Rosa Turnschuhe

Der Rosa-Phase ist Marlene entwachsen.
Der Rosa-Phase ist Marlene entwachsen.(c) imago/Panthermedia (Himmelssturm)

Marlene wollte Turnschuhe kaufen, kam aber mit leeren Händen zurück: Es gab nur welche in Rosa. Der Rosa-Phase ist sie aber entwachsen.

Es gibt dieses Foto von Marlene in einem geblümten Kleid. Sie hat eine „Arielle“-Schultüte im Arm und eine Zahnlücke im Mund und sieht sehr niedlich aus. Damals spielte sie mit winzig kleinen Plastikponys, die in allen Schattierungen zwischen Blassrosa und Violett schillerten. Außerdem besaß Marlene eine Lego-Feenwelt mit einer Lego-Fee, die einmal ihre Flügel verlor, und das war wirklich ein Drama. Ich erzähle das, weil manch einer befürchtet, die Rosa-Flut in den Spielzeugläden und Kleidungsgeschäften dieser Welt könnte unsere Töchter zu Tussis werden lassen. Tut sie nicht. Mit 15 tragen die niedlichen Mädchen dann schwarze Hoodies und hören finsteren Rap. Für Sie getestet.

Die Designer wissen das freilich nicht. Sie entwerfen Kleider und Schuhe für 15-Jährige, als seien diese noch sechs. Weshalb Marlene immer wieder in der Herrenabteilung ihr Glück versucht. Dort findet sie einfärbige T-Shirts, Hosen mit vielen Taschen und wirklich warme Jacken. Und wenn es dort nicht klappt? Plündert sie den Kleiderschrank ihres Vaters und zieht seinen dunkelblauen Pullover als eine Art Kleid an. Das ist dann sehr kurz, aber jedenfalls nicht rosa.

Neulich hat freilich auch Marlene nicht mehr weitergewusst. Sie brauchte Sportschuhe. Die gab es nur in Farben, die an die mittlerweile entsorgten Ponys erinnerten: Altrosa und Lila, Violett und Purple, Weiß mit rosa Streifen. Marlene versuchte es wie gewohnt in der Herrenabteilung, aber in Größe 42 passt sie auch mit drei Paar Socken nicht hinein.

Muss sie also doch Feministin werden.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

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