierte aus einem Brief eines jüdischen Freundes, der dem Papst und den katholischen Gläubigen seine Solidarität angesichts der "heftigen und von allen Seiten erfolgenden" Angriffe aussprechen wolle. Der Gebrauch von Stereotypen und die Verwechslung von persönlicher und kollektiver Verantwortung in der Missbrauchsdebatte erinnerten "an die schändlichsten Aspekte des Antisemitismus", gab der Prediger das Schreiben wieder. Juden "wissen aus Erfahrung, was es bedeutet, Opfer kollektiver Gewalt zu sein, und deswegen erkennen sie auch schnell die wiederkehrenden Symptome", erläuterte Cantalamessa.

Nach Kritik aus dem Ausland distanzierte sich der Vatikan vom Vergleich Cantalamessas. Ein solcher Vergleich könne zu Missverständnissen führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Die Äußerungen von Raniero Cantalamessa seien nicht die offizielle Position des Vatikans. Der Prediger thematisierte am Rande auch den Missbrauchsskandal. Die moderne Vorstellung einer Schutzwürdigkeit von Opfern und Schwachen sei eine "späte Frucht der Revolution Christi", sagte der Kapuzinerpater. Er sprach auch die Gewalt gegen Kinder an, durch die sich "unglücklicherweise nicht wenige Mitglieder des Klerus befleckt" hätten.

Kreuzweg mit Papst Benedikt XVI.

Währenddessen begingen Christen in der ganzen Welt die Feierlichkeiten zum Karfreitag, an dem des Leidens und des Todes Jesu Christi gedacht wird. Tausende Christen pilgerten durch die Altstadt Jerusalems, um den Leidensweg Jesu nachzuvollziehen. In Spanien zogen traditionelle Bußprozessionen durch die Städte. In Rom fand der Kreuzweg im Beisein von Papst Benedikt XVI. am Abend beim Kolosseum statt.

Angeführt wurde die Prozession in Jerusalem von Franziskanermönchen, von denen einige hölzerne Kreuze trugen. Der Zug endete an der Grabeskirche, die nach der Überlieferung an der Stelle errichtet wurde, an der Jesus gekreuzigt und begraben wurde.

Antlitz des leidenden Christus entstellt

Um die Sünde, die "das Antlitz des leidenden Christus entstellt", kreisen die Meditationen des italienischen Kardinals Camillo Ruini für die 14 Stationen des Kreuzweges zum Leiden und Sterben Jesu am späten Freitagabend am Kolosseum. Das "Licht des Gewissens" sei "verdunkelt durch Groll, durch schändliche Begierden, durch Perversion des Herzens. Und dann werden wir grausam, zu Schlimmstem fähig, sogar zu Unvorstellbarem".

In seinen Meditationen wendet sich Ruini auch gegen Heuchelei; die Menschen sollten sich bemühen, ehrlich und offen zu sein. "Gib unserem inneren Auge einen klaren Blick und Wahrhaftigkeit, damit es ohne Heuchelei das Böse erkennt, das in uns steckt", so heißt es in dem vom Vatikan im Voraus veröffentlichten Texten, die den Kreuzweg im Beisein des Papstes am Abend begleiten.

Gedenken an Leiden Jesu

Mit einer von Stille und Ernst geprägten Feier im römischen Petersdom hat Papst Benedikt XVI. am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Zu Beginn des Gottesdienstes am Nachmittag kniete der Papst vor dem Kreuz und verharrte in schweigendem Gebet. Mit dem Papst nahmen zahlreiche Kardinäle, Bischöfe und Vertreter des Diplomatischen Corps an dem Wortgottesdienst und der Zeremonie der Kreuzverehrung teil. Nach katholischer Tradition findet am Karfreitag, dem Gedächtnistag des Todes Jesu, keine Messe statt.

Plädoyer für Einheit der Christen

Im Lauf der Feier beteten Papst und Gläubige für die großen Anliegen der Kirche. Die Fürbitten wurden in zehn Sprachen vorgetragen. Benedikt XVI. antwortete auf jede der Bitten mit dem lateinischen Gebet, das die Liturgie nach der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) vorsieht. Am Vortag hatte der Papst die Gründonnerstagsfeier in der Lateranbasilika zu einem eindringlichen Plädoyer für die Ökumene genutzt. Die Einheit der Christen sei Voraussetzung für eine glaubwürdige Verkündigung, sagte der Papst während der Liturgie, die an das Letzte Abendmahl Jesu erinnert. Es gehe um eine "Einheit, die man sehen kann". Alle Gläubigen hätten sich zu fragen, inwieweit sie an der Spaltung schuldig seien, die die Botschaft Jesu verdunkele.

Als ersten festlichen Höhepunkt hatte Benedikt am Gründonnerstag die traditionelle Fußwaschung in Roms Lateran-Basilika absolviert. Dabei wäscht der Papst zwölf Priestern die Füße, in Erinnerung an die Geste der Demut und Barmherzigkeit Jesu Christi gegenüber seinen zwölf Aposteln. In seiner Predigt rief Benedikt Gläubige und Kirche zur Einheit auf. Die Kollekte dieser Messe fließt in den Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Priesterseminars in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince.

Hunderttausende bei Bußprozessionen

Hunderttausende Katholiken haben auch in Spanien an den traditionellen Bußprozessionen der Karwoche teilgenommen. Bei den feierlichen Umzügen in zahlreichen spanischen Städten wurden große Christus- und Marienfiguren durch die Straßen getragen. Die Mitglieder frommer Bruderschaften waren in Büßergewänder gehüllt und mit spitzen Kapuzen vermummt.

Die größte Prozession der "Semana Santa" (Heilige Woche), wie die Karwoche in Spanien genannt wird, fand in Sevilla statt. Hunderttausende von Sevillanern und Touristen zogen in der Nacht auf Freitag durch die südspanische Metropole.

Patriarch: "Hybris" als Wurzel der Krise

Das Oberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, beklagte in seiner Osterbotschaft die aktuelle globale und über die Ökonomie hinaus reichende Krise und bezeichnete "Hybris" - Hochmut - als deren Wurzel. Die Passion Jesu sei der Weg zur Überwindung der Hybris gewesen; Jesus habe den Tod und die Sünde besiegt und führe sein Erlösungswerk in der heutigen Welt weiter, so Bartholomaios. Am späten Karsamstagabend beginnen weltweit in den orthodoxen Kirchen die mehrstündigen Auferstehungsliturgien ("Anastasis").

In der Liturgie der Osternacht wird sowohl von Katholiken als auch von Orthodoxen eine Reihe von Symbolen eingesetzt, um den Auferstehungsglauben zu verdeutlichen: So etwa das zu Anfang des Gottesdienstes entzündete Feuer, mit dem Christus als Licht der Welt begriffen werden soll, oder das während der Feier gesegnete Wasser, das an die Taufe erinnert. Die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament machen den "Heilsplan" Gottes deutlich.

 

(Ag.)