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Kurze Sprints zum großen Ziel

Auf dem Weg zu einer vorgegebenen Vision erledigen Teams definierte Entwicklungsaufgaben.
Auf dem Weg zu einer vorgegebenen Vision erledigen Teams definierte Entwicklungsaufgaben.(c) imago/Panthermedia (fotografiedk)

Aus der Software-Entwicklung kommend, wird Scrum zunehmend überall dort eingesetzt, wo es um rasche Innovation geht.

Wenn aus Visionen neue Produkte werden sollen, setzen immer mehr Projektverantwortliche zur Organisation des Entwicklungsteams auf eine Methode namens Scrum. „Scrum ist das agile Programmiergerüst mit dem größten Verbreitungsgrad. Es kommt aus der Software-Entwicklung, wobei es auch in anderen Branchen wie Automotive oder im Maschinenbau Versuche der Anwendung gibt, um höhere Produktivität und vor allem kürzere Innovationszyklen zu unterstützen“, sagt Markus Posch, Geschäftsführer von Tectrain. Der IT- und Business-Skills-Trainingsanbieter bildet unter anderem zertifizierte Scrum-Master aus, die dann in der Lage sind, innerhalb ihres Unternehmens den Scrum-Prozess voranzutreiben. „Das Agile Scrum Master Training ist für Personen gedacht, die diese Rolle im Zuge einer Produktentwicklung einnehmen und als Coach des Entwicklungsteams und Scrum-Prozessexperte fungieren sollen. Darüber hinaus ist der Scrum Master der Change Agent, der die Einführung von Scrum in Organisationen unterstützt“, erklärt Posch.

Doch was kann Scrum, englisch wörtlich „Gedränge“, was herkömmliche Projektmanagement-Methoden nicht (mehr) leisten? Ziel ist die schnelle und kostengünstige Entwicklung von Produkten entsprechend einer formulierten Vision. Allerdings mit dem Bewusstsein, dass viele Projekte zu komplex sind, um von A bis Z durchgetaktet werden zu können. Daher gibt es „Sprints“. In den ein bis vier Wochen langen Sprints bekommen Entwicklungsteams jeweils eine alleinige Aufgaben. In Reviews wird kontrolliert, ob die Ziele erreicht wurden. Die Transparenz über den Fortschritt des Produkts und des Sprints – innerhalb und außerhalb des Teams – ist Teil von Scrum.

Dynamik in den Griff bekommen

„Schnelllebigkeit und Konkurrenzdruck kennzeichnen das Umfeld von Organisationen und Projekten. Scrum ist eine sinnvolle Möglichkeit, um Komplexität, Dynamik und deren schwere Planbarkeit besser handhaben zu können“, sagt Manfred Pfeifer, Wifi-Wien-Trainer und Geschäftsführer der Next Level Academy. Um Scrum zu implementieren, brauche es eine gewisse Experimentierfreude, vor allem an Beginn eines Projektes, wenn das Ergebnis nicht im Detail geplant werde. „Es wird die menschliche Komponente in den Vordergrund gerückt und ein Loslassen von Struktur zugunsten von mehr Flexibilität und Kundenfokussierung sichergestellt. Das bedeutet mitunter eine dramatische Änderung des Mindsets der beteiligten Personen“, sagt Pfeifer. Die Vorteile seien bessere Produktqualität und höhere Produktivität. Am Wifi bildet er Professional Scrum Masters aus. Wer sein Scrum-Wissen vertiefen will, kann das etwa im Seminar „Scrum advanced for Scrum Masters“ der Next Level Academy tun. Auch die FH Technikum Wien bietet ein Seminar zum Thema „Scrum in Projekten nutzen“ an.

Spielerisch vermittelt die Education Company Egos im „Scrum Boot Camp“ die Grundlagen von Scrum. „IT-Entwicklung spielt inzwischen in jedem Unternehmen eine Rolle. Daher ist es naheliegend, dass sich auch Menschen aus anderen Branchen mit der Thematik auseinandersetzen“, sagt Marc Bintinger, Referent am Enterprise Training Center. Aufbauend auf einem Grundkurs gibt es Fortbildungsseminare, etwa zum „Scrumpo“ (Scrump Product Owner). Das zweitägige Seminar vermittelt nicht nur Scrum, sondern auch, welche Rolle der Product Owner spielt und wie er mit Teams, dem Management und Kunden zusammenarbeiten kann. „Scrum definiert kein in Stein gemeißeltes Ziel für die nächsten fünf, zehn Jahre. Vielmehr arbeitet es mit einem Zeitfokus von Monaten, weil in dieser schnelllebigen Zeit vielfach eine ständige Anpassung an den Markt gefordert ist“, erklärt Bintinger.

Web:
https://nextlevelconsulting.com; www.wifiwien.at, www.tectrain.at, www.egos.co.at


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2019)