Wie man eine Lawine sprengt

SCHWEIZ LAWINE SCHWAEGALP
Maenner mit Schaufeln passieren eine Strassensperre auf der Passhoehe, nach einem Abgang einer 300 Meter breiten Lawine.APA/KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Ob fixe Sprengsysteme, mit dem Hubschrauber oder per Hand - es erfordert Fingerspitzengefühl. Beim Lawinenschutz hat sich viel getan, eine Katastrophe wie 1999 in Galtür ist nicht abzusehen.

Wenn die Gefahr eines Lawinenabgangs droht, können Schneebretter kontrolliert abgesprengt werden. Kein leichtes Unterfangen, wie Ingrid Reiweger von der Universität für Bodenkultur Wien erklärt. Dazu braucht es viel Erfahrung von Sprengstoffmeistern und viel Fingerspitzengefühl. Die Sprengung ist nicht ungefährlich, zudem aufwendig und teuer.

Viele Regionen wie jene am Arlberg, in Ischgl oder auf der Silvretta verfügen über fixe Sprengsysteme, wie Lawinen-Expertin Reiweger weiß. Diese dauerhafte Einrichtung zahlt sich nur dann aus, wenn in der Region sehr häufig Lawinen abgehen könnten. "Sie sind teuer und aufwendig im Unterhalt", sagte die Expertin. Die Vorrichtungen sind fix verbaut und die Kartuschen werden vor Saisonbeginn mit Gas oder Sprengstoff gefüllt. Sollte es notwendig sein, kann mittels Fernbedienung von der sicheren Skistation aus die Sprengung aktiviert werden. Nachgefüllt werden die fixen Sprengsysteme dann wieder bei der nächsten guten Wetterlage.

Moeglichkeiten zur Lawinensprengung
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Flexibler und schneller ist die Lawinensprengung vom Helikopter aus. Der Sprengstoff wird im Hubschrauber gezündet und in den Hang geworfen. "Mit dem Helikopter können auch viele Punkte abgeflogen werden", beschreibt Reiweger die Vorteile. An Bord sind Pilot, Co-Pilot und zwei Sprengmeister. Die Wirkung ist gleich zu sehen. Doch die Heli-Flugminuten sind recht teuer und es kann nur abgehoben werden, wenn das Wetter passt, gibt die Lawinen-Expertin zu bedenken.

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Auch ist es möglich, die Hänge per Hand von einem sicheren Grat aus zu sprengen. Je spröder, trockener und kälter die Schneemassen, desto leichter kann damit die Lawine ausgelöst werden. Bei Tauwetter wird durch Feuchtigkeit das Gewicht der weißen Pracht höher, das Gefüge wird stabiler und die Arbeit der Sprengteams damit erschwert.

Kommen Katastrophenlawinen?

Für den Lawinenexperten Peter Höller ist die Periode nach den Schneefällen entscheidend, ob sich ein Potenzial für große Katastrophenlawinen entwickelt, oder nicht. Denn folge eine Schönwetterperiode mit leichtem Temperaturanstieg könne sich der Schnee setzen und würde dann - obwohl in der Masse viel - ein gutes Fundament bieten, erklärte er.

Blickt man in die Statistik sind jedenfalls große Neuschneezuwächse und kritische Lawinenzyklen, also wenn es zahlreiche Lawinenabgänge und Todesopfer gibt, Anfang Jänner selten, sagte Höller. Häufiger ergeben sich derartig prekäre Situationen erst später im Jahr. Im langjährigen Durchschnitt etwa in einem Abstand von sechs bis sieben Jahren.

Die Situation sei mit dem Katastrophenwinter von Galtür im Jahr 1999 - damals forderte eine Lawinenkatastrophe 31 Todesopfer - nicht vergleichbar. Denn bisher sei vorwiegend das Tiroler Unterland, wo gänzlich andere geografische Bedingungen herrschen, von den massiven Schneefällen betroffen gewesen. Damals dauerte die Schneefallperiode zudem insgesamt weitaus länger, nämlich von Ende Jänner bis Ende Februar. Auch der Bürgermeister von Galtür Anton Mattle gab sich wenig alarmiert: ""Bei uns liegt die jahreszeitübliche Schneemenge. Das gilt nicht nur für den Ort selber, sondern auch für höhere Lagen".

Lawinentote werden weniger

Zudem habe sich auf dem Gebiet der Schutzbauten einiges getan, was sich auch in der Statistik widerspiegle. Die Zahl der Todesopfer habe sich im Untersuchungszeitraum von 1947 bis 2016 "deutlich" verringert. Starben im Zeitraum von 1947 bis 1980 noch 41 Prozent aller Toten durch Katastrophenlawinen, waren dies in der Spanne von 1981 bis 2016 nur noch neun Prozent. "Die restlichen 91 Prozent der Opfer waren im Bereich der Skitourengeher und Variantenfahrer zu verzeichnen", schlüsselte der Experte auf.

Ein Problem sei hingegen aktuell, dass viele Hänge über einen längeren Zeitraum nicht abgesprengt werden konnten, betonte Höller: "Da muss man jetzt besonders vorsichtig vorgehen."

 

(APA)