Ein Wagner-Gott mit Humor und einem Herzen für die Moderne

Opernsänger Theo Adam (1926–2019).
Opernsänger Theo Adam (1926–2019).imago

Theo Adam, Bayreuther Wotan und Hans Sachs und gesuchter Bassist im internationalen Opern-Business zwischen Wien, London und New York, starb 92-jährig in seiner Heimatstadt Dresden, der er als ehemaliges Mitglied des Kreuzchors lebenslang die Treue gehalten hat.

Wotan! Aber auch Baal! Theo Adam war einer der vielseitigsten unter den großen Sängern des 20. Jahrhunderts, einer, der auch vor heikelsten Aufgaben im Bereich der Neuen Musik nicht zurückschreckte, weil er seine Stimme technisch perfekt beherrschte und intellektuell auch mit vertrackten Aufgaben kaum zu überfordern war. Aus solchem Holz sind Sängerlegenden geschnitzt.

Am 1. August 1926 kam Theo Adam in Dresden zur Welt. Geboren wurde er in künstlerischem Ambiente. Der Vater war Dekorationsmaler – und schickte den Sohn, wie sich das bei einer musischen Familie in Dresden gehörte – zum Kreuzchor. Mit Bachschen Kantaten ist Theo Adam also groß geworden. Er wuchs in die eminente Musizier-Tradition seiner Heimatstadt hinein und hat, so lange man ihn dafür engagierte, auch immer gern Barockes interpretiert. Auf CD ist er sogar als Christus in der legendären Mauersberger-Aufnahme der „Matthäuspassion“ zu hören!

Das muss man auch wohl informierten Musikfreunden dazusagen, denn sie haben diesen Künstler als Opernstar adoriert, als einen Bassisten von eminentem Format, der eine Zeitlang aus Bayreuth nicht wegzudenken war und dessen vokal wie sprachlich minutiöse Gestaltung des Wotan an der Seite der Brünnhilde Birgit Nilssons im grandiosen Karl-Böhm-Ring für die Ewigkeit dokumentiert ist.

Adam, der eines der Aushängeschilder der DDR–Kulturpolitik war, hätte es sich als in aller Welt gesuchter Interpret von Partien wie dem Wotan, dem Hans Sachs und manchem von Richard Strauss – nicht zuletzt des Ochs auf Lerchenau („Rosenkavalier“) und des griesgrämig-liebenswerten Sir Morosus in der „Schweigsamen Frau“ einfach machen können. Doch er war neugierig, interessiert an allen Strömungen der Neuen Musik und immer dabei, wenn es darum ging, als populärer Sänger dazu beizutragen, die Moderne unters Volk zu bringen.

Also sang er Bergs „Wozzeck“ oder (etwa unter Lorin Maazel in Wien) den Doktor Schön in „Lulu“, aber er nahm auch Rollen in Werken von Zeitgenossen an, von Henze oder von Einem und – unvergesslich – Friedrich Cerhas „Baal“, der bei den Salzburger Festspielen 1981 zu einer Sensation werden konnte, weil Adam alle Facetten dieser vielschichtigen Brecht-Rolle auslotete und keine Mühe hatte, die enormen stimmlichen Anforderungen, die das lange Werk an seinen fast pausenlos geforderten Titelhelden stellt, zu erfüllen. Für Adam war der Baal wohl die willkommene Gelegenheit, auch die humoristischen Facetten seiner Gestaltungskunst in ein großes, aufregendes dramaturgisches Ganzes einzubinden. In späteren Jahren versuchte der Künstler als Gesangsprofessor der Jugend zu dienen – in Dresden, versteht sich. Seiner Heimatstadt ist er ein Leben lang treu geblieben.

An der Semperoper hatte er 1949 in der Rolle des Eremiten in Webers „Freischütz“ debütiert – mit derselben Partie am selben Ort verabschiedete er sich 2006 von der Bühne. Am Donnerstag ist Theo Adam nach langer Krankheit in Dresden gestorben.